Viertel, Berthold, 1939

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BERTHOLD VIERTEL
165 Mabery Road
Sunta Monica,Calif.. Dec. 7, 39.

Lieber Freund Graf,

Bernard Shaw hat mit seiner Prophezeiung recht gehabt:

Der EKinzelne kommt sich wie eine Motte vor, waehrend die
Weitgeschichte ihre umwaelzenden Taetigkeiten volizieht.
Nichtsdestoweniger,cinige Motten sind den anderen Motten
mehr ans Herz gewachsen als noch andere Motten. Was bei
Ihrem Schriftstelier-Verband vorgegangen ist, davon erfunr
ich nur aus den saeuischen Berichten des Schwarzschild.
Ergaenzungen dazu erhielt ich durch Privatbriefe aus
Frankreich, von Frau Dr. Budzislawski und anderen. Als ich
Ihnen gleich am Anfang schrieb, was fuer eine Stellung
Schwarzschild einnehmen wuerde, und mit welchen praktischen
Folgen, da haben Sie eS mir nicht geglaubt. Briefe aus Paris
fragen mich: was kann man gegen die Kreatur tun ? Jé&, was
koennen wir tun ? Ihm selber wohl nichts. Und das ist ja
auch Nebensache,. Mich beseelt keine Rachsucht gegen das
Individuum, das ja doch immer wieder nur ein Exponent der
Verhaeltnisse ist. Und ich begreife, in einer wie schwie-

rigen Lage sich die progressiven Schriftsteller der deut-

schen Ewigration in New York befinden. Herr Eppstein,
unser Unter-Schwarzschild, hat das klar genug gemacht. Und

' wir stehen erst am Anfang. Die Entwicklung der Dinge kann

ins Ungeheuerliche gehen. Daneben wird bald alies, was sich
in den Emigrations-Zirkeln ereignet, als die laeppischeste

Nebensaechlichkeit erscheinen. Trotzdem: ich wuesste gern,
wie Sie ueber das alles denken. Halten Sie es fuer moeglich
und empfehlenswert, dass sich wenigstens ein Teil der

- schriftstellerischen Emigration gegen diese. Wortfuehrer,

die sich hinter der augenblicklichen Macht aufgepflaunzt
haben, deutlich abgrenzt ? Koennte man das eventueli durch
eine Broschuere tun, die von einigen angesehenen Vertretern
(schon rein menschlich) wesensanderer Gesinnung verfasst
waere ? Ist das zu machen, oder hat das, auch wenn es zu
machen waere, kKeinen Zweck ?

Wie geht es Ihnen persoenlich ? Wegen Ihres Buches konnte
ich hier bis jetzt nicht: viel unternehmen. Ich habe so

wenig Zusamwmenhang mit deutschlesenden Kreisen — oder mit
Einzelmenschen, die heute ueberhaupt noch ein deutsches Buch
zu kaufen wuenschen. Ich werde ein paar Exemplare besteiien,
um sie zu Weihnachten zu verschenken. Das ist alies, was ich
im Momant tun kann. Ich arbeite - dhe: mein Gehirn treibt
weiter seine Seifenblasen. Nach Neujahr hoffe ich in

New York zu sein. Bitte, schreiben Sie mir auch, wie es den
anderen Freunden und Kollegen geht. Herr Manfred Georg aronte
dumit, einen deutschen Verlag zu gruenden. Kaum hatte er

das Wort gesprochen, als er auch schon wieder verstunmte.
Wie. geht es Wieland Herzfelde ? Ich sehe wanchwal den guten

Uhse, fuer den ich sehr viel uebrig habe. Auch er arbeitet,
und ich bin mehr als neugierig auf seine Resultate. ich

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ae ee S 165 Mabery Road
379 eae Santa Monica, Calif.

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| Dec. 9, 39.

Lieber Freund Graf,

Da ich schon am Briefe-Diktieren bin, schicke ich Ihnen

einen Nachtrag zu meinem gestrigen Schreiben. Ich bereue
pereits die zwei derben Ausdruecke, die ich darin gebraucht
habe. Das rutscht einem so beim Diktieren aus dem Herzen.
Aber man geraet damit so leicht in den Schlamm (Vorname : Willig
Dessen Zeitschrift las ich gestern. Was diese Leute an sach-
licher Moeglichkeit besitzen, verderben sie sofort wieder
durch ein Betragen, das unter jedem Zweifel ist. Ebenso las
ich gestern Schwarzschild'ts Polemik gegen Thomas Mann. Ich
bin darueber nicht empoert, in Gegenteil: cnclich geht er

auf das Grundsaetzliche zurueck. Und sielHé da, es ist ein .
Ei des Columbus, aber ein leeres. Ja, wey die Dinge so
einfach waeren !. Aber sie sind es leiderMnicht. Sie wercen
uns noch viel Kopf- und Herzzerbrechen verursachen, und was
will das heissen im Vergleich wu dem Unglueck en masse, das
sie ueber die ganze Welt verbreiten werden. Die Realitaet --
was fuer eine ] -~- wird noch ein gutes Stueck weiter gegengen
sein muessen, bis sich die Gesinnung rein herauskristelli-
sieren laesst. So verstand ich Ihre Antwort in der N euen
Volkszeitung. Freilich erweckte die nur den Hunger nach
jener gruendlichen Auseinandersetzung, die Sie -wohl mit
Recht-— noch nicht fuer moeglich halten. Inzwischen geht die
Hetze im Kleinen weiter. Wir bringen es scheinbar in

unserer zerkfluefteten und vom Koerper losgetrennten iinken
Seite nur zu groben Verdaechtigungen. Wer anders denkt und
fuechlt, ist bezahlt, bestochen und’muss den naechsten Behoer-.

- den ausgeliefert werden. Und das ist erst der Anfang. Sie

erinnern sich an den Fall,als Lisl Karlstadt inrem Gatten,
der Leute fuer den Circus engagieren wollte, cinen Jungen
auf einem altmodischen Dreirad vorfuehrte, und Vallentin mit
erhoebenem Zcigefinger sagte: "Der wird erst 3" Das alles
wirdmerst. Das Dies Committee, wie Jjener Junge auf dem
Dreirad, wird erst werden. Die Frage ist fuer mich nur: .
ob ich wich in die hiesige Tages Politik oder in den Knaeuel,
den die sich balgenden Emigranten bilden, hineinstuerzen
soll 1! Dazu tauge ich nicht sehr. Aber ob es nicht doch
an der Zeit waere, diesem Chaos eine neue wenschliche Platt—-
form abzugewinnen, auch wenn sich auf ihr die Geister nur
erst langsam sammeln koennten. Broschuere ? Zeitschrift ?
Oder besser: Maul halten und weiter dienen ?

Vergessen Sie bitte nicht, mir ucber dle Weiterentwicklung
im Schriftstellerverband zu berichten. Was denkt und tut .
Ferdinand Bruckner - um nur einen noch zu nenen ?

Web Feats so
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Herzlichst

PS.Koennen Sie mir 6 Ex. Ihres Buches

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fmarmie Zusencenlassén 7

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Metadata

Containers:
Box 2 (2-Correspondence of Oskar Maria Graf), Folder 133
Resource Type:
Document
Rights:
Image for license or rights statement.
CC BY-NC-SA 4.0
Date Uploaded:
October 16, 2023

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