POSSEDISMUS
PRED KEOPS GE
POSSEDISMUS
Verlag: K. Dahmannverlag,
Berlin- Wilmersdorf, Konstanzer Strafe 9
Druck: Rudolf Heidemann, Berlin-Neukélln, Bruno-Bauer-Strafe 17a
Vorwort zur 68. bis 70. Auflage
Im Dezember 1932 erschien die Broschtire ,,Der Possedismus‘ zum
ersten Male. Sie erreichte bis Ende Februar 1933 das 67. Tausend.
Dann wurde der Weitervertrieb durch die Machtergreifung der
NSDAP. aussichtslos.
Ihr Erfolg lag darin, da& der Possedismus eine neue Staats- und
Wirtschaftsauffassung brachte, die sowohl gegen den Marxismus
wie auch gegen den Kapitalismus eine neue dritte Lésung
_ aufzeigte. Nicht als eine Art Synthese oder opportunistische Briicke,
sondern uber sie beide hinausgehend. Schon damals ftihlte ja die
uberwiegende Mehrzahl der Deutschen, dai das kapitalistische
System zu Grabe getragen werden mu8, wenn aufstrebenden deut-—
schen Menschen Raum und Moglichkeit zum echten Leistungsauf-
stieg geboten werden soll; aber auch, da8 der Marxismus nicht mehr
die innere Sehnsucht der Menschen befriedigen konne.
Lenin selbst schreibt in seiner Schrift tiber Karl Marx (S. 13):
,Der groBe Grundgedanke, schreibt Engels, ist, daB die Welt
nicht ein Komplex von fertigen Dingen, sondern ein Komplex_
von Prozessen ist, worin die scheinbar stabilen Dinge, nicht
minder wie ihre Gedankenbilder in unserem Kopf — die Be-
griffe — eine ununterbrochene Bildung des Werdens und Ver-
gehens durchmachen. Vor der dialektischen Philosophie besteht
nichts Einmaliges, Absolutes, Heiliges. Sie weist von allem und
in allem die Verganglichkeit auf, und nichts besteht vor ihr als
der ununterbrochene Prozef des Werdens und Vergehens, des :
Aufsteigens vom Niederen zum Héheren.“
Und doch halten die Marxisten unbelehrbar an einer vor tber
100 Jahren entwickelten Theorie fest!
Der Kapitalismus aber lahmt und hindert genau so das Aufsteigen
vom Niederen zum Hoheren, weil tiichtige Menschen ohne Geld
(oder Beziehungen) sich unter seiner Herrschaft zu selbstandigen,
frei schaffenden Menschen nicht entwickeln kénnen.
Der Possedismus beweist nun, da8 in einem possedistischen Staat
dies durchaus mdglich ist. Er zeigt, wie die seit Jahrzehnten abge- —
droschene Phrase, daB die Tiichtigen, daB die, die etwas
ee ae
k6nnen und leisten , nach ,,oben“ sollen, im und durch den
demokratischen Staats- und Wirtschaftsaufbau des Possedismus
- Uberhaupt méglich ist und gesichert wird.
Darum auch sein Erfolg 1932!
Darum brachten die Lexika, so Meyers Konversationslexikon in der
im Jahre 1934 erschienenen Auflage bereits eine Wiirdigung des
Possedismus!
Und die zum Possedismus erganzende Schrift tiber den zukunftigen
Staat der Deutschen hatte eine Karte, auf der damals eine Neu-
einteilung der Lander aufgezeigt wurde. Nun, die heutigen. Lander,
sowohl der Bundesrepublik wie der deutschen demokratischen Re-
publik sind damals bereits so, wie sie heute sind, eingezeichnet (mit
Grenzkorrekturen nach wirtschaftlichen und kulturellen Zusammen-
hangen). :
Nun sind 20 Jahre vergangen. Noch immer suchen die ihr Vaterland -
und seine Zukunft liebenden Menschen nach der dritten Lésung.
Nach etwas Neuem. Nach der dritten Konze ptionzwischen
der kapitalistischen Weit des Westens und der
‘kollektivistischen Ostlichen Welt.
Einer Konzeption, fiir die es notwendig ist, daB sie sich nicht nur
auf eine der beiden jetzigen Teile, sondern auf ganz Deutsch-
land erstrecken kann.
Fur die Bevélkerung Westdeutschlands sind die alten Gruppierungen
in der Gesamtheit mit dem Odium des Versagens bis zum Jahre 1933
so belastet, daB man ihnen eine echte und vor allem ganz neue Ge-
Staltung der deutschen Zukunft nicht mehr zugesteht.
(Wenngleich wir aber nicht tibersehen wollen, welche ungeheure Miihe
und Last diese und ihre Leiter auf sich nahmen. Kinder ihrer Zeit, die
nun ihre schicksalsbedingte Aufgabe erfiillt haben und, alt geworden,
Jungem und Neuem Platz machen miissen).
Und uber die Erfahrungen bei der Durchfiihrung des konsequenten- :
Marxismus in der sowjetisch besetzten Zone gibt es ja nur eine
Stimme!
So habe ich mich entschlossen, den Possedismus neu herauszugeben.
Er ist gegen 1932 wesentlich iiberarbeitet, neu gewonnene Erkennt-
nisse sind hinzugenommen, denn seit 1945, wo wir die 1932 begon-
nene, freilich nie ganz abgebrochene Arbeit wieder aufnahmen,
haben wir unaufhérlich mit Menschen aller Art ob der praktisch_
‘moglichen Durchfiihrung unserer Thesen diskutiert und debattiert
und auch manche wertvolle Anregungen angenommen. Die Starke
dieser neuen Idee bewies ja schon, da8 sich noch heute, nach
- 20 Jahren, in verschiedenen Orten unseres Landes Zirkel von Posse-
disten gehalten haben, die schon seit geraumer Zeit drangten, doch
wieder herauszutreten. Doch manchmal ist der Mut zur Geduld
groBer als der Mut zur Tat.
ce
Da ich bis Marz 1952 in der sowjetisch besetzten Zone als Privat-
unternehmer lebte, um den Marxismus auch in der Praxis genauer
zu studieren, war dies bis dahin unmodglich.
Immerhin danke ich unseren sowjetischen Freunden, da sie mir
durch eine langere Inhaftnahme Zeit und MuBe gaben, die Arbeit —
natiirlich dort nur gedanklich — zu vollenden.
Dies geschah iibrigens in derselben Zuchthauszelle Nr. 89, in der
ich die letzten Jahre vor 1945 — durch einen fast tragischen Irrtum
eigentlich zum Tode bestimmt — dartiber nachdenken konnte, wenn
von Hoflakaien eingeredete Unfehlbarkeit Suchen und Finden des
Rechts ersetzt; und wenn eine gesunde Korrektur durch eine echte
Demokratie fehlt oder unterdriickt wird.
Nichts ist vollkommen. Gemeinsame Arbeit aller Gutwilligen wird
es schaffen, daB wir, die so vom Schicksal geschlagenen Deutschen,
wieder mit Hoffnung fiir eine gliicklichere Zukunft erfiillt, ein
neues, ein besseres Vater- und Mutterland bauen konnen. (s. An-
merkung 1)
Berlin, am 24. Mai 1952. Fritz Kloppe
| Allgemeine Grundgedanken
Die groBe Triebfeder in dem Triebwerk der N atur und der Ge- _
sellschaft heiBt Eigenliebe. Die Kultur kann diese ihre’
Haupttriebkraft veredeln, aber sie darf nicht daran denken, sie ~
zerstoren zu wollen, ohne sich selbst zu vernichten.
‘Der ruhelose Wunsch eines jeden-Menschen, seine Lage zu ver-
bessern, ist der groBe Motor aller sozialen Entwicklung; alles
Fortschrittes.
Die menschliche Selbstsucht ist demnach keineswegs an und fir
sich verwerflich; sie bedarf nur der verniinftigen Beschrankung
und Leitung, welche resultiert aus der Tatsache, daB das wirk-
liche Wohlbefinden und das Gliick des einzelnen abhangig ist ~
von dem Wohlbefinden und dem Gliick der Gesamtheit.
Das groBe Moralgesetz der Vernunft und Humanitat fordert
nichts Unmégliches, Supernaturalistisches. Es lautet:
Sei so gliicklich wie moglich, sei es aber
nicht auf Kosten deiner Mitmenschen! .
Wie kann also eine sinnvolle Ordnung den Menschen dieses
Streben erleichtern? Und wie kann sie denen, die das auf Kosten
ihrer Mitmenschen erreichen wollen, die notwendigen: Zugel
anlegen?
Bekampfe den unseligen Neid (die Wurzel alles Ubels), aus dem —
die Niedertracht (und das Denunziantentum) erwachsen.
Nicht der Gedanke darf dich beherrschen: weil ich nichts habe, |
weil ich durch Geburt und Abstammung mit Gliicksgiitern nicht
gesegnet bin, darum beneide ich den anderen und méchte ihn
herunterziehen, daB er auch nichts mehr hat. =
Denn — und nun erkennen wir die hohe sittliche Bedeutung —
einer solchen neuen Ordnung, der Possedismus gibt mir die
Moglichkeit, gibt mir die Hoffnung und die Gewahr, daB auch —
ich mich selbst emporschwingen kann. DaB ich nicht zeitlebens —
der arme ,,Unterdriickte“ bleiben mu8, ja daB ich den von init ae
noch ,,Beneideten“ einholen, ja tiberspielen kann.
” ? Pp
Nur dann, wenn diese Hoffnung im Staats- und Wirtschaftsauf- —
bau als méglich und fiir den Tiichtigen und FleiBigen als sehr —
_ wahrscheinlich verankert ist, kénnen wir auch in dieser Hinsicht
__ Zu einer neuen Moral und echten Sittlichkeit kommen. sh
,Ist der Arbeiter am laufenden Band ein Vergntigen, der wohl
Sonntags vom ,,Aufstieg der Begabten‘‘ lesen mag, aber am
Werktag inne wird, daB er in diesem von Gott verlassenen Ka-
pitalismus nie nach oben kommt, selbst wenn er die Begabung
in sich triige? Da ja keine freie Konkurrenz existiert, sondern
der mit dem Gelde seiner Eltern geborene Direktorssohn viel
weiter vor ihm liegt. Vielleicht wird manchem, der mitbauen
\
will am neuen Deutschland, der letzte Sinn klar, der hinter der —
von Marx (leider unwahr) gepredigten proletarischen Revolution ~
steht. Welchen Antrieb sie fiir die Arbeiterschaft haben muBte! —
Die proletarische Revolution war das, was fur den Hauptmann
das Schlachtfeld, nimlich die letzte Chance. Nicht etwa um Geld
und fette Beute — das wollen weder der gute Soldat noch der
gute Proletarier — sondern um die Méglichkeit zu erringen, die ~
in ihm-bisher unterdriickten Krafte zu zeigen, nutzbar zu machen.
Ein Staat, der nicht allen seinen Volksgenossen diese Chance
gibt, und zwar in der Form, da& die Triebkraft des Ich, der Ego-
ismus, eingebaut ist in den Motor der Gemeinschaft — ein Staat,
der dies nicht vermag, ist sinnlos und naturwidrig.“
Und Herbert Blank fiigt diesen seinen Worten in seinem Buch
,soldaten‘ noch ein Wort des Generalfeldmarschalls Neithardt : ;
von Gneisenau hinzu: Die Freiheit jedes einzelnen, sich auszu-
bilden, erwerben, sich emporschwingen zu kénnen, bewirkt
Wunder. ;
. Auf drei Gebieten kann der einzelne Mensch sich auszeichnen,
sich emporschwingen und beweisen, daB er etwas kann, dafi er
den Durchschnitt iiberragt und daB er das Vertrauen der anderen
gewonnen hat
a)aufdem Gebietder Politik,
b) auf dem Gebiet der Wirtschaft,
c) auf dem Gebiet der Kultur.
Wobei unter Kultur auch das groBe Gebiet sozialen Wirkens ein-
geschlossen ist.
Bei dem einseitigen Vorherrschen der Politik werden alle Tich-
tigen der Gruppen b und ¢ gezwungen, sich einer politischen
Partei anzuschlieBen, wenn sie sich emporschwingen wollen oder,
um ihre Fahigkeiten in einem gréBeren Rahmen besser der Ge-
samtheit nutzbar zu machen, empor sollen.
Wir wollen aber diese Gruppierung nicht so verstanden wissen,
daB eins vom anderen getrennt wird, sondern alle drei Daseins-:
formen sind ja doch ein Ganzes, unléslich Verkntipftes — die
Einheit des Lebens! (s. Anmerkung 2)
E. Die Krise des demokratischen Prinzips.
Als 1789 mit der franzésischen Revolution der Begriff der De-
mokratie wieder staatliche Form annahm, verkniipfte sich mit
dem Wort Demokratie der Begriff der ungeziigelten Freiheit.
Und so verkniipft der Mensch noch heute, wenn er Demokra-
tie sagt, damit den Begriff des Liberalismus. Man glaubt,
man erklart sogar, da8.das Wesen und die Aufgabe der Demo-
kratie die vollendete Freiheit sei. Und die Extremisten berufen
sich darauf und verwechseln mit Flei8 den Freiheitsbegriff der
Demokratie mit dem des Liberalismus. In Wirklichkeit ist das
Wesen der Demokratie harmonische Ordnung.
Die schranken- und ziigellose Freiheit ist nicht ein der Demo- -
kratie Immanentes, sondern ihr gréBter Widersacher. Wir miis-
sen deswegen ganz klar beide Begriffe trennen. Der Liberalismus
ist eine politische Haltung innerhalb der Demokratie. Er ist nicht
das Prinzip der Demokratie selbst. In einer Demokratie der har-
monischen Ordnung kann es keine ziigellose Freiheit des Ich
geben, die sich sogar als Zerstérerin dieser Demokratie zu be-
tatigen vermag.
Die unter Umstanden notwendige Beschrankung politischer und :
anderer Freiheiten verst6&8t zwar gegen den Liberalismus, nicht
aber gegen das Wesen der Demokratie. Wir vertreten eine De-
mokratie des ,,Wir‘, nicht des ,,Ich“. DaB in einer solchen Demo-
kratie eine starke liberale Gruppe da sein mu8, bejahen wir.
Schon um zu-wachen, da8 nicht unter dem Vorwand der Auf-
_rechterhaltung der Ordnung notwendig zu gewdhrende Frei:
heiten beschrankt werden.
Die Demokratie im Sinne des Possedismus hat keineswegs die
Freiheit in sozusagen ungeformter Gestalt im Sinn, sondern die
Freiheit, die sie will, ist geformt und von Anfang an begrenzt_
als eine grundsatzlich allgemeine und gleiche Freiheit.
Darum bekennen wir uns auch als Verfechter einer echten De-
mokratie im Sinne sinnvoller Ordnung zu den groBen Gedanken
der Unverletzlichkeit des Gewissens und zu der
Lehre von der religiésen Duldsamkeit.:
Keiner geistlichen oder weltlichen Obrigkeit kann das Recht zu-
stehen, die Meinungen zu bestrafen, in das Innerste und Eigenste |
des Menschen einzugreifen und die Uberzeugungen zu mafregeln.
Eine Strafgewalt der Obrigkeit kann erst dann eintreten, wenn
eine Verletzung der Gebote fiir den Frieden und die Sicherheit
der Gesellschaft erweislich stérsam ist.
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Der possedistische Staatsaufbau
Deutschland ist staatspolitisch einzuteilenin LanderundKreise.
Es gibt Stadtkreise (Stadte tiber 60 000 Einwohner) und Land-
kreise.
Eine neue Grenzziehung der Kreise nach wirtschaftlichen und kul-
turellen Gesichtspunkten ist in vielen Fallen angebracht. Die Zellen
der Kreise sind die Gemeinden.
An ihrer Spitze steht die aus Persénlichkeitswahlen hervorgegan-
gene Gemeindevertretung und der Burgermeister.
Die Wahl der besoldeten hauptamtlichen Biirgermeister erfolgt auf
die Dauer von 6 Jahren, die Wahl der unbesoldeten auf die Dauer
von 4 Jahren. (Siehe Anm. 3.)
Alle Biirgermeister eines Kreises bilden den Kreisgemeinde-
rat.
Die Kreise
Wir wiederholen noch einmal das im Eingang Gesagte.
Auf drei Ebenen kann sich eine Persénlichkeit auszeichnen und
zeigen, dafi sie nach bewiesener Leistung zur Fuhrung der Gesell-
schaft und des demokratischen Staates fahig und bestimmt ist:
Auf der wirtschaftlichen Ebene. ers
Auf der kulturellen Ebene. >
Auf der politischen Ebene. Ese
Um die Fahigen, die ,,Kénner“ in ihren Taten (nicht nur nach ihren
meist vielversprechenden Reden) zu erkennen, schafft der Posse-
dismus mit seinem staatspolitischen Aufbau von unten nach oben
die Voraussetzungen.
In jedem Kreise gibt es
Kreisgemeinderat,
Kreiswirtschaftskammer,
Kreiskulturkammer,
Kreistag.
Der Gemeinderat wird gebildet von allen Biirgermeistern des Kreises.
Die Kreiswirtschaftskammer wird von den Berufstatigen des Kreises
gewahlt.
Die berufstatige Bevélkerung wird aufgegliedert nach 5 Gruppen: |
~~ Industrie, :
Landwirtschaft,
Handwerk und Gewerbe,
Handel, ae
Beamte, Angestelite und Arbeiter der staatlichen und kommu- ~
nalen Organe.
Die Kreiswirtschaftskammer hat also 5 Fraktionen.
Ehefrauen wdéhlen in der Berufsgruppe ihrer Manner, sofern sie
nicht selbst berufstatig sind. -f
Die Durchfiihrung dieser Wahlen liegt in den Handen der Ge- >
werkschaften. (Siehe Anmerkung 4.)
Die Kreiskulturkammer wird gewahlt von den 5 Gruppen:
Lehrer und Erzieher und alle im Erziehungswesen Tatigen,
Schriftsteller, Journalisten, Buchhandler und -verleger (und
ahnliche),
Dichter, Kiinstler (und. ahnliche),
Arzte, Apotheker und alle im Gesundheitswesen Tatigen
Geistliche und alle im Dienst von Religionsgemeinschaften
Stehenden.
Die Kreiskulturkammer hat also ebenfalls 5 Fraktionen.
Die Durchfiihrung der Wahlen liegt in den Handen eines zu bilden-
den Bundes fiir Kultur und Menschlichkeit. (Siehe Anmerkung 5.)
Der Kreistag
_ ist die oberste entscheidende politische Vertretung des Kreises. Die — =
Halfte seiner Mitglieder wird von den politischen Gruppen des
Kreises in direkter und geheimer Verhaltniswahl gewahlt. Sie er-
_halten auf etwa 2000 abgegebene Stimmen einen Vertreter. (Siehe-
Anmerkung 6.)
Die Zahl der Mitglieder eines Kreistages wird durch die Wahlbe- —
teiligung ermittelt.
Die Wahlen finden ein Jahr nach den Wahlen zur Kreiswirtschafts-
und Kreiskulturkammer statt.
Zu den auf der politischen Ebene gewahlten Abgeordneten tritt
dann die gleiche Zahl aus den drei anderen Kreiskorperschaften.
Von diesen 50°/o stellen die Kreiswirtschaftskammer und die Kreis-
kulturkammer je 22°/o, der Kreisgemeinderat 6°/0 der restlichen Mit-
_glieder des Kreistages. (Siehe Anmerkung 7.)
Die Wahl der Gemeindeverordneten und der Biirgermeister wird bei
fortschreitender Entwicklung und Entflechtung vom jetzigen parteipoli-—
_ tischem Egoismus immer mehr zu einer echten Persénlichkeitswahl ©
_ werden. Die Gemeinden werden zu ihrem Stadtoberhaupt oft einen Mann ~
kiiren, der, zwar parteipolitisch unabhangig, sich als Personlichkeit ihr —
Vertrauen erworben hat. Zur erfolgreichen Leitung einer Gemeinde ge-
hért aber ein politisches Fingerspitzengefthl ersten Ranges. Es erscheint
also wiinschenswert, wenn wir in die oberste politische Vertretung der
Kreise und dann ja auch der Lander und des ganzen Deutschland einige
dieser Persénlichkeiten delegieren, die dann, gestiitzt auf das Vertrauen
ihrer Birgerschaft als kraftvolle Eigenpersoénlichkeiten in den politischen
K6érperschaften wirken sollen und kénnen. Der Prozentsatz des Kreis-
gemeinderates ist deswegen geringer, weil wir diese Burgermeister nicht |
in gréBerer Zahl ihren Aufgaben als Leiter der Kommunen entziehen ©
wollen. (Siehe Anmerkung 8.)
Der Kreistag wahlt den Landrat auf die Dauer von 6 Jahren.
Die kreisfreien Stadte (Stadtkreise) vollziehen ihre Wahlen nach den-
selben Gesichtspunkten. Auch in ihnen wird neben der Stadtver-
ordnétenversammlung eine Kreiswirtschaftskammer, eine Kreis-
kulturkammer und ein Stadtkreistag gewahlt. Der von der Stadt-
verordnetenversammlung gewahlte Biirgermeister gehoért dem Kreis-
gemeinderat des benachbarten Landkreises an. . ;
Der Oberbiirgermeister wird vom Stadtkreistag gewahlt.
Besondere Bestimmungen werden bei den ganz grofen Stadten wie
Berlin, Hamburg usw., die ja schon Lander geworden sind, getroffen
werden.
Jede der 4 Kreisvertretungen wahlt zu ihrem Vorsitzenden den
Prdsidenten.
Das Land.
Entsprechend diesem Aufbau hat auch das Land diese 4 Korper-
schaften.
Der Landesgemeinderat,
in den die Kreisgemeinderate ihre Vertreter entsenden. (Vielleicht
auf je angefangene 80 Mitglieder 1 Vertreter.)
DieLandeswirtschaftskammer.
In sie wahlt jede Fraktion der Kreiswirtschaftskammern auf etwa
je angefangene 50 Mitglieder einen Vertreter.
Die Landeskulturkammer,
deren Mitglieder von den einzelnen Fraktionen der Kreiskultur-
kammern zu wihlen sind. Keine der 5 Fraktionen darf etwa durch
Uberstimmung ausfallen.
Die in die Landeskammern Gew3hlten scheiden aus den Kreiskam-
mern aus. An ihre Stelle treten ihre Vertreter. Das sind die Wahl-
bewerber, die bei der urspriinglichen Wahl die nachst héhere Stim-
menzahl erreichten.
Landeswirtschaftskammern und Landeskulturkammern werden ge-
wahlt ein Jahr nach der Wahl der Kreiskammern. Zur gleichen Zeit ~
konstituiert sich der Landesgemeinderat.
Der Landtag.
Er ist die oberste entscheidende Instanz des Landes. Steht also nicht —
neben den anderen Landeskammern, sondern tiber ihnen.
Wie die Kreistage in den Kreisen, vereinigt er also in den Landern
wieder die auf den verschiedenen Ebenen erwachsenen Manner und
Frauen zu einem einheitlichen Ganzen. So werden die bei einem
- Nebeneinander der Ké6rperschaften moglichen Konflikte ausge-
schaltet.
Die Halfte der Mitglieder des Landtages werden von der gesamten
wahlberechtigten Bevolkerung eines Landes in direkter Wahl nach
dem Verhaltniswahirecht gewahlt.
Wahlvorschlage kénnen von allen politischen Gruppen eingereicht
werden, die in einem Kreistag des betreffenden Landes vertreten
sind. Als Wahlbewerber diirfen nur aufgestellt werden Mitglieder
eines Kreistages, eines Landtages oder des gesamtdeutschen Parla-
mentes. Also nur soleche Manner und Frauen, die die Bevélkerung
bereits nach ihren Taten und Wirken beurteilen kann.
(Bei der ersten nach possedistischen Grundsdtzen durchgefiihrten Wahl -
kann diese Bestimmung noch nicht angewandt werden.)
Etwa auf je 40000 Stimmen entfallt ein Abgeordneter. Zum Land-
‘tag Gewahlte scheiden aus ihren Kreistagen aus. An ihre Stelle tritt
dann dort ebenfalls ihr Stellvertreter.
Die zweite Halfte der Landtagsmitglieder werden von dem Landes-
gemeinderat, der Landeswirtschaftskammer und der Landeskultur-
-kammer nach dem Schliissel 6 + 22 + 22 Prozent gewahlt.
Die Wahl findet ein Jahr nach der Wahl der Landeskammern statt.
Der Landtag wahlt den Ministerprasidenten des Landes,
der sein Kabinett dem Landtag zur Bestatigung vorschlagt. (Siehe
Anmerkung 9.)
Ihre Spitzenk6rperschaften sind:
Zentralgemeinderat,
Zentralwirtschaftskammer, 2
Zentralkulturkammer,
Gesamtdeutsches Parlament.
Zu den ersten drei erfolgt die Wahl durch die betreffenden Landes-
k6rperschaften, wobei in der Zentralwirtschafts- wie in der Zentral-
kulturkammer die aus den Landeskammern Gewédahlten in diesen
ausscheiden, um eine stete Verjiingung zu erreichen.
Dasgesamtdeutsche Parlament.
Es wird zu 76°/o seiner Mitglieder in geheimer, unmittelbarer und
direkter Wahl von dem Volke nach dem Verhdltniswahlrecht ge-
12
Die deutsche Republik :
wahlt. Wahlvorschlage kénnen nur von den politischen Gruppen
eingereicht werden, die in einem Kreistag oder einem Landtag ver-
treten sind. Als Wahlbewerber kénnen auBer bisherigen Abgeord-
neten nur Manner und Frauen aufgestellt werden, die bereits Mit-
glied eines Landtages oder eines Kreistages sind. Sie scheiden im-
mer nach ihrer Wahl aus der betreffenden K6rperschaft aus.
Von den noch fehlenden 24°/o Abgeordneten des gesamtdeutschen
Parlamentes stellt die Zentralwirtschaftskammer 10, die Zentrai-
kulturkammer 10 und der Zentralgemeinderat 4°/o. (Siehe Anm. 10.)
Die Wahl findet ein Jahr nach den Landtagswahlen statt.
Das gesamtdeutsche Parlament wahlt den
Ministerpradsidenten (Bundeskanzler).
Die von ihm in Aussicht genommenen Ressortminister bedtirfen der
Zustimmung des gesamten Parlamentes.
Der Pridsident der deutschen Republik.
Er wird gewahlt in einer gemeinsamen Versammlung des gesamt-
deutschen Parlamentes, zu der zu diesem Wahlakt stimmberechtigt
hinzutreten alle Minister der deutschen Lander und Gesamtdeutsch-
lands und alle Prasidenten der Zentral-, Landes- und Kreiskorper-
schaften.
(Also der Zentral-, Landes- und Kreisgemeinderadte, der Zentral-,
Landes- und Kreiswirtschaftskammern, der Zentral-, Landes- und Kreis-
kulturkammern, der Landtage und Kreistage.)
Das ist die Versammlung der politisch, wirtschaftlich und kulturell
fiihrenden Manner und Frauen des neuen Deutschland!
13
‘Die im a apitaietischen Zeitalter vermengten und verworrenen =
griffe Eigentum und Besitz sind streng zu trennen. ee
ss " Figentum ist das persénlich Erworbene und unantastbar. a -
(Jede Wegnahme von Eigentum ist Diebstahl, auch wenn es dures staa’
liche Mafinahmen erfolgt. Und Diebstahl mu — ebenso wie die gemeine
werden.) pee
- Besitz ist ein ,Lehen“, das dem Besitzer vom V olke, von der Gace
_ schaft — in unserem Staatsaufbau also durch die Wied
_ mern — ubertragene Gut. gS
~ die ier der Gesamtheit erhalt oder er rhalten hat.
Dieses Gut verwaltet der Besitzer wie ein Eigentum, aber iiber
seine Verwaltung ist er Rechenschaft schuldig. Rechenschaft nun
nicht dem Staat oder einer (ihm vielleicht gegnerischen) Partei, son—_
dern dem von ihm selbst mitgewahlten Organ seines Berufsstandes,
der zustaéndigen Fraktion seiner Wirtschaftskammer. = ee
Figentum des gesamten Volkes sind also alle Monopolbetricbe,
Grund und Boden und die Bodenschatze.
Die Zentralwirtschaftskammern verwalten bzw. ihnen untersteeaes
die tiber das gesamte deutsche Gebiet sich erstreckenden Betriebe. ‘¢
_(Beispiel: Deutsche Bahn, Deutsche Post.) = —
Die Landeswirtschaftskammern die landesmafig eebundeeme und |
landesmaBig wichtigen. oe
Die Kreiswirtschaftskammern entsprechend. ze os :
_ Diese fiihren ferner die Aufsicht tiber den gesamten Landbesitz.
-(Soweit er nicht landesmafig — grofe Versuchsgiiter usw. — erfaBt _ :
ist.) Sie fithren die Aufsicht iiber den gesamten Haus- und> Grund-_
besitz, sowie sonstige Kommunalbetriebe, die allerdings, soweit wie
_ méglich, nicht als verstaatlichte Unternehmungen verwaltet, son- a
-dern als Besitz wieder in Privathand gegeben werden sollen. ‘Die
-Verwaltung dieses Volkseigentums hat also nicht der von der Po-
litik geleitete Staat (und gewisse bevorrechtete Parteien), sondern —
sie obliegt den betreffenden ja von den einzelnen Berufsschichten —
tionen (z.B. iiber Landwirtschaft Silecheidet die von der bauer
lichen Bevoélkerung selbst gew&ahlte Fraktion Landwirtschaft).
Diese Wirtschaftskammern tibergeben dieses Gemeineigentum als
Besitz an die von ihnen ausgewahlten Personen, und zwar, solange
sie ihre Pflicht erfiillen, auf Lebenszeit und unktindbar.
Die Wirtschaftskammern sind verpflichtet, nach dem Tode eines
»besitzers‘’ dem Sohne oder einem von dem verstorbenen Besitzer
gewiinschten Verwandten das freigewordene Lehen zu iibertragen, ©
sofern dieser den gleichen Beruf hat.
So ist also auch der Besitz gleichsam vererblich, ein ,,Erblehen*.
Nicht erben kann dagegen ein berufsfremder Fonte ee :
(Siehe Anmerkung f1.)
=
Wie wir beim possedistischen Staatsaufbau gesehen haben, besteht
fiir jeden ,,Konner“ eine Méglichkeit des Aufstieges auf der staats-
politischen Ebene.
Genau so mu8 auch das Wirtschaftssystem organisiert sein,
In ihm wird ein durch den Tod eines Besitzers erledigtes Lehen
frei. Es wird dann durch die Wirtschaftskammern neu an berufs-_
tiichtige z. Z. noch in abhangiger Stellung arbeitende Menschen ge-
geben. Der Zustand, da8 z. B. der Eigentiimer einer Bauernwirt-
schaft stirbt und die Erben das Gut verpachten und somit einen
anderen die Last und Sorge tragen lassen, wahrend sie die Pacht
ziehen und damit ohne eigene Arbeit und Verantwortung ein Son-
dereinkammen haben, ist im Possedismus unmdglich.'
Wie mit dem Landwirt ist es mit dem Industriellen, (,,ich habe eine
gutgehende Fabrik geerbt, kann also in der Grofstadt gut leben,
ohne zu arbeiten‘) ist es mit dem Handwerker und anderen. ,,Wer
nichts erheiratet und nichts ererbt, der bleibt ein armes Luder, bis
daB er sterbt’, dieses Wort, das die vom Kapitalismus beherrschten
Zustande treffend charakterisiert, wird der Vergangenheit ange- =
horen.
Auch der zweite Sohn eines tiichtigen Bauern, mit Leib und Sadie Land-
wirt, braucht nicht ,,einzuheiraten“, sondern er hat die Hoffnung, frei ge-
wordene Lehen iibertragen zu erhalten, vorausgesetzt, daB er sich in
seinem Beruf als tiichtiger Mensch gezeigt hat.
Der ,,arm‘‘ Geborene hat also Hoffnung und Zuversicht, daf er
durch FleiS und Kénnen vorwarts kommt und nicht ein Leben lang
fiir die Erben eines wohlhabenden Mannes zu arbeiten braucht. Und
er wird auch von den Wirtschaftskammern unterstiitzt, sich selb-
standig zu machen. Denn nicht nur erledigte Lehen werden neu
vergeben, sondern neue Betriebe werden mit ausreichender geld-
licher Sicherung durch die Wirtschaftskammern entstehen konnen.
Den Erben eines Besitzers, wie auch diesem selbst bei etwa einge-
tretener Berufsunfahigkeit oder Untiichtigkeit wird das erledigte
Lehen nicht entschadigungslos weggenommen, sondern sie erhalten
eine angemessene Entschadigung. Und zwar geschieht das deswegen,
weil der langjahrige Besitzer eines Lehens durch seine Tiichtigkeit
/
15
und Arbeit gewisse Eigentumswerte geschaffen hat, die selbstver-
standlich abgegolten werden miissen.
Alle auf den nunmehrigen ,,Besitztiimern‘ lastenden Schulden wer-
den von den Wirtschaftskammern durch die Gewadhrung von Til-
gungsdarlehen abgelést. So, dafB also alle durch die Not der Zeit i
z. T. schwer verschuldeten Deutschen frei werden von Privatglau- = 4
bigern und von der Zinsknechtschaft.
_Und da, wie wir in der Geld- und Steuerreform sehen werden, auch
im Possedismus alle Steuern wegfallen, werden alle unsere Produ-
zenten wieder aufatmen kénnen und mit neuem Schaffensmut ar-
_beiten. Und die Preise werden fallen!
= Das Tilgungsdarlehen.
‘Der Possedismus kennt keine Zinsknechtschaft.
(Nur wer zu privaten Zwecken sich Geld borgt, mag Zinsen zahlen, nicht © :
aber der Schaffende, der Werte fiir die Gesamtheit schafft.)
Wenn in dem obigen Sinne ein Lehen abgelést ist, dann wird der
Ablésungswert dem neuen Besitzer als Tilgungsdarlehen einge-
tragen. D. h. zu der entsprechenden Summe wird ein bestimmter _
Betrag als Kreditschuld zugeschlagen, so da dann eine Gesamt- —
schuld entsteht, die sich nicht jahrlich durch Zinslast vermehrt,
sondern die sich bei allen Abzahlungen verringert, bis sie getilgt ist.
Dasselbe ist es, wenn die Wirtschaftskammern neue in dem betr.
Land oder Kreis notwendige Produktionsstatten und Betriebe bilden
wollen. Ihre Errichtung wird einem befahigten Fachmann tber-—
tragen, der dann als Tilgungsdarlehen die notwendigen Mittel er- ©
halt. (Siehe Anmerkung 12.)
Der Handel ist frei, soweit mit ihm kein Produktionsbetrieb ver-
bunden ist, ebenso Gastwirtschaften usw.
Es muB vollstandige Gewerbefreiheitherrschen. Es mu sich ~
hier die freie Initiative des Tiichtigen, der sich emporschwingen
will, entwickeln kénnen. Es diirfen nicht Pfriindeninhaber, die an
sich schon‘gar nicht mehr den Erfordernissen einer fortschreitenden
Zeit entsprechen, durch den Staat geschiitzt und gesichert werden >
und der Strebende mit vielleicht neuen Gedanken und Moéglichkeiten
durch biirokratischen Formalismus an der Entfaltung seines Kon-
nens gehemmt werden.
(,Und wenn Du keine Beziehungen hast oder einer der herrschenden
Parteien nicht angehorst . . .‘‘)
In allen Betrieben und Unternehmungen ist das Mitbestimmungs-
-recht und die Partnerschaft der Betriebsangehérigen einzu- :
fiihren. (Siehe Anmerkung 13.)
Die Abgaben der Besitzenden.
Die jahrlichen Abgaben der. durch die Wirtschaftskammern ver-
nore Fa
gebenen bzw. belassenen ,,Lehen“ sind denkbar einfach zu gestalten.
Fiir jeden Hektar Landes (festzustellen nach 1., 2. oder 3. Gute) ist
jahrlich eine einmalige Summe als Abgabe festzusetzen. Sie darf
nicht hoch sein. Sie ist an die Kreiswirtschaftskammer abzufuhren.
Bei unverschuldet eingetretenen Schdden ist sie fur das betreffende
Jahr zu streichen.
Aber diese Abgaben und ihre Hohe werden ja nicht von einem
immer geldhungrigen Staat, sondern von der zustandigen Fraktion ~
der Wirtschaftskammer, also von den eigenen gewahlten, sich in ©
gleicher Lage befindlichen Berufsangehorigen festgelegt.
Dasselbe ist es fiir jedes Haus, jedes Fabrikgrundstiick usw.
Diese Abgaben stehen den Kreiswirtschaftskammern zur Verfugung,
um aufstrebenden und zu férdernden Menschen Tilgungsdarlehen
zu gewahren. Oder in Notfallen helfend einzugreifen.
Etwa alle drei Jahre ist der festgesetzte Einheitswert zu tberprufen.
(Siehe Anmerkung 14.)
Die Festsetzung dieser Abgaben geschieht ohne Berucksichtigung
des Gewinnes, den ein Bauerngut, ein Haus usw. abwirft. Es wird
also nicht der Ertrag eines Besitztums mit Abgaben belegt, sondern
nur der Einheitsgrundwert.
Dieser Staats- und Wirtschaftsaufbau wird auch eine schon so lange
erhobene moralische und sittliche Forderung der L6-
sung naher bringen und ihre Lésung erleichtern. Die zwar von
allen anerkannte, nie aber grundsatzlich durchgefiihrte Losung: Der
Mensch ist nicht nach Geld und Titel, sondern nach seiner Person-
lichkeit zu werten.
Wir haben gerade als Deutsche in der idealen Sphare fur den Ge-
danken, daB alle Menschen die gleichen Anspriiche haben, viel ge-
leistet. Doch die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland wider-
spricht dieser moralischen Forderung auch heute in der auffallig-
sten Weise. .
Alle Menschen sind nicht gleichwertig, aber alle Menschen werden
mit dem gleichen Anspruch geboren, ob in einer armen Hitte oder
in einer Villa. Ob sie gleichwertig sind, das miissen sie durch ihr
K6énnen beweisen. Sie miissen es beweisen, sagen wir. Aber wir
miissen ihnen die Mdéglichkeit geben, es beweisen zu koénnen!
Unter der Herrschaft des Kapitalismus gibt es diese Méglichkeit
nicht. Wohl aber im Possedismus.
ae
Die possedistische ]
Geld- und Steuerreform {
Nicht mehr der FleiB, die Sparsamkeit, die Arbeit und das daraus
resultierende Eigentum und Besitztum sind zu versteuern, sondern
das Geld, also der Geldschein und die Miinze.
Und wie?
- Deutschland gibt zwei verschiedene Geldsorten aus.
Eine Verrechnungs- oder A-mark (= Auslandsmark) und eine I-
mark (= Inlandsmark).
Die Verrechnungsmark dient zur Deckung des Imports und
zum Handel mit den iibrigen Landern.
Sie mu& Gold- bzw. Devisen- bzw. wertgedeckt sein. Sie kann das
auch, da wir davon hoéchstens 2 Milliarden brauchen.
Die Inlandsmark braucht dagegen nicht gedeckt zu sein. Ihr
Kurs ist ein innerer Zwangskurs. Und wenn sie auch im Ausland
einen viel geringeren Wert haben wird, so ist das ohne Belang,denn
sie dient ja nur zur Befriedigung des Inlandsbedarfes.
Dieses Inlandsgeld wird nur mit einer Laufzeit von einem Jahr aus-
gegeben. Das heiSt: am Ende eines Jahres wird das gesamte um-
- laufende Geld ungiiitig. Es werden neue Scheine und neues Miinz-
geld ausgegeben. (Siehe Anmerkung 15.)
Jeder also, der deutsches Geld hat, mu8& spatestens am Jahresende
sein Geld bei einem Geldinstitut (Post usw. auch) einzahlen, um
von seinem Konto dann am Jahresende die fiir das nachste Jahr
gultigen Scheine und Miinzen abheben zu kénnen.
so ag oe nee PR aH RN HANEY I IT
Bei allen diesen Einzahlungen werden nun 10°/o als einmalige Steuer
abgezogen und an den Staat abgefiihrt. Wenn ich also 10 Mark ein-
zahle, werden mir auf meinem Konto 9 Mark gutgeschrieben. Von
diesen 9 Mark wird dann aber nichts mehr abgezogen. Sie bleiben
fiir dieses und alle kommenden Jahre unverdndert. Und werden
entsprechend verzinst.
Bei Uberweisungen von Konto zu Konto wird nichts abgezogen.
Die Steuerruhtnuraufdem Geldschein und nicht auf
dem Geldbesitz.
Das Sparen und eine Kapitalbildung wird also nicht unterbunden.
Allerdings, wer seine Geldscheine nicht einzahlt, sondern sie ,,im
/
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nee i cxncctcpo reyes anagem eens hen ge Ne nem
Pah ee} Paik RS ob thot 4
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Strumpf* (heute noch wegen der Steuer) versteckt halt, der hat am
Jahresanfang nur noch Altpapier.
Die Auslandsmark dagegen wird 1:1 umgetauscht, und zwar nur an
wenigen Stellen im Inlande und bei allen Konsulaten im Ausland.
Sie wird ja auch nur ausgegeben an Import- bzw. Exportfirmen und
zu Auslandsreisen. Sie hat innerhalb Deutschlands denselben Wert,
wie die I-mark. Ich erhalte also, wenn ich ins Ausland reisen will,
fir 10¢C I-mark 100 A-mark. Beim Umtausch gréBerer Summen die-
ser Verrechnungsmark kann ein Nachweis tiber ihren Erwerb ver-
langt werden.
Mit dieser einmaligen Steuer von 10°/o auf das Geld sind aile iibrigen
Steuern abgegolten. Es gibt weder eine Vermégensteuer, noch eine
Einkommensteuer. Es gibt keine Umsatz- und keine Gewerbesiene:
Alle Steuern kommen in Wegfail.
Es gibt vor allem keine Lohnsteuer.
Alle Beamten, Angestellten und Arbeiter erhalten ihre Beziige voll
ausgezahlt, ohne jeden Abzug.
Die Finanzamter werden so wieder zu Instituten, die nicht der
Schrecken der FleiBigen, sondern die Geldverwalter des Staates
werden. ;
Die gesamte: Buchfiihrung fallt weg, Steuerberater werden iiber-
flussig. Steuerfahndung ist unndtig, denn die beliebten Steuer-
hinterziehungen werden unmédglich. Wer Geld hat, muB eben die
10°/e bezahlen.
Die gesamte Lohnbuchhaltung wird tiberfliissig.
Auch die indirekten Steuern werden (nach und nach) abgebaut_und
damit eine kaum vorstellbare Verbilligung aller Waren erreicht.
(Siehe Anmerkung 16.)
Steuern bezahlt tatsachlich nur der, der mehr Geld hat, als er zur
Fristung des Lebens braucht. Der gering bezahlte Arbeiter, der
kleine Angestellte, der Pensions- oder Rentenempfanger, werden
praktisch vollkommen steuerfrei. Bei der Neigung aller nicht asozia-
len Menschen, sich ein, wenn auch kleines Sparguthaben zu schaf-
fen, — und das wird dann bei der Verbilligung der Preise wieder
allen modglich sein — wird dann auch ein solch gering Bezahlter bei
der Einzahlung zum Sparen einen, wenn auch geringen Steuerbetrag
mit leisten.
Das Zollwesen wird man zum Schutze der einheimischen Wirtschaft
in gewissem Mafe belassen.
Der Finanzminister ist alle Sorgen los. Er kann genau berechnen,
wieviel er sicher am Ende eines Jahres einnimmt. Ein Beispiel: Wir
drucken in einem Jahr 100 Milliarden Inlandsmark aus. Am Ende
des Jahres werden dann diese 100 Milliarden dadurch wertlos, weil
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-g ae so da8 der Finanzminister But « einer festa —
nahme von 10 Milliarden Mark rechnen kann.
Dazu kommt noch, daB schon im Laufe des Jahres dauernd Betrage ~
auf den Kassen eingezahlt werden, die schon vor Jahresende wieder
abgehoben werden, weil der Betreffende fliissiges Geld braucht
- Dieses Geld wird aber, wenn auch nicht von demselben, wieder ein-
gezahlt. Da also das Geld ja haufiger umschlagt, wird in Wirklich-
keit ein viel héherer Betrag erreicht werden. (Siehe Anmerkung 17.)
Der Haushaltsplan Gesamtdeutschlands wird wesentlich geringe:
sein als heute. Alle Ausgaben fur Schulen, kulturelle und soziale
Zwecke, und alle dhnlichen, die heute den Haushaltsplan belasten,
werden ja von den 100 Milliarden, die der Staat druckt, schon
gedeckt.
__ Abgesehen davon, da8 eine noch unvorstellbare Vereinfachung un-
_. seres ganzen wirtschaftlichen Lebens die Folge ist, wird auch end-
‘lich die dringend n6étige Steuerehrlichkeit erreicht, die auf keinem
anderen Wege durchzufithren ist.
_ Alle gegen diesen Vorschlag stehenden Bedenken wiegen den mora-
lischen Gewinn nicht auf. as
Alles Horten von Geldmitteln, um es der Steuer zu entziehen, ist
ausgeschlossen. Wer Geld verdient — und wir wollen, daB die Men-
schen verdienen — mu8 eben spatestens am Ende des Jahres seine —
- 10% zahien. Und damit wird die Ungerechtigkeit beseitigt, daB der
Festbesoldete eigentlich immer derjenige ist, den die Steuer voll
und ganz greift. Und auch die, da8 der Einkommensteuerzahler so
viele Méglichkeiten hat, durch Absetzungen aller Art die Steuer zu-
drucken. Kannst du, der du festbesoldet bist, die Bewirtung deiner ~
Gaste von der Steuer absetzen? Fast alle Autos werden auf Ge- —
schaftsunkosten gekauft usw. (Siehe Anmerkung 18.)
So ist immer und immer der Festbesoldete und der Arbeiter der 3
,»Wumme“‘, der zwangslaufig steuerehrlich ist. Und er sieht den
krassen Unterschied. Alles dies fallt bei der possedistischen Steuer-—
reform weg. :
Wer Geld verdient, soll alles kaufen, was sein Herz begehrt. Aber
nicht auf Kosten der anderen, die die Steuern aufbringen miissen.
Allein diese Geld- und Steuerreform gibt aber auch die Méglichkeit,
nun schnell und entschlossen die wichtigen, seit Jahren ihrer EG z
harrenden Aufgaben zu meistern. ate
Oder kann jemand sagen, wie ohne neue Belastung der gesamten
arbeitenden und schaffenden Bevoélkerung die Heimatvertriebenen, ©
die Heimkehrer, die Bombengeschadigten usw. endlich einmal eine
wirklich durchschlagende Entschadigung erhalten sollen und damit
wieder Mittel, um menschenwiirdig leben zu konnen, erhalten kon-
nen, von diesem so armen Deutschland?
Aber positive Vorschlage!
Hier sind sie:
Nehmen wir einmal im Possedismus die Summe von 100 Milliarden
Geld- und Notenausgabe im ersten Jahr an. Die Summe wird fest-
gelegt, damit keine Inflation eintreten kann. (Die entsteht, wenn
ohne Beschrankung immer neue Noten nachgedruckt werden.)
Mit 50 Milliarden kénnen wir ‘mit einem Schlage die ersten An-
spriiche der Umsiedler, der Heimatvertriebenen, der Heimkehrer
usw. befriedigen. Das heift also, jeder von diesen wiirde ohne weitere
Belastung der Wirtschaft mindestens 5000 Mark als erste Rate sofort
erhalten. (Siche Anmerkung 19.)
90 Milliarden kénnten zum staatlichen, durch die Wirtschaftskam-
mern durchzufiihrenden Wohnungsbau der privaten Wirtschaft als
Tilgungsdarlehen gegeben werden, (Und wir wissen alle, was fur —
Folgen eine rege Bautatigkeit hat: die ganze Wirtschaft bliiht auf.)
10 Milliarden erhalten die Lander fiir ihre, der Kreise ‘und Gemein-
den notwendigen Ausgaben.
5 Milliarden erhalten die Wirtschaftskammern zur Ausgabe von
Tilgungsdarlehen, die der Entschuldung der gesamten Wirtschaft _
dienen, insbesondere auch des Hausbesitzes. (Siehe. Anmerkung 20.)
5 Milliarden erhalten die Kulturkammern. Z
10 Milliarden erhalt die deutsche Kranken-, Invaliden- und Renten-
versicherung. (Siehe Anmerkung 21.)
Der Staat selbst erhdlt ja dann mindestens 10 Milliarden fur seinen me
Haushalt von der 10prozentigen Abgabe.
Die angegebenen Summen sind reine Annahmen. Der Finanzminister
hat aber alle Unterlagen, um -priifen zu kénnen, ob man einen der
genannten Posten héher oder niedriger ansetzen mufB.
Am Ende des ersten Jahres flieBt also das gesamte Umiaufsgeld-
wieder in die Kassen des Staates zuriick. Nach den Erfahrungen
und nach den Bediirfnissen fiir das kommende Jahr hat es die Zen-
tralwirtschaftskammer in der Hand, zu priifen, ob etwa die gleiche
Summe ausgegeben werden muB8, oder ob man allmahlich — auch
in den weiteren Jahren — die Summen wieder verringern kann. —
So kimen wir nach Beseitigung der Not wieder zu einer normalen
Notenausgabe. (Siehe Anmerkung 22.)
Aber immer stellt das Geld das Blut im Organismus des lebendigen
wirtschaftlichen Lebens dar. Je machtiger es in den Adern pulsiert, —
desto gesiinder ist die Volkswirtschaft unter der Voraussetzung, dai
sie ein geschlossenes System darstellt und nicht Liicken aufweist. .
Das Wohlergehen eines Volkes schafft dann die Erzeugung von
21
Gutern und deren Zufiihrung zum Verbraucher; das ist der wirk-
liche Kreislauf der Wirtschaft. Das Geld ist das Blut, das durch die-
sen Organismus kreist und die Safte belebt, den Austausch zu er-
moglichen. (Siehe Anmerkung 23.)
Je mehr Geld vorhanden ist, desto leichter kann die Zusammen-
arbeit in der Wirtschaft vonstatten gehen. Aber die Menge des
Geldes ist nicht allein entscheidend. Es mu auch umlaufen. (Und
durch den Jahresumtausch wird es gezwungen, umzulaufen.) Das
Geld mu8 dort erscheinen, wo die natiiriiche Tragheit die vorhan-
denen wirtschaftlichen Krafte schlummern 1a8t, lockend und glei-
Bend, Gewinn und Nutzen versprechend, bis auch der Gleichgiiltige
aufgerittelt wird, mitzuarbeiten in der Nationalen Gemeinschaft!
Der possedistische Staatsaufbau, der possedistische Wirtschaftsauf-
-bau und die possedistische Geld- und Steuerreform werden dies zu-
_ wege bringen.
Mitdem Possedismuswerdenwirauseinemarmen
von allen Seiten bedrangten und mit Geldforde-
rungen belasteten Deutschland wieder ein wirt-
schaftlichblithendesunddamitgliicklichesLand
schaffen!
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Pe, ats at
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sUtbatee 2 tes:
sete take itn
Anmerkungen und Erganzungen
1. Der Name Possedismus ist eine freie Erfindung des Verfassers.
Er geht zuriick auf das lateinische posse = k6nnen. Bedeutet
also, daB ein Staats- und Wirtschaftssystem so aufgebaut sein
mu8B, da&B die Menschen, die etwas kénnen, auch wirklich auf- 5
zusteigen vermégen. 2
Die zweite Wurzel ist das lateinische possedere = besitzen. Der
Possedismus unterscheidet zwischen Eigentum und Besitz.
Eigentum ist das durch eigene Kraft Erworbene und ist des-
wegen unantastbar. a
Besitz sind Giiter, deren Dasein der einzelne nicht allein sich - 3
selbst, sondern der Gesamtheit verdankt. Und die ihm, wie die. =
weiteren Ausfiihrungen tiber die Wirtschaftskammern zeigen
werden, ,,zum Eigenen“ tibertragen worden sind.
Auch dieser Besitz wird durch den Possedismus geschiitzt und
ist nicht wegnehmbar, wenn der Besitzer den entsprechenden,
dem Wohle des Volkes und der Gesamtheit dienenden Gebrauch —
macht. ee
Aber der Besitz ist nicht Eigentum, das also immer unantastbar . oe
ist. Und wenn der Besitzer einen volksschadlichen Gebrauch ee
von diesem ,,Lehen‘‘ macht, dann hat das Volk durch die von >
ihm gewahlten Organe das Einspruchs- bzw. Eingriffsrecht.
Eine der Hauptthesen des Possedismus ist also, daB wir genau
zwischen dem Eigentum und dem Besitz unterscheiden.
Schon 1932 hatten wir der liberalen Ich-Idee den Wir-Gedanken
entgegengesetzt. Das ,,Wir‘‘, das den einzelnen an die Gesamt-
heit bindet, und daB er ihr verantwortlich ist.
Wir sehen die Welt als Bewegung, nicht wie das Ich als Zu-
stand. Ich-zeiten und Wir-zeiten haben sich oft abgelést. Und
wenn eine Periode die andere ablést, dann versucht die alte
immer wieder GegenstéBe, und es vergehen im Ablauf einer
solchen neuen Epoche oft Jahrzehnte, ehe man die in ihr herr-
schenden Gesetze zu handhaben weiB.
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2. Bisher ist es doch so. Wenn sich auf dem Gebiet der Wirtschaft,
der Kultur, der Sozialpolitik ein Mann oder eine Frau hervortat,
dann kam irgendeine Partei, um diese anerkannte Persénlich-
keit wegen der Wahlstimmengewinnung zur Mitgliedschaft zu
bitten. Und es gab auch fiir sie keinen anderen Weg, sich em-
Se Oe oe
23
porzuschwingen. Warum muB6 ein tiichtiger Lehrer, anerkam
von seiner ganzen Gemeinde, erst in eine Partei, um aufzu-
steigen? Warum muB eine tiichtige Gemeindeschwester, vor-
bildlich in ihrem sozialen Wirken, in eine Partei, um sie als
Vertreterin der Frauen sichtbarer zu nominieren, oder in eine |
von einer bestimmten Partei riicksichtslos beherrschte soge-_
nannte Massenorganisation? Oder ein Beamter? Oder ein Arzt? |
Oder ein Dichter? Warum mu8 ein Journalist — politisch oft —
befahigter und mit mehr Instinkt begabt —- immer erst einer
Partei sich unterwerfen, wenn er als eine anerkannte kluge
Persénlichkeit mit gesunden Ideen mit an der V erantwortung :
fiir Volk und Staat beteiligt werden soll? Und Buchverleger? —
Was so manche von ihnen fiir deutsches Kult urgut und deutsche
Kulturgeltung getan haben, brauche ich nicht im einzelnen auf- _
zufiihren.
Mit den Vertretern der Wirtschaft, die als Organisatoren und —
Erfinder Werke schufen und gro8 machten, mit Handwerkern ~
-und allen in ihrem Beruf sich Auszeichnenden, mit den Arbei-
tern in den Betrieben, ist es dasselbe.
Immer heift es heute im Parteienstaat: Du bist zu héheren und .
gréBeren Aufgaben berufen. Volk und Staat brauchen dich,
aber du mut erst einer Partei beitreten. (Und dich in allen
Dingen dann der Parteidisziplin und dem Fraktionszwang unter-—
werfen!) A
Wie im einzelnen ae Wahimodus aussehen soll, ist eine zweite
Frage. Es mu eine Persénlichkeitswahl sein. Die Gemeinden
iiber 1000 Einwohner sind in Wahlbezirke einzuteilen. 10 Stimm-
berechtigte kénnen einen Gemeindeverordneten fiir ihren Wahl-
bezirk vorschlagen. Jeder darf nur einen Wahlvorschlag unter- ~_
schreiben.
Der Wahlbewerber mit den meisten Stimmen (absolute Mehr- —
heit) ist der fiir den Bezirk gewahlte Gemeindevertreter, der
mit der nachst héheren Stimmenzahl sein Stellvertreter. Die —
Wahl erfolgt im Februar auf die Dauer von 4 Jahren. Die Ge-
wahiten bilden die Gemeindevertretung.
Die Wahl des Biirgermeisters erfolgt von einer Versammlung
aller gewahlten Gemeindevertreter und ihrer Stellvertreter im
Oktober. Zu beachten, da fiir diese Wahl nicht nur die Ge-
_- meindevertreter, sondern auch ihre — ja eigentlich nicht ge- ~~
wahlten Stellvertretér beteiligt werden, um diese W ahlkérper- =
schaft méglichst gréBer zu gestalten. = =
Hierbei mache ich auf die vorbildlich arbeitende » Nach =5
barschaftsbewegung“ aufmerksam, die in diesem
Sinne an allen Orten zu f6rdern ware.
4. Auch hier miissen Wahlvorschlage von einer ziemlich kleinen
Gruppe von Wahlberechtigten unterschrieben sein. Auf etwa je
angefangene 2000 entfallt ein Vertreter. Die Wahlen finden -
ebenfalls alle 4 Jahre statt, immer ein Jahr nach den Gemeinde-
wahlen.
Die Wahldurchfiihrung liegt bei den Gewerkschaften.
Diese, die ja gebildet sind, um die Rechte der Berufstatigen zu
wahren, kommen damit wieder zu ihrer eigentlichen Aufgabe.
Sie haben es nicht mehr notwendig, um ihre Forderungen durch-
zudriicken oder auch nur vorzubringen, sich einer politischen
Partei zu unterwerfen. Die Gewerkschaften werden also so wie-
der die machtvolle Vertretung aller Schaffenden ohne Rucksicht
auf die politische Einstellung des einzelnen, sie werden die nicht
vom Parteiegoismus geschittelte, von Parteien unbeeinfluBte und ~
unabhangige wahre Berufsvertretung aller in abhangiger Stel-_
lung sich Befindlichen. Denn wir werden weiter sehen, wie ihre
Vertreter dann iiber die Wirtschaftskammern auch in die poli-
tisch maBgebenden Kérperschaften kommen. Ohne sich fur eine
bestimmte Partei zu binden oder von einer solchen lanziert zu
sein.
Etwa 10 Wahlberechtigte reichen einen Vorschlag ein. Ehe-_
frauen wahlen immer in der Gruppe ihrer Manner. Die Wahlen™
finden 14 Tage nach den Wahlen zur Kreiswirtschaftskammer
statt. Auch auf 4 Jahre. Auf je angefangene 500 Wahlberech-
tigte kommt ein Abgeordneter. Die Zahl ist geringer, weil diese
Berufsgruppen ja nicht so stark an Zah] sind wie die rein wirt-
schaftlichen. Da angefangene 500 schon einen Vertreter ergeben,
werden auch geniigend Abgeordnete von jeder ,,Fraktion“ er-
reicht. Hierbei kann man noch folgendes zur Diskussion stellen:
Es gibt eine Menge Menschen, die neben ihrem Erwerbsberuf starke
kiinstlerische, soziale oder religidse Interessen haben. Die sich auch —
fiir Erziehungsfragen eingesetzt haben. Man koénnte darum auch die
Mitglieder bestimmter anerkannter Vereinigungen, die sich auf den
entsprechenden Gebieten betatigen, mitwahlen lassen und zwar je-
desmal in der fiir sie in Betracht kommenden .Gruppe. Oder die
Mitglieder des Bundes fiir Kultur und Menschlichkeit. Oder>man
bildet diesen Letztgenannten als Dachorganisation der verschiedenen
Verbinde. Das wiirde unter Umstanden eine gewisse Einseitigkeit
abbremsen.
Aber diese Frage ist zweitrangig bei der Schau des Gesamtauf-
baues. Die Kulturkammern haben unter ihrem Schutz
und ihrer Verwaltung das gesamte Bildungswesen, das also so-
mit allen parteipolitischen Interessenkampfen entzogen wird.
Ferner Zeitungswesen, Kliniken, Heilkunde usw.
Und so wird — so allein!— die Schule und die Erziehung
der Jugend dem Streit der Parteien entzogen. Diese werden aus
da sie ja auch die Mittel ftir alle diese Zwecke bewilligen, er-
in politischer Beziehung Klarheit und Entschlossenheit lahmt.
s Lehrer und Erzieher, alle geistig tatigen Berufe entscheiden im
/ ’ Possedismus ohne Ricksicht auf parteipolitische Vorschriften
durch die Kulturkammern iiber die richtige Erziehung unserer
Kinder. :
Allein schon diese groBe eee rechtfertigt das selbstandige
Bestehen einer Re neben den anderen K6rper-
schaften.
Die deutschen Volksschullehrer, einst die so vorbildlichen Kul-
turtrager auf unseren Dorfern, sind frei von dem Hereinreden
is ansonsten vielleicht ganz ordentlicher Partei- und Gewerk-
schaftsfunktionare, die in padagogischen Dingen weniger Klar-
Be ihnen selbst gewahite Fraktion ihrer Berufskameraden und die
Kulturkammer.
Nach den staatspolitischen Darstellungen miissen die Kreise be-
. ; gradet werden und zum Teil neu geordnet nach wirtseharthenes
Gesichtspunkten.
An drei oder vier Stellen des Landkreises sind Kulturstatten
neu zu errichten und mit allen Erfahrungen auszustatten. Da-
-mit auch vor allem die landliche Bevélkerung der stadtischen
gegeniiber nicht mehr benachteiligt ist.
Kulturzentren entstehen, an denen Poliklinik, héhere Schule,
Kino, Alters- und Pflegeheime, Kinderheime und dergleichen
auch der landlichen Bevélkerung zur Verfiigung stehen. Die
Forderung der Begabten und Tiichtigen kann sich nicht auf die
stadtische Bevélkerung beschranken, sondern mu& auch BAS
> den Kindern.der Dorfer zuteil werden.
Die sehr hohen Kosten werden, wie noch unsere Geldreform
zeigen wird, nicht so schwierig aufzubringen sein.
Wirtschaftskammer wird auch klare Begriffe auf dem Gebiet der
»Kunst und Wissenschaft‘ schaffen. Landlaufig verbindet man
oS beides als eins. Das ist falsch. Kunst gehort in das Gebiet der Kultur.
Die Wissenschaft ist zivilisatorischen Wesens. Wie Professor Esterer
Se es einmal definiert: Zivilisation umfa8t alle Einrichtungen, MaB- —
nahmen, Vorkehrungen und Bestrebungen, die dazu dienen, Menschen _
auf einem engeren Boden, als ihrer natiirlichen Tragfahigkeit ent-—
spricht, eine friedliche und gedeihliche Gemeinschaft zu erm6glichen.
Zivilisation ist also zweckhaft von Grund aus fiir den Staat.
verstandlichem Interesse immer danach trachten, die Jugend §
fiir eine bestimmte politische Richtung erziehen zu lassen: Und
gibt sich aus diesen Fragen oft ein ,,Kuhhandel“, der dann auch -
heit haben als der Fachmann. Uber sie wacht allein die von —
So werden in den Kreisen — von allen Dorfern erreichbar — —
Die Anerkennung einer Kulturkammer gleichberechtigt neben der —
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Kultur ist die Pflege und Foérderung all dessen, was fiir Sinne und
Gemiit des Menschen Schonheit enthalt. Sie ist also in bezug auf den
Bestand des Staates zweckfrei.
Wir k6nnen seinen Gedanken folgen, wenn er sagt, daB gerade
vom Staate her die Trennung in freie Forschung, die sogenannte -
,basisforschung’ und die zweckgebundene Forschung unerlaBlich
ist. Die letztere wird durch die Industrie — wenn sie wieder bliht —
und durch die Privatinitiative gefo6rdert. Dies geschieht schon durch
den Wettbewerb im In- und Ausland. Die freie Forschung, die die
Basis der naturwissenschaftlichen Erkenntnis hebt und der zweck-
gebundenen Forschung die Grundlagen schafft, mu8 durch die Kul-
turkammern gestiitzt werden. Sie mtissen die Atmosphare schaffen
und erhalten, in der Forschungswille und -freude gedeihen.
Man koénnte auch die Zahl vorher nach den im Kreise wohnen- ~
den Wahlberechtigten festlegen. Auf 2000 einen. Und dann bei
geringerer Wahlbeteiligung den Quotienten ermitteln, so daB
dann schon auf weniger abgegebene Stimmen ein Vertreter
entfallt.
Wir sehen also, wie sich der Possedismus grundsatz-
lichvondenStandestaatsbestrebungenunter-
scheidet und wie er der Politik durchausihr Vor-
rangrecht gibt. So wird aus den drei wieder eins. Denn der
Kosmos kennt keinen Dualismus. Es gibt nur eins oder. drei.
Also nicht zwei Vertretungen — Politik und Wirtschaft — son-
dern drei, die sich dann wieder zu einem vereinigen.
Zu diskutieren ist die Frage, wer die Kandidaten aufsteilt. Kon-
nen auch hier einige Wahlberechtigte einen Bewerber vor-
schlagen? Das birgt die Gefahr, daB Unzufriedene und Schwait- _
zer, die alles kritisieren, aber noch keine eigene Leistung be-
wiesen haben, andere Unzufriedene kurz vor der Wahl mit
Schlagwortparolen gewinnen. Das wiirde aber unserer Tendenz:
nur bewiesene Leistung kann zum Volksvertreter befahigen,
entgegenstehen. Es ist deshalb vorgeschlagen, daf die politischen
Wahlbewerber nur von politischen Gruppen aufgestellt werden
konnen, die in dem betreffenden Kreise wenigstens 6 Monate
vor dem Wahltermin bestehen, und die eine bestimmte Mindest-
zahl von eingeschriebenen, Beitrag gezahit habenden Mitgliedern
nachweisen kénnen. Dann wiirde eine Zersplitterung abgebremst.
Das Bedenken, da8 dann wieder eine gewisse Parteibtirokratie
regiert, ist nicht so wichtig. Denn die Leiter der Parteien leisten
ja schlieBlich die politische Vorarbeit. Wenn sie ihre Partei zu
einem starken Faktor gemacht haben, haben sie ja schon damit
eine Leistung bewiesen.
Schwatzer konnen zwar voriibergehend Menschen aufputschen, —
haben aber keine menschenbindende Kraft, mégen sie auch noch ~
so klug reden. .
27
10.
‘Die Angaben der Wahltermine sind zwar fiir die Gedanken des 3
nicht zu klein. Ebenso wird sich in Einzelheiten noch hier und —
Noch ein weiterer Vorschlag sei angefuhrt, dal namlich die po—
litischen Parteien gehalten sind, in einer Vorwahl nur unter
ihren Mitgliedern die Kandidaten wahlen zu lassen, die dann ~
die Partei der Offentlichkeit prasentiert.
J
Uber den fiir die kreisfreien Stadte gemachten Entwurf wird
sich noch manches sagen lassen. Wichtig ist nur, daB die Linie
unseres Aufbaues gewahrt wird: Nicht der von einem Inter- —
essenkliingel, einer Partei oder einer anonymen Gruppe Vor-
geschobene, sondern die durch bewiesene Leistung bewahrte
Persénlichkeit soll gewahlt werden.
Fe NERY REE
KOM T ES
Staatsaufbaues unerheblich. Sie sind deswegen angefiihrt, da E |
auf diese Weise das Volk jedes Jahr einmal zur Wahl aufgefor- e
dert wird. Es reift zur politischen Miindigkeit, und die Regie-
renden haben ein gutes Stimmungsbarometer. ae
Auch die im einzelnen angefiihrten Zahlen koénnen noch einer a |
Korrektur unterworfen werden ,wenn wir nach der Wiederver= ~ |
einigung Deutschlands die Unterlagen besser iiberblicken konnen. — a
Diese Schrift will ja ganz Deutschland, nicht nur die Bundes=~ 4
republik. Die Landtage diirfen nicht zu gro sein, aber auch ae
da eine geringe Abweichung herausschalen, denn wir alle, die
wir uns zu dem Neuen bekennen, wollen uns dieses gemeinsam
erarbeiten. me a
Hier ist der Prozentsatz der Anteilnahme der drei anderen Zen-
tralkérperschaften geringer als in den Landern und Kreisen.
Das ist deswegen richtig, weil das gesamtdeutsche Parlament —
wichtigere politische Aufgaben hat als die Lander- und Kreis-
tage, weil es die Politik Gesamtdeutschlands bestimmt. :
Die Forderung, daB ,,Besitz‘‘ gebunden ist, dafi man ihn ._nie=
freihandig verkaufen kann (und damit spekulieren), wird in der
besitz-biirgerlichen Schicht starke Widerstinde finden. Gar — f
nicht verstandlich ist dieses ,,Dagegen‘’ bei Menschen konser-
vativer Haltung. Aber es gibt ja eine Menge liberale Reaktio—
ndre, die mit unglaublicher Gewandheit uber konservativen
Wortschatz und konservative Gesten verfiigen. Sie gebrauchen
dann den Begriff konservativ, weil sie damit in enger Verbin-_
dung mit den machtigen kapitalistischen Gruppen die freie Ver--
fiigung in echt liberalem Sinne tiber das ihnen Gebliebene zu “y
retten glauben. Und weil sie — ewig riickstandig — noch eine
Erinnerung an die Zeiten haben, wo konservativ sein bedeutete, =
zu den ,,Besseren“, zu den ,,Vornehmen*® zu gehoren. a
12.
Und die echt Konservativen, also wie wir der ,,Wir-Idee“ Zu-
geneigten, fallen dieser Menschensorte anheim. Vergessen, dah
die ,,Ich-Idee“ in ihrer letzten Konsequenz Gott und Seele aus
der Welt bannen muB und daf nur Geist und Materie bleiben.
Dem echt konservativ denkenden und fiihlenden (!) Menschen
sei deswegen ein Blick empfohlen in die Memoiren, die ,,Nach-
richten aus meinem Leben fiir meine Nachkommen“ des mar-
kischen Edelmannes Friedrich August Ludwig von der Marwitz,
Gutsherrn auf Friedersdorf. Ludwig von der Marwitz war nach
1800 der Fiihrer der miarkischen Stande, der Adeligen und
Konservativen, die sich leidenschaftlich gegen die Hardenberg-
schen liberalen Reformen wandten.
Dieser stockkonservative PreuBe verneint in jeder Form die
Heiligkeit des kapitalistischen Besitzmonopols. Niemand diirfe
mit seinem Eigentum machen, was ihm beliebe. Ein Eigentum
an sich, an eine Person gebunden, kennt von der Marwitz nicht.
Der Konig war Lehnsherr; und Eigentum war immerwahrende
Verpflichtung dem Staat und den Nachkommen gegeniber.
Ist jener Lehnsbegriff der echten Konservativen der damaligen
Zeit nicht dasselbe, wie unsere Forderung, das Obereigentum
der Nation an Grund und Boden anzuerkennen? Wobei der
einzelne nur Besitzer im Erblehen ist. Bie
Und von dieser charaktervollen konservativen Persdnlichkeit
sei im Hinblick auf die Uberschatzung von Priifungen, staat-
lichen Zeugnissen, Bescheinigungen usw. noch ein Wort uber
den Charakter hinzugefugt:
Charakter offenbart sich nur durch Taten und kann nicht wie
Verstandeskrafte im Examen erprobt oder durch Reichtum er-
setzt werden. Um unser Volk aus der furchtbaren Korruption
und Verwilderung aller Moralbegriffe (gerade der Besitzenden)
wieder gesunden zu lassen, brauchen wir nicht so sehr Men-
schen, die mit Erfolg Examen abgelegt haben, sondern Manner
und Frauen, die durch Taten ihren Charakter bewiesen.
Und wir wollen jedem, gleich welcher Schulbildung, gleich
welchen Herkommens durch unseren Staats- und Wirtschafts-
aufbau die Méglichkeit geben, durch Tat und Leistung Charak-
ter zu beweisen.
Solch ein neues Unternehmen gerat somit nicht von Anfang an
in die Zinsknechtschaft einer darlehnsgebenden Bank oder
reicher Privatgeldgeber, sondern ihr Leiter oder ihre Leiter kon-
nen frei und ohne wirtschaftliche Zinssorgen sich ganz dem.
Aufbau widmen.
Und da es ja auch keine Finanzamter mit ihren Steuerforde-
rungen mehr geben wird, so wird eine wirklich freie Wirtschaft
29
- erreicht. Wenn jemand heute ein Darlehen von 10000 Mark —
aufnimmt, um produktive Werte (und Arbeitsméglichkeit) zu -
_Fiir das Mitbestimmungsrecht der Betriebsangehorigen ist ja
schaffen, so hat er bei einem ZinsfuB von 5°/0 jahrlich 500 Mark
aufzubringen. Und seine Schuld bleibt dieselbe. Beim Tilgungs-—
darlehen wird dem Betrag von 10000 Mark ein bestimmter
Betrag, vielleicht 1—2000 Mark sofort zugeschlagen. Alle Ab- |
zahlungen verringern die Schuld und sind nicht nur Zinsendienst.
‘Der Zuschlag wird nicht einheitlich sein. Wird das Tilgungs-
darlehen einem Unternehmen gegeben, das, fundiert mit diesem
Darlehen, gute Ertrage verspricht, so wird die Wirtschaftskam-
mer den Zuschlag etwas hoher ansetzen. Anders ist es bei einem
Tilgungsdarlehen, das gewahrt wird, um einen Notstand zu be-
seitigen oder um eine volkswirtschaftlich wichtige — aber, be-
sonders im Anfang, nicht viel Gewinn abwerfende — neue Pro-
duktionsstatte zu schaffen. So sind auch die Tilgungsdarlehen,
die die Wirtschaftskammern bei Einfiihrung des Possedismus
den jetzt verschuldeten wirtschaftlichen Betrieben einschl. der
Landwirtschaft zur grundsatzlichen Entschuldung der gesamten
deutschen Volkswirtschaft geben werden, nur mit einem Zu-
schlag von 1% zu belasten. So wird die gesamtedeut-
sche WirtschaftdenDruckderZinsenundSteu-
ern mit einem Male los! Das geht, weil Geldwesen und
-Banken ja verstaatlicht sind. Die Folgen fiir unser gesamtes
wirtschaftliches Leben!
Auch der-Hausbesitz muB sofort so entschuldet werden,
damit er die Hauser wieder in Ordnung setzen kann und Mieten
nicht zu steigern braucht, sondern senken kann. Ohne den
Possedismus wird der Hausbesitz in den nachsten 30 Jahren da-
zu nie in die Lage kommen.
Jeder Streit uber den dann tberfliissigen Lastenausgleich ist
beendet. Wie wir berechnet haben, betragt die einmalige von
der Wirtschaftskammer festzusetzende Abgabe nur 1/4 der
Summe, die heute schon an Abgaben auf dem Hause lasten.
Also auch die Mieten werden erheblich billiger.
schon eine beachtliche Bewegung im Gange.
Wie soll im einzelnen die Mitunternehmerschaft bzw. Partner-
_schaft der Betriebsangehérigen aussehen?
Ein Unternehmer hat dies durchgefiihrt in Form von Anteil-
scheinen, die bewadhrten Mitarbeitern zum Jahresende gegeben
werden. Besonders wertvoll sind aber die Arbeiten von Gert
P. Spindler in Hilden, der mit seinem ,,Mitunternehmertum“
bahnbrechende Arbeit geleistet hat. Spindler ist mit der von
ihm organisierten Gruppe nicht doktrinaér, sondern betont sehr
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richtig, da die Verhaltnisse jedes einzelnen Betriebes unter-
sucht werden mussen und nicht ein § fiir § gleiches Uberein-
kommen fir alle méglich ist. Wir konnen den Untersuchungen
und Ergebnissen dieser Gruppe nur zustimmend folgen.
Der Verfasser selbst hatte in seinem Betriebe (19 Angehérige)
folgendes durchgefiihrt: Es wurde zuerst die Umsatzsumme fest-
gestellt, die notwendig war, um die Unkosten zu decken. (Miete,
Steuern, Lohne, Transport usw.) War dieser zur Deckung der
Unkosten notwendige Soll-Umsatz in einem Monat nicht hoéher,
blieb es bei den tariflichen Léhnen. Wurde er aber iiberschrit-
ten —. und das geschah fast immer — so wurde von der das
Soll tberschreitenden Umsatzsumme an jeden Betriebsangeh6ri-
gen fiir je 5000 Mark 10 Mark Sondervergiitung unter dem
Ausgabeposten ,,fiir Mehr- und Nachtarbeit“ gezahlt. Da wir oft
bis zu 40 000 Mark tiber das Soll erreichten, gab es fiir jeden in
den meisten Monaten 80°Mark fiir den Monat zus&tzlich.
Diese wohl fiir Klein- und Mittelbetriebe mégliche Partner-
schaft hat sich durchaus bewahrt. Alle waren hinterher, die
Kunden gut zu bedienen usw. Auch der Betriebsinhaber hatte
keinen Nachteil. Nur das Finanzamt erhielt weniger, aber in
etwas wurde es dadurch ausgeglichen, weil ja die Zusatzsummen
der Betriebsangehérigen auch lohnversteuert wurden.
Eine solche Partnerschaft mu8 auch in den dem Volke gehéren-
den Betrieben (verwaltet durch die Wirtschaftskammern) ein-
gefiihrt werden. Diese Betriebe diirfen ja nicht staatskapitalisti-
sche neue ,,Ausbeutungsbetriebe“ sein, sondern auch in ihnen
mu die Belegschaft Partner werden.
Wenn wir in der deutschen demokratischen Republik die ,;volks-
eigenen“ Betriebe sehen und nun untersuchen, worin denn nun
eigentlich das Volkseigene besteht, so finden wir auBer dem
Gefuhl, das ist unser, des Volkes Eigentum, nichts. Nicht ein-
mal die Steuern sind gefallen. Anstelle des privaten Unterneh-
mers ist nur der Staat getreten, dem gegeniiber die Arbeiter-
schaft ihre Anspriiche und Rechte nicht einmal so geltend
machen kann, wie einem Privatunternehmer gegeniiber.
Auch die im Possedismus durchaus anzuerkennen-
den,janotwendigen Gewerkschaften, deren be-
sondere Aufgaben schon dargelegt sind, werden ja da, wo es
nur volkseigene Betriebe gibt, tiberfliissig. Nur die von den
Arbeitnehmern einzuziehenden Beitrage sind fiir die von einer
bestimmten Partei zu versorgenden Sonderbeauftragten wichtig.
Von verschiedenen Vorschlagen sei ferner der eine angefiihrt,
wonach die volkseigenen, im Possedismus also den Wirtschafts-
kammern zueigenen Gro8- und Mittelbetriebe zu Aktiengesell-
31
32
schaften entwickelt werden. Dabei wiirden dann 51°/o der Aktien
immer in den Handen der Wirtschaftskammern bleiben, die
iibrigen als Kleinkuxen den Betriebsangehorigen als Gewinn-
anteil zugeteilt werden als Eigentum.
Es setzt freilich voraus, daB die groBen ,,volkseigenen“ Betriebe
durch eine einmalige groBziigige Hergabe von Staatsmitteln in
die Lage versetzt werden, produktiv zu arbeiten.
Bei unserer Geld- und Steuerreform ist das aber durchaus
méglich. Alle die hier angefiihrten Fragen bedtirfen noch einer
sorgfaltigen Uberpriifung und werden bei der Durchftihrung
des Possedismus auch in der Praxis eine zufriedenstellende
Lésung finden.
Genannt sei hier auch die von Dr. Albrecht WeiB gegrundete
,Arbeitsgemeinschaft fiir den sozialen Frieden“ in Stift Neuen-
burg bei Heidelberg. Z
Wie sehr diese wirtschaftlichen MaS8nahmen auch ethische
Folgen haben, dazu einige Ausschnitte aus der Rede, die der
Initiator des ,,Mitunternehmertums“, Gert P. Spindler, auf der
Intereuropdischen Konferenz fiir sozialen Frieden im April 1952
hielt:
Das soziale Problem der Gegenwart hat eine wirtschaftliche und
eine gesellschaftliche Seite, die beide eng miteinander verbunden
sind. Das wirtschaftliche Problem liegt darin, allen Menschen inner-
halb einer Volkswirtschaft einen mindestens ausreichenden Lebens-
standard zu gewdhren. Gleichzeitig hat sie aber auch die Ejigen-
tumsbildung fiir jeden Arbeitenden zu fordern.
Der industrielle ArbeitsprozeB mit der Spezialisierung auf einzelne
Fertigungen hatte als Ergebnis die Abhangigkeit des einzelnen von
den Entscheidungen des Unternehmers und fuhrte gleichzeitig zu
einer Vereinsamung am Arbeitsplatz. In einer Auflehnung hiergegen
kam es zum Zusammenschlu8& der Industriearbeiter zur Wahrung
ihrer materiellen und gesellschaftlichen Rechte. Die Unternehmer, in
den Auffassungen des Liberalismus befangen, erkannten erst all-
mihlich die Berechtigung der Forderungen der Arbeiterschaft; und
da diese von ihnen Opfer ihrer bisherigen Freiztigigkeit verlangten,
kampften sie verbissen um jede einzelne Position.
Heute beobachten wir nun, da8 zwar ein groBer Teil der Forde-
rungen erfiillt worden ist, eine wirkliche Eingliederung der breiten
Schicht der Industriearbeiter in die menschliche Gesellschaft aber
noch nicht erfolgt ist. Zugleich hat der jahrhundertalte Kampf den
Begriff der Arbeiterschaft zum Kollektiv werden lassen. Und es er-
gibt sich deshalb die Gegenwartsaufgabe, auBer dem gleichen Zu-
gang zum Eigentum durch Leistung dem einzelnen auch wieder seine
Stellung in der menschlichen Gesellschaft zu geben.
Es geht also darum, die Vermassungserscheinung zu iiberwinden,
nicht aber mit ihr als etwas Unabdnderlichem zu rechnen.
Behilt man diese Verhidltnisse bei, so bleibt die latente Gefahr,
daB die nicht mehr mit Einzelverantwortung und Einzelurteil aus-
14.
«gestattete gestaltlose Masse zum Werkzeug von Menschengruppen
und Ideologien wird, die diesen Zustand miBbrauchen, um im End-
ergebnis das menschenwiirdige Dasein fiir alle zu vernichten.
Man darf sich keinen Illusionen hingeben, einen so durchgreifenden
ProzeB schnell verwirklichen zu k6nnen. Er mu aber ohne Verzo-
gerung auf breiter Linie in Angriff genommen werden, um der
drohenden Gefahr zu begegnen, die sich das heute noch vorhandene
Kollektiv- und Abhdangigkeitsgeftihl zu nutze macht, um damit
ideologische Zwecke zu verfolgen, von denen wir wissen, daf} sie
nicht zu einer Befreiung von bisherigen, sondern zu einer. Verewi-
gung des freiheitlosen Zustandes der Arbeiterschaft fuhren.
Das Ubel und die Krankheit miissen an der Wurzel angepackt
werden. Von der Loésung der sozialen Frage hangt die Zukunft
Europas ab. Sie mu8S in Abkehr vom liberalen Kapitalismus
(Spindler ist GroBindustrieller!) und in der Offensive gegen den
Kollektivismus durch die Tat erfolgen.
Wir miissen die Arbeiterschaft gleichberechtigt in die mensch-
liche Gesellschaft eingliedern und jedem einzelnen Arbeiter
und Angesteliten die Méglichkeit geben, die ihm auf Grund
seiner Aufgabe, die er erfiillt, zusteht: sich seine anerkannte
Stellung zu schaffen.
Nach unseren Grundsatzen kann einer immer nur eine Land-
wirtschaft, ein Bauerngut, eine Fabrik oder einen Produktions-
betrieb haben. Dasselbe muB auch allm&ahlich mit dem Haus-
besitz, insbesondere den Zinshausern, erreicht werden. (Wochen-
endhauser und dergl. sind in diesem Sinne keine Hauser.) Der
Possedismus denkt nicht daran, mit der Wegnahme von bis-
herigem Eigentum zu operieren. Den Deutschen ist genug weg-
genommen worden. Nur Volksschadlingen gegentiber mu8 sofort
durchgegriffen werden.
Aber bei dem in ganz anderem MaBe zu férdernden Wohnungs-
bau, den ja dann die Wirtschaftskammern in die Wege leiten,
die dann auch die neuen Hauser als Besitz vergeben, mu der
Leitgedanke herrschen: Jeder soll nur ein Haus erhalten. Jeder
soll auch nur im Besitz des Hauses sein, in dem er selbst wohnt.
Es muB8 der Zustand aufhéren, daB Erbgemeinschaften im Be-
sitz von zahlreichen Hausern sind, wo ihr Verwalter. natiirlich
die Mieten eintreiben muB.
Es ist nicht daran gedacht, den Hausbesitzern nun jeden Ge-
winn aus dem Hause wegzunehmen. Verlangt aber mu werden,
daB sie fiir die ordnungsmafige Innen- und AuBenerhaltung der
Hauser von den Mietertragen sorgen. Und wenn durch die
Wirtschaftskammern festgestellt wird, daB dies nicht geschieht,
da8 Mahnungen unberiicksichtigt bleiben und daB immer wieder
alles den Mietern aufgebiirdet wird, dann tritt der Fall ein, wo
ein Besitzer nicht den richtigen Gebrauch von seinem Besitz
33
15.
34
macht; also die Wirtschaftskammer einschreiten mu. Dann
hort auch der Mietwucher endlich auf.
Und da8 die Hausbesitzer nur im Schutze der Allgemeinheit
sich ihres Besitzes erfreuen k6nnen (und ja auch sollen), hat
der letzte Krieg gezeigt, wo das Land und seine Manner mit
Leib und Leben dies ,,Eigentum‘ schiitzten. Die Hauseigen-
tiimer verlangen nun auch — mit Recht — eine Entschidigung,
wo der Schutz nicht ausgereicht hat und das Haus zerstort
wurde. Damit ist aber schon das Obereigentumsrecht des
Staates tiber den Haus,,besitz‘’ anerkannt. Das Haben eines
Hauses ist eben nicht Eigentum, sondern Besitz.
Wir haben ihn nur noch nicht gesetzlich verankert.
Dazu noch ein Beispiel: Fiir den armen Mann ist das Eigentum einer
Uhr, eines Rades usw. auch wichtig. Nun ist ihm seine Uhr oder
sein Rad bei den Folgen des Krieges abgenommen. Kann er sagen,
daB die Allgemeinheit ihm das nun ersetzen soll? Dies Gestohlene
war sein Eigentum — unantastbar vor staatlichem Ejingriff. Dafur
ist er aber auch selbst verantwortlich und kann hdchstens den Dieb
verantwortlich machen (oder eine von ihm privat abgeschlossene
Versicherung). Wer ein Haus hatte, macht aber nicht den betref-
fenden Bombenabwerfer schadenersatzpflichtig, sondern seinen
Staat, die Allgemeinheit seines eigenen Volkes.
Beziiglich dér einmaligen jahrlichen Abgaben der Haus- und
Landbesitzer kommen wir mit 8°o des Einheitswertes fir
Mietshauser und mit 5 °/o fiir Einfamilienhaéuser wohl aus. D. h.
also bei einem Wert von 30000 Mark bezahlt der Hausbesitzer
im ganzen Jahr 2400 Mark. Ein Einfamilienhaus von 10 000 Mark
500 Mark. Das bedeutet eine erhebliche Senkung aller Mieten.
Bei der Landwirtschaft mtissen, um diese gegen das Ausland
zu schtitzen, weniger erhoben werden. Aber die endgiltigen
Summen setzen die Wirtschaftskammern fest.
Die einzige Hortung, um den Umtausch zu vermeiden, ist viel-
leicht médglich bei den 10- bzw. 50-Pfennigstiicken wegen der
Automaten. Denn ein Geschaftsmann usw. nimmt ja nach dem
1. Januar keine alten Miinzstiicke mehr an. Aber Automaten
kann man nicht immer umbauen.
Um nun die Post, die Bahn, die Automatenbesitzer nicht zu
schadigen, kann man dann festsetzen, dai von diesen die
alten auBer Kurs gesetzten 10- (50-)Pfennigstiicke noch bis etwa
6 Monate nach dem Jahresschlu8 in Zahlung genommen werden
zum Umtausch. Der jedes Jahr neue Papier- und Miinzgeld-
bedarf wird ohne Mihe gedeckt, da ja die Abgabe des ungiltig
gewordenen Geides jedes Jahr gentigend Rohstoffe bringt. :
16.
17.
Was wird mit all den beschaftigungslos werdenden Leuten
geschehen? Nun, die Geldflissigkeit wird die Wirtschaft in
hohem Mafie beleben und viele Krafte brauchen. Dann werden
die Banken (diese vor allem Krafte des Finanzamtes), die
Wirtschaftskammern und die Kulturkammern mit ihren so ver-
mehrten Aufgaben viele dieser bewahrten Frauen und Manner
notwendig haben.
Bei Uberweisungen von Konto zu Konto, ebenso bei Postan-
weisungen, werden nattirlich keine 10°/o gekiirzt, da ja die
zehnprozentige Abgabe nicht vom Besitz und Eigentum, son-
dern eben nur vom Geldschein erfolgt. Der bargeldlose Verkehr
wird also geférdert. Staat, Wirtschafts- und Kulturkammern
zahlen natiirlich Gehalter, Loéhne und alle Rechnungen in bar.
Zur Vereinfachung ist noch folgender Vorschlag gemacht.
Der 10°/cige Abzug solle nicht immer, bei jeder Einzahlung,
erfolgen, sondern nur beim Umtausch der Geldsorten am Ende
des Jahres. Von den Konten wiirde dann der Betrag, der das
Konto des vergangenen Jahres tbersteigt, ebenfalls um 10 °/o
gektrzt am Jahresende. Also, wenn ich 1953 100 Mark hatte
auf Spar- oder sonstigem Konto, werden mir am Ende 1953
10 Mark abgezogen. Bleiben 90 Mark. Wenn am Ende 1954
mein Konto 200 Mark betragt, werden die 10° nur von den
110 Mark abgezogen, nicht aber wieder von den 90, die aus
dem Jahre vorher stammen. Das ware eine grofe Verein-
fachung, aber es wiirde dem Staat, der ja Geld braucht, nicht
so viel einbringen. Doppelt braucht namlich auch bei dem
urspriinglichen Vorschlag niemand zu zahlen, denn er wird ja
niemals Geld abheben, um dasselbe wieder einzuzahten. Ich
habe 500 Mark auf Konto, will mir etwas kaufen, dann hebe
ich 200 Mark ab. (Bei der Abhebung wird ja nichts abgezogen.)
Diese 200 Mark zahle ich ja nie wieder ein, sondern kaufe dafur
z. B. ein Radio. Dann zahlt der Verkaufer die 200 Mark ein
bzw. hat sie weitergegeben. Einer mu8 sie ja mal wieder ein-
zahlen. Dann gehen davon wieder 10°/o ab, der Staat erhalt
also sozusagen aufer der Reihe nochmal Mittel. Ohne dai der
einzelne doppelt belastet ist!
Es wird sich herausstellen, daB dabei nicht die 10 Milliarden
an Steuern erzielt werden, sondern eben durch den Geldum-
schlag mindestens 15 Milliarden. Je eher aber Deutschland
wieder zu Mitteln kommt, um so eher kénnen die dringenden
Aufgaben gelést werden. Dann brauchen im nachsten Jahre
nicht mehr 100 Milliarden, sondern vielleicht nur noch 80 neu-
gedruckt zu werden und wir kommen allmahlich zu einer
normalen Geldausgabe.
35
18. Zu diesem Thema bringen wir einen treffenden Aufsatz aus
der Zeitung ,,Der Fortschritt’’ vom 4. joo 1952. ,,Der Fort-
schritt schreibt:
Es geht ein Rif durch das deutsche Volk. Noch ist der Kampf-
ruf: ,,Hie Arbeitgeber, hie Arbeitnehmer! Es lebe der Klassen-
kampf!“ nicht verhallt. Und schon erhebt ein neuer Gegensatz
are Haupt. ,,Hier Lohnsteuerpflichtiger, hier Einkommensteuer-
zahler.“
Es ist ein neuer Stand in unserem Volk entstanden, vergleichbar
mit dem Adel friiherer Tage. Es war ein gehobener Stand. Heute
sind es die Spesenritter, die ihren héheren Lebensstandard ni
der Tapferkeit, sondern ihrer Stellung zum Finanzamt verdanken.
Weshalb? Die Antwort ist einfach. Wir haben ein falsches Steu
system. Der Gegensatz zwischen arm und reich wird dopp:
sichtbar. Der Gewinn wird ausgegeben, manchmal sehr leicht-
fertig, denn er kann nicht gespart d. h. zur Kapitalbildung be-
nutzt. werden, wie es bei einer verniinftigen Gewinnbes teue 1
der Fall sein wiirde. Das begiinstigt die sozialen Spannungen.
Um der standig lauter werdenden Kritik an der Spesenwirtschafi
entgegenzutreten, hat man eine Verordnung geschaffen, die das
Gaudium aller Eingeweihten darstellt. Man beschrinkte den
Spesensatz fiir Bewirtung der Geschaftsfreunde auf DM 10,—.
fur Auslander auf DM 30,— taglich. Damit nicht Unberechtigte
in den GenufS dieser Vergiinstigung kommen, wurden peinlich
genaue Bestimmungen ausgearbeitet, die alle Verwandschaf S-
schlieBen. Fur die Ehefrau, die Kinder, die Verlobte gibt es keine
Spesen. Wohl aber ftir die Bardame, die zur besseren Unte1
haltung. des Geschaftsfreundes mit eingeladen wird. Soviel
weiB, haben wir ein frommes Finanzministerium. In dieser
tung aber tragt es zur Lockerung der Sitten bei. Der Geschafts-
abschluB darf nicht durch die Ehefrau gefdrdert werden. Di
bleibt daheim. Die Freundin oder die Animierdame aus der
Tangobar ist abzugsfahig.
Was ist nun der: Erfolg dieses Steuersystems? Die Wirtschaft-
lichkeit ist sinnlos geworden. Was hat eine Firma mit einer
Million Betriebskapital davon, daB sie einen Gewinn von 200 000
DM erzielt? Denn fiir Gewerbesteuer, Vermédgensteuer, Einkom-
mensteuer, Soforthilfe usw. flieBen ingesamt 90°/o an die Kasse
des Finanzamtes. Wo findet man den Ausgleich? Ganz einfach
darin, daB alle Dinge, die frither aus dem Einkommen und dem
persOnlichen Vermégen bestritten wurden, angefangen vom Auto
und der Badereise, nun tiber Geschaftsunkosten laufen. Denn
diese mindern den Gewinn. Wozu die 200000 DM verdienen,
wenn man durch Anschaffung eines 20 000-DM-Luxusautos durch
eine Vergniigungsreise nach Nordamerika oder Sidafrika fur .
25000 DM, durch die Beschaffung von reprdsentativen Buro- 4
einrichtungen, die nach dem Vorbild Hollywoods mehr an eine -
Luxusbar als an einen Biiroraum erinnern, Steuern sparen kann?
Der Lohnsteuerzahler oder gar der Rentenempfanger steht mit
offenem Munde daneben-und argert sich. Dabei sind die Leute,
die mit dem verchromten StraBenkreuzer an ihm vorbeirauschen 4
und Tagungen ihres Wirtschaftsverbandes grundsatzlich nur in oA
Baden-Baden oder Berchtesgaden besuchen, keine Steuerhinter-
zieher. Sie nutzen nur die Méglichkeiten aus, die das Gesetz
ihnen gab.
So kommt es, daB eine Senkung der Unkosten in der Wirtschaft
uninteressant ist. Dementsprechend auch eine Senkung der Preise,
die fiir den gemeinen Mann, den Lohn- und Gehaltsempfanger,
so lebenswichtig ist.
Die Umsatzsteuer, die sicherlich die unsozialste aller Steuern ist, ;
wird zur gréBten Einnahmequelle unseres Staatswesens. Man hat il
berechnet, da& fiir den Bau eines 100000 DM Wohnhauses nur |
60°/o tatsAchliche Kosten entstehen und 40000 DM in irgend einer — |
Form als Steuern gezahlt werden miissen. Man erkennt sie nicht ;
auf den Rechnungen. Aber bis der Sack Zement zu Beton ver-
stampft ist, sind allein dreimal 4°/o Umsatzsteuer und 57 weitere
Steuerarten angefallen. So ist es mit allem. Ob wir Bettwasche —
kaufen oder eine Tasse Kaffee trinken. ... |
Jeder Mensch will von seiner Arbeit méglichst gut leben. Je
tiichtiger er ist, um so besser. Die Geschaftsleute haben sich,
wenigstens was ihre persénlichen Lebensverhaltnisse anlangt,
durch Abschreibungen und Spesen geholfen. Der kleine Steuer-
zahler ist das Frontschwein der Steuerlinie.“
19. Diesen tapferen Soldaten, die haufig zu spat kamen und alle
Moglichkeiten besetzt fanden, muB ja durchgreifend gehoifen
werden.
20. Es soll vor allem dazu dienen, die gesamte deutsche Landwirt-
schaft, die mittleren und kleineren Betriebe, den gesamten Mit-
telstand von ihren Schulden (und der damit verbundenen Zins-
knechtschaft) an Banken und private Glaubiger frei zu machen.
Die bei. den Wirtschaftskammern eingetragenen Tilgungsdar-
lehen belasten ja nicht durch den Zins und werden von den
Kammern nie so gektindigt werden, da8 der Betrieb zum Er-
liegen kommt. Im Kapitalismus ist es ja jedem Glaubiger nicht
verwehrt, durch scharfes Zufassen ganze Wirtschaften ,,unter
den Hammer‘ zu bringen. Die gréferen Gesellschaften haben
durch die Ausgabe von Aktien (méglichst Kleinaktien) die Mog-
lichkeit, bei der eintretenden Geldfltissigkeit-die notwendigen
Mittel zu. erhalten. (Beachte auch die Anmerkung 22.) Es soll
auch dazu dienen, wichtige Produktionsbetriebe in die Lage zu eo
versetzen, wieder liefern bzw. arbeiten zu kénnen. Ein Beispiel: =
Die deutschen. Reedereien haben neben vielen Inlandauftragen
Auftrage von z. Zt. tiber eine halbe Million Gewichtstonnen aus
dem Ausland. Sie kénnen ihre Werften nicht erweitern, Bank-.
kredite belasten zu sehr durch Zinsen, sie miissen zahlreiche _
Auftrage abweisen. Und doch kénnte man ihnen mit Tilgungs- ag
darlehen so helfen, daB durch die Bestellungen aus dem Ausland ‘
Devisen gewonnen werden. Arbeitslosigkeit wiirde vermindert ©
usw.
Denn bei der geplanten Vereinfachung kénnen auch alle Kran-
kenversicherungs-, Invaliden- und Rentenversicherungsbeitrage
22.
23.
38
beim Lohnabzug in Fortfall kommen. Wenn wir die gesamt-
deutsche Versicherungsanstalt einmalig fundieren, und wenn sie
in den nachsten Jahren laufend geniigende Mittel erhalten kann
(und das kann sie), dann kann jeder ohne besonderen Beitrag,
ohne Unterschied des Standes und Berufes kranken-, invaliden-
und rentenversichert sein. (Jeder Deutsche!) Dabei wird fiir alle
eine gleiche Summe festgesetzt. Wer sich héher versichern will,
hat die Méglichkeit, dies bei privaten Versicherungsanstalten zu
tun.
Man bedenke, welche ungeheure Erleichterung bei Lohn- und
Gehaltszahlungen. Keinerlei Steuer- und sonstige Abziige.
Lohn und Gehalt werden voll ausbezahlt. Und
um nicht Driickebergern die Méglichkeit zur Ausnutzung dieses
groBen sozialen Werkes zu geben, kann man dann einfiihren,
daB Krankenscheine 4 oder 5 Mark kosten. (Rentner und Ar-
beitslose natiirlich viel weniger.) Diesen hohen Betrag kann man
verlangen, da ja keine Pflichtbeitrage, die heute monatlich weit
hoher sind, verlangt und gezahlt werden. Dann wird auch das
,Xrankenkasse machen‘ etwas aufhG6ren.
Wichtig ist vor allem, dai die Staatsschuld verschwindet!
Staatsschulden fressen den Staat auf. Sie lassen die Menschen
mit Steuern tiberbtirden, von denen sie nichts haben. Sie lahmen
ihre Arbeitsfreudigkeit. Sie veranlassen sie, ihr Bargeld im
Strumpf aufzuheben und tdten jede Unternehmerlust. Der
Staatshaushalt kann nicht in Ordnung gebracht werden, da die
Ausgabenseite durch den Schuldendienst tiberlastet ist. Des--
wegen predigt der ungliickliche Finanzminister dauernd neue ©
Steuererhohungen. Er kann sie aber nicht durchsetzen, weil die
Wirtschaft bereits bis zur Grenze der Leistungsfahigkeit be-
lastet ist.
Auch fiir die Ausfuhr ergeben sich ganz andere Moglichkeiten.
Dank der Kapitalftille, die dann eintritt, werden wir fiir die
Waren, die wir im Uberschu8 haben, Kredit gewahren kénnen.
Wir werden den Verkauf gro8ziigig aufbauen. Der Preis wird
sich dann von selbst regeln (Zinslast fallt ja schon weg), da die
Uberfiille von Waren, die auf den Auslandsabsatz angewiesen
sind, den Preis auf den Stand driicken, der notig ist, um im
Ausland wettbewerbsfahig zu sein.
Was koénnen wir fiir Schiffe bauen und fiir Auftrage hereinneh-
men, wenn wir im Wege der Verrechnung nur von den bestel-
lenden Landern die uns noch fehlenden Grobbleche erhalten.
Sonst fallen ja auch alle Beschrankungen, die die Gestehungs-
kosten im Lande unniitz erhohen.
Dann erhebt sich noch die Uberlegung, daf das tberschissige
nicht vom Markt aufgenommene Papiergeld Anlage sucht. Man
muB8 also rechtzeitig und in ausreichender Fiille Anlagen bieten,
wohin eventuell dieses freie Geld strémen kann. Hier konnen
die gréBeren Betriebe als Aktiengesellschaften durch Ausgabe
von Aktien und besonders die Schaffung von Kleinaktien ge-
niigend Mittel erhalten.
Und bei der Diskussion tiber diesen Punkt richteten schon einige
Freunde die Frage an mich: Was steht dem entgegen, wenn die
-von der Zentralwirtschaftskammer verwaltete deutsche Bahn
40 °/o ihres Wertes in Form von Kleinaktien ausgibt, so die ge-
samte Bevélkerung beteiligt und die Mittel erhalt, um wieder
flott zu werden. Oder die deutsche Post?
Und zum Schlu8 eine Erinnerung.
Im ebenfalls verarmten, von Arbeitslosigkeit geschtittelten
Deutschland von 1933 schaffte der als Finanzmann ersten Ran-
ges anerkannte Hjalmar Schacht dem damaligen Regime allein
zum Bau des Westwalles 90 Milliarden Mark. Ohne die anderen
Summen fiir die Reichsautobahn und die Riistung des besten
Heeres der Welt. Auch er lieB Geld drucken. Hatte allerdings
keine Auslands- bzw. Verrechnungsmark. Der Handel mit dem
Ausland wurde durch ein umstandliches Warenabkommen ge-
regelt, so daB wir viele erfreuliche Dinge entbehren muBten.
Und die deutsche Mark war im Auslande fast nichts wert. Trotz-
dem hat niemand das Gefiihl einer Inflation oder einer gleiten-
den Entwertung unseres damaligen Geldes gehabt. Und wir sol-
len es nicht fertig bringen, 90 Milliarden Mark — nicht fur
einen Westwall — sondern fiir die schnelle Befriedigung aller
durch den Krieg Geschadigten aufzubringen?
Der Possedismus zeigt den Weg!
Zum Schlu8 noch einige Worte iiber Kapitalismus und Kapital. In
diesem Buche wird stark unterstrichen, daB8 das Eigentum unantast-
- bar ist. Und es wird ausgefiihrt, daB gerade durch den Possedismus
wieder eine echte Sparméglichkeit und damit Kapitalbildung mog-
lich sein wird. Unantastbar! Das ist schon ein wesentlicher Unter-
schied gegen die heutigen (biirgerlichen) Auffassungen. (Auch ohne
Marxismus, der ja lehrt, da8 Eigentum Diebstahl ist und vom Volk
und seinem Staat jederzeit expropiiert werden kann.) Aber auch in
dem nichtmarxistischen Teile Deutschlands: Wer schtitzt mich da-
vor, wenn ich mir etwas erworben, mir geschaffen oder erspart habe,
daB nicht eines Tages durch eine Steuer praktisch mir mein Eigen-
tum wieder weggenommen wird, oder wenigstens ein Teil davon?
39
Da selbst eine ,,biirgerliche“ Regierung keinen anderen Weg wei,
der Not zu begegnen.
Das wollen die Leser iiberlegen, die unsere Forderung nach dem
-§ Obereigentum der Nation tiber den Besitz beanstanden; und die
s so angstlich werden, wenn eine nationale Gruppe oder Partei kraB
= und klar ausspricht, daB der Kapitalismus abzulehnen ist.
ae Wir unterscheiden ja zwischen dem Kapital als dem selbst erwor-
aS benen Eigentum und der kapitalistischen Gesinnung, die die Herr-
ieee schaft des Geldes benutzt, um andere zu driicken.
! E Der Possedismus muB8 gerade in aller Schonungslosigkeit gegen den
ee Kapitalismus angehen. Denn seine Uberwindung bedeutet gleich-
‘ples zeitig das Ende der anderen Frucht des liberalen Baumes, des mar-
xistischen Klassenkampfes!
Tee ree
SoG. ade Fay
ie 40
Diskussionen
Staats- und Wirtschaftsaufbau lagen in den Grundztigen schon 1932 fest.
Sie haben auch in den Aussprachen weniger Widerspruch gefunden. Die
Anhanger des Standestaatsgedankens verneinten die Errichtung einer Kul-
turkammer in so selbstandiger Form: Bei dem Ringen zwischen West
und Ost miissen wir wieder einen erhéhten Wert auf die Herausbildung
einer eigenen deutschen Kultur humanistischen Charakters legen, die
deutscher Art angemessen ist. Bei allem Stolz auf die Leistung der
Deutschen darf sie andere Voélker und ihre Eigenart nicht verachten.
Sie erfiille den Sinn der Worte unseres groBen Wolfgang von Goethe:
So sollten es die Deutschen halten:
Weltempfangend und weltbeschenkend,
Offen jeder fruchtbaren Bewunderung.
GroB durch Verstand und Liebe,
Durch Mittlertum und. Geist —
So sollten sie sein, das ist ihre Bestimmung!
Manchmal wurden die h&dufigen Wahlen als etwas umstandlich hbe-
zeichnet. Nach unseren Vorschlagen wird ja jedes Jahr einmal gewahlt.
Ist das aber ein Fehler? Kann eine solche Wahl nicht der Regierung
willkommen sein als Barometer? Denn eine Regierung soll nicht tuber
dem Volke schweben, sondern mit dem Volke leben. Sie verdankt diesem
ja ihre Existenz. Durch das Volk und mit dem Volk fur das Volk!
Aber im iibrigen ist diese Reihenfolge unerheblich und man kann die
Wahlen, wenn es die Mehrheit wiinscht, auch auf ein oder zwei Jahre
zusammenlegen. Dariiber braucht vorerst keine Auseinandersetzung zu
erfolgen.
Ebenso ist es mit den Prozentzahlen des Anteils der einzelnen Korper-
schaften. Méglich, daB sie noch einer kleinen Korrektur bediurfen. Darauf
kommt es weniger an. Es kommt darauf an, da® alle drei Gruppen in
einem rechten Verhiltnis zu einander stehen und dann schlieBlich wieder
zu einem zusammenflieBen.
Die Spitze Gesamtdeutschlands ware nicht ausfuhrlich genug darge-
stellt. Es fehle eine Ldndervertretung, wie sie in der Bundesrepublik
bestehe. Rechte und Pflichten (!) waren -nicht angegeben. Rechte und
-Aufgaben des gesamtdeutschen Parlamentes muSten niher skizziert sein.~
Das alles sind fiir uns Fragen zweiter Ordnung. Sie werden bei der
Wiedervereinigung Deutschlands durch die deutsche Nationalversamm-
lung entschieden.
Viel lebhafter sind besonders in den letzten Jahren die Erorterungen
iiber die Geld- und Steuerreform gewesen. Naturgema8 bei der der-
zeitigen Not.
Der Verfasser ist gern bereit; in den nachsten Auflagen diesen Abschnitt zu
erweitern, wenn er positive Kritik hért. Er mu8 aber bitten, Briefen, auf die eine
Antwort erwartet wird, 60 Pfg. zur Beantwortung beizulegen.
4]
Der Gedanke eines ,,SSchwundgeldes“ ist schon vor 20 Jahren auch von
anderen Mannern ausgesprochen. Wir weisen ja etwas Gutes nicht des-
wegen ab, weil es schon einmal ein anderer gesagt hat. Aber bei den
damaligen Vorschlagen war die in ihnen vorgeschlagene praktische
Durchfihrung zu umstandlich. Auch unser jetziger Vorschlag ist der elfte.
Zehn frihere muBten wir fallen lassen, weil-sich immer wieder ein
Haken ergab, der die Verwirklichung nicht als erleichternd, sondern
als erschwerend fiir das Wirtschaftsleben zeigte. Natiirlich blieb immer
der Grundgedanke. Aber hinzu kommt eben, daB bei der Durchfiihrung
ein neuer Staats- und Wirtschaftsaufbau notwendig ist. So sehr also
die Geld- und Steuerreform in den Vordergrund riicken wird, das andere
darf weder vernachlissigt noch vergessen werden.
Die friiher vorgetragenen Einwande: Geldumtausch ist ja ganz unmdg-
lich, wurde viel zu lange dauern und das ganze Wirtschaftsleben er-
schuttern, sind ja durch die letzten Jahre, insbesondere die Wahrungs-
reform griindlich widerlegt. Jeder hat gesehen, daB solch Umtausch in
wenigen Wochen durchgefiihrt werden kann auch ohne grofe psycholo-
'gische und praktische Vorbereitung. Der possedistische Staat hat ein
ganzes Jahr Zeit, alles in die Wege zu leiten. Es braucht ja auch nicht
alles auf den 31. 12. zusammengedrangt werden. Es kann bereits am
15. 12. begonnen und bis zum 15. 1. ausgedehnt. werden. Schwierig
zeigte sich bei vielen die Denkumstellung, daB die Steuer am Geld-
schein haftet und nicht am Vermégen. Nur wer einen Geldschein oder
eine Miinze bei der Bank, bei der Sparkasse (auch Postsparkasse) oder
auf dem Postscheckkonto einzahlt, dem wird abgezogen.
Wer abholt, dem nie!
Jede Weitergabe an andere 148t den Betrag ohne jede Kiirzung. Wer
das begriffen hat, kann alle anderen Fragen: mu ich da auch zahlen,
von selbst beantworten.
Abzugsfrei bleiben auch die Postanweisungen, da dies ja eine fernmiind-
liche Ubermittlung von Bargeld ist und keine Einzahlung auf Konto.
Der Postanweisungsverkehr wird also stark zunehmen. Hier wird die
Post die bei den Finanzimtern freiwerdenden, im Rechnungswesen so
geubten Beamten tibernehmen; und eine groBe Zahl dlterer Kontoristen
und- Kontoristinnen, heute ohne jede Hoffnung arbeitslos, wird wieder
Anstellung finden.
Auch die Beh6drden werden ihre Gehaltszahlungen und Rechnungs-
bezahlungen durch Postanweisung vornehmen, damit die Geldscheine
unter die Leute kommen und den Menschen unnotiges Anstehen an den
Schaltern erspart wird. Wir suchen ja in allen Dingen nach Methoden,
den Menschen das Leben zu erleichtern und nicht zu erschweren.
So bringt der Postbeamte das Geld ins Haus. Auch dazu wird eine Ver-
starkung des Beamtenapparates notwendig, und viele Arbeitslose gerade
der etwas Alteren Jahrgange werden hier eingegliedert. Gehalts- und
Lohnzahlungen also immer in Bargeld.
Wie aber ist es mit den Behordenrechnungen? Auch diese sollen, wie
in unserem Entwurf gesagt, in bar beglichen werden, damit der an dex
Lieferung ja Verdienende Geldscheine (Bargeld) erhalt, das er entweder
ausgeben oder einzahlen mu8B. Aber die spiteren Finanzexperten werden
prufen, ob nicht ein anderer Weg besser ist, z. B. der, daB bei einer
gewunschten Kontoiiberweisung einer von einer staatlichen Korperschaft
zu zahlenden Rechnung der zehnprozentige Abzug gleich bei der Uber-
weisung getadtigt wird. Das ginge natiirlich auch.
42
wy
oy
Versuche mancher Behdrdenlieferanten, die 10°/o dann gleich bei der
Rechnung mit einzukalkulieren und sich auf eine neue Art auf Kosten
des Staates zu bereichern, werden bald aufhéren. Es werden ja dann
von allen Produzenten und Kaufleuten Preisangebote eingeholt und
nicht nur von einigen politischen Freunden. Und die Auftrage werden
ja nicht von politischen Machthabern, sondern von den Wirtschafts-
kammern vergeben.
So werden die korruptiven Erscheinungen des heutigen Lebens zwar
nicht sofort, aber allm&hlich ausgetilgt werden konnen.
Bei Betrachtung all dieser Dinge muB8 man sich immer vor Augen
halten, daB wir ja dann nicht den heutigen Staat, sondern eine ganz
neue Ordnung haben.
Ein weiterer Einwand: Die Kaufleute werden im Dezember nicht mehr
verkaufen, sondern horten. Das wird im Anfang gewollt werden und
auch geschehen. Man darf aber unseren Kaufmannsstand nicht so niedrig
einschitzen, da&B alle auf Krampf ausgehen.
Bei Lebensmitteln geht Horten ja nicht. Und wenn von den anderen nur
einige, ganz wenige sogar, Ware nicht einbehalten und abgeben, dann
wird sich ihr Umsatz im Dezember ge steigern, daB der Konkurrent
gezwungen wird, sein Lager ebenfalls zu 6ffnen. Und die, die trotzdem
horten, die sollen dann auf den. fur das Weihnachtsfest eingekauften
Waren sitzen bleiben bis zum nachsten Jahr. Die Bevolkerung wird
sich aber als Kunde denjenigen Geschaften zuwenden, die ihr auch im
Dezember lieferten.
Also diese Erscheinung wirde nur einmal sich zeigen.
Aber gerade bei den Kaufleuten fand ich viel und ungeteilte Zustim-
mung. Der Gedanke, da8 die Finanzkontrollen, die Steuerfahndungen,
alle die sonstigen Meldungen jeden Monat usw. in Wegfall kommen,
begeisterte sie gradezu. Und vor allem die Inhaber kleinerer Geschafte,
die alles selber machen miissen. Und sie alle sehen ein, da8 der Staat
ja Geld braucht. Die zehn vom Hundert sind nicht einmal soviel, wie
jetzt, wenn wir alles zusammenrechnen, abzufiihren ist.
Gesagt wird auch manchmal: ,,Ja, wenn nun ein anderes Land das
ebenfalls iibernimmt? Dann wiirde es ja Deutschland tiberrunden.“ Ja
natiirlich ist das mdéglich. Es liegt ja dann an uns, uns zu beeilen. Und
da8 schlieBlich, wenn ein Land das Beispiel gab, andere Lander folgen,
ist ja kein Fehler. Dann wirde sich allmdhlich eine Revolutionierung
des Wirtschaftslebens in allen europdischen und sonstigen von der
Herrschaft der Hochfinanz sich freimachenden Lander durchsetzen, die
das Gliick nicht nur der Deutschen, sondern schlieBlich aller Menschen
bedeuten wiirde. Und wenn Volker gliicklich sind, dann gibt es Harmonie
und keine Kriege! Denn wie der Kapitalismus, stirbt ja auch der Impe-
rialismus!
Mit mehr als 1000 Menschen habe ich in den letzten Jahren gesprochen,
immer besessen von dem Gedanken, wie kann man nur unserem Volke
helfen. Mit Menschen aller Berufsschichten. Vorbehaltlos waren immer
dafiir die kleinen Angestellten und Arbeiter. Ausgenommen diejenigen,
die fragten, ob denn der selige Karl Marx nicht dagegen sein wurde.
(Dieser sicher nicht, wenn er heute noch lebte. Er wollte ja ebenso wie
seine Frau, die geborene Grafin J. von Westfalen und wie Friedrich
Engels, das Gliick des Proletariats und sah bei den vor 100 Jahren
herrschenden Zustinden keine andere Méglichkeit.)
43
FR mes
Ausgesprochene SpieBbiirger waren freilich gleich dagegen, weil diese
ja immer gegen alles Neue sind. Aber auch sie, Ohne dieses Dagegen
naher begriinden zu kénnen. Und auf diese Sorte kleinlicher Egoisten,
die anderen nie etwas Gutes gonnen, neidisch, niedertrachtig und eng-
herzig, wollen wir gern verzichten.
Viele Bankfachleute und Wissenschaftler wurden gebeten, doch Einwdande
zu machen, damit beim endgiiltigen Entwurf etwas Hieb- und Stichfestes
geschaffen witirde. Denn es geht ja um Deutschland!
Der Verfasser dankt allen, die ihm in verschiedenen Dingen gute und
wertvolle Hinweise gaben, wie dies oder jenes noch zu feilen war. Von
allen aber wurden grundsatzliche Einwdnde nicht erhoben.
In allen Schichten, auBer bei den Arbeitern, fand ich aber Menschen. von
denen einige aussprachen, was viele ,,Biirger“ denken werden: »va, dann
wird aber der Arbeiter oder der sozial unter mir Stehende auch zu
etwas kommen und schlieBlich nicht mehr unter mir, sondern neben
mir stehen.“
und aus dieser Gesinnung heraus werden die Possedisten noch oft héren:
»Ja, aber .. .“ Dieses beriihmte Aber. Fragt sie ndher nach dem Aber
und Ihr werdet sehen, daB sie es gar nicht begriinden kénnen.
Stur und dumm begreifen diese Reaktionire ja nicht, daB eine neue
Zeit angebrochen, daB etwas Neues im Werden ist und da8 durch die
Vernichtung des Kapitalismus das Signal aufgezogen wird:
Bahn frei fiir alle Tiichtigen und damit fiir ein
neues freies Deutschland!
Wie aber sollsich dies durchsetzen?
Indem alle Bejaher des Possedismus schnell und entschlossen in allen
Orten Gruppen bilden, die immer mehr Menschen aufklaren.
Immer neue Steuern, Erhohungen und Belastungen heute! Wer zweifelt.
daB das gesamte Volk — soweit es nicht an Kapitalistischer Ausbeutung
oder Spekulation interessiert ist — eine Idee unterstiitzt, die ihm, statt
Lasten aufzubiirden, die Lasten nimmt und gerade dadurch die Wohl-
fahrt mit Sicherheit gewdhrleistet!
Je tatkraftiger und ohne Zogern wir anpacken,.um so schneller bauen
Wir. unser und unseres Volkes’ Gliick!
Nun liegt es an Dir, statt zu klagen ,,zu handeln!“
44
Ortsgruppen der Possedisten
Die Zirkel der Possedisten werden sich nunmehr zu Ortsgruppen erweitern. Bei™
der Bildung der Partei der Possedisten werden wir nicht den Weg von oben nach
unten gehen d.h. da& sich ein Parteibtiro bildet und nun mit Geld und Propa-
ganda Anhdnger zu werben versucht. Denn einmal haben wir keine Mittel von
irgendeiner im Hintergrunde anonymen Gesélischaft, und zweitens halten wir
diesen Weg fiir den richtigeren:
Wer von den Lesern dieser Schrift die darin enthaltenen Grundgedanken bejaht,
wer erkennt, daB hier eine neue durchbrechende Idee im Werden ist, der mag ~
mit seinen politischen Freunden und mit Gleichgesinnten eine Gruppe bilden, die
er nach seinem Namen nennt. Es ist ohne Belang, ob sich an einem Ort unab-
hangig mehrere solcher Gruppen bilden. Wenn’ wir dann an einer Wahl teil-
nehmen, was wir ja eines Tages miissen, dann werden sich die betr. Gruppen
einer Stadt, eines Kreises und Landes schon zusammenfinden. Wenn nicht schon
vorher ein tiichtiger Gruppenfiihrer die Gruppen eines Kreises oder Landes zu
einer Kreis- oder Landesorganisation vereinigt hat.
So schilen sich die Manner und Frauen heraus, die staatsmannisch denken und
-handeln kénnen, was ja nur erwiesen wird, wenn sie diese Fahigkeit in einem
bestimmten Lebenskreis erprobt haben. Und nicht SchwdAatzer, Kritikaster oder von
bestimmten Interessengruppen geschobene Personen (meist keine Persénlichkeiten)~
werden so die Fiihrer der Possedisten, sondern Menschen, die zuerst im kleinen
Kreis bewiesen haben, daB die Kraft ihres Glaubens an unser Vater- und Mutter-
land, daB ihre Persdnlichkeit und die Lauterkeit ihrer Gesinnung in der Lage war,
Menschen zu binden und mit einem neuen politischen BewuBtsein zu erftllen.
Eins nur miissen alle Possedisten festhalten:
Bindend fiir alle Mitglieder sind die Grundthesen des Possedismus, wie sie in der
vorliegenden Schrift enthalten sind. Noch nicht einmal wort-, sondern sinngema8.
In allen iibrigen Fragen, insbesondere den akuten Zeitfragen, mu8 Gewissensffei-
heit herrschen; hier ist auch eine unterschiedliche Auffassung der Mitglieder trag-
bar. Wir kénnen und werden das groBe Ringen um die dritte L6sung nur bestehen,
wenn wir nicht eine Partei alten Stiles mit Fraktionszwang und Meinungsver-
- gewaltigung der Mitglieder werden, sondern eine neue, allerdings in den Grund-
thesen geschlossene und einige Gruppe, die die groBe, dann auch die alten Par-
teien beeinflussende Sammlungsbewegung aller gutwilligen Deutschen wird.
Sie hat ein festumrissenes Ziel: Deutschland. Sie ist kein Sammelsurium von Un-
zufriedenen, die nur das ,,Gegen‘‘ verbindet, sondern sie vereinigt, Menschen, die
etwas Positives wollen.
Die sich aber auch nicht abbringen lassen durch andere Diskussionen, die oft mit
Flei® von anonymen Machten in soleche Gruppen getragen werden, um vom eigent-
lichen Ziel abzulenken.
In all diesen anderen, wenn auch oft sehr wichtigen Dingen, tiben die Possedisten |
eine echte Toleranz und tiberlassen jedem Mitglied seinen eigenen Standpunkt.
Nur darin nicht, da& wir es fiir unwiirdig halten, andere Rassen, V6lker und
Machte zu schmdhen und verachtlich zu machen. Wir wollen im eigenen Lande
- aufraumen.
Dann werden unsere Parlamente wieder echte Foren werden, wo dureh Vor.
bringen durchschlagender Griinde der andere tiberzeugt werden kann. Sonst ist
das Reden ja nur Geschw&tz, weil alle bereits durch Fraktionsbeschlu8 festge-
legt sind.
- Diese Toleranz wird auch dadurch nicht durchbrochen, da8& wir Funktionare der
~politischen, in den Parlamenten vertretenen Gruppen bitten miissen, vor ihrer
Aufnahme die alte Bindung zu l6ésen. 5
Ganz unzulassig ist die Diskussion itiber irgendeine politische oder sonstige Ver-
gangenheit eines Mitgliedes, tiber Fehler oder itiber einen von ihm friiher vertre-
-tenen Standpunkt. Wer hat noch nicht geirrt? Und der Vorwurf einer Charakter-
if
45
Sa
*
losigkeit, wenn jemand eine Partei verla8t, wird doch nur mit FleiB von den reak-
tiondren Machten ausgestreut, weil sie fiirchten (bei ihrem eigenen Versagen), daB
ihnen die Mitglieder weglaufen. .
Immer sind besser die Weisen, die vom Irrtum zur Wahr-
heitreisen, als die Narren, die imiIirrtum beharren!
Wir wollen aber auch die Manner und Frauen der Parteien, die in schwerer Zeit
“die Last und Miihe auf sich genommen haben, nicht schmdhen. Sie. waren Kinder
ihrer Zeit. Aber sie haben ihre Zeit erfiillt. Jetzt wird das Neue, Aufbauende
vorstoBen, nicht verneinend und zerstérend, sondern in echtem Sinne aufbauend.
Jeder Possedist tibt nicht Kritik um der Kritik willen. (Wie so viele Menschen,
die dann nicht einmal sagen kénnen, wie sie es unter den gegebenen Umstanden
besser machen wtirden — weil sie es nicht wissen.)
Jeder Possedist zeigt ja, wie es anders und besser zu machen ist. Darum legen
Wir auch die fatale deutsche Neigung ab, da& wir aus Fehlern nichts lernen,
sondern sie wegzudisputieren versuchen und uns auf die Jagd nach Schuldigen
begeben.
20 Jahre blieben tuber 10000 Manner und Frauen ohne jede Organisation, ohne
Untergrundbewegung in Verbindung, viele dabei in verschiedenen politischen
Gruppen, . aber immer sehnsuchtsvoll von einem Ideal erfiillt, das alle band.
Verstreut Uber alle Gegenden werden sie nun den Stamm biiden der neuen poli-
tischen Gruppe.
Die Organisierung der Gruppen wird so erfolgen: Wir haben zwei Arten von An-.
hangern: Die ordentlichen (aktiven) Mitglieder und die Férderer. Eine neu gebil-
dete Gruppe nennt sich nach dem Namen des Leiters. (Also: Max Schmitz-K6ln,
Paul Lehmann-Dortmund, Hertha Meier-Giessen.) Eine aktive Gruppe kann nur
Manner oder nur Frauen und Madchen (die wir als menschlich und politisch
voOllig gleichberechtigt anerkennen) haben. Bei den Férderern ist das Geschlecht
ohne Belang. :
Eine aktive’ Md&nnergruppe wird sich bemiihen, aus der Zahl der weiblichen
Forderer bald eine aktive weibliche Gruppe zu organisieren. Die Aktiven einer
Gruppe durfen nicht mehr als 30 sein. Die Zahl der F6érderer ist unbeschrankt.
Haben sich bei einer Gruppe mehr als 30 zur aktiven Mitarbeit gemeldet, so sind
durch BeschluB des Vorstandes etwa 10 abzuzweigen, die dann eine neue aktive
Gruppe organisieren. Das Alter bei der Aufnahme zum aktivem Mitglied ist min-
destens 18 Jahre.
Sind so aus einer aktiven Gruppe in einem Ort wenigstens 5 entstanden oder gibt
es an einem Ort 5, so wird die Bezirksgruppe gebildet, die den Namen des Ortes,
bei gr6Beren Stadten den des Stadtteiles tragt. Bei weiterer Ausdehnung folgt der
Kreis, der das Gebiet einer kreisfreien Stadt oder des Landkreises umfaBt.
Ist eine Gruppe (oder Bezirk) gebildet, so wird der Vorstand dem Verlag dieser
Schrift dies anzeigen, aber erst dann, wenn sie volizdhlig ist d.h. 30 ordentliche
Mitglieder und etwa 20 Forderer hat. Durch ein Rundschreiben werden dann die
Gruppen zu gegebener Zeit von weiteren in ihrem Lande bestehenden unter-
richtet und Nachricht erhalten.
In den geschlossenen Mitgliederversammlungen haben nur aktive Mitglieder
Stimm- und Rederecht. Férderer kénnen als Gaste teilnehmen. Véllig fallen muB
die besonders in der DDR, aber auch in der Bundesrepublik verbreitete Furcht
vor Spitzeln und Agenten. Wir werden nur das tun und treiben, was mit den
Gesetzen nicht in Widerspruch steht. Bei uns mu& jeder héren kénnen, was wir
sagen. LaBt sie also spitzeln, soviel sie wollen.
Denn dieses furchtbare MiBtrauen lahmt jede Arbeit!
Nur ‘eine Gefahr besteht. Der internationalen Hochfinanz wird durch den Posse-
dismus die Méglichkeit entzogen, mit den Volkern, deren Blut, deren Giitern,
Hausern und deren Land usw. Spekulationsgeschafte zu tatigen. Sie wird ver-
suchen, redegewandte Manner und Frauen zu bezahlen, die dann als Mitglieder
sich eintragen lassen. Diese Sorte von Menschen itibernimmt sonst keinerlei Miihe
und Arbeit fiir die Bewegung. Aber wenn Mitgliederversammlungen mit ent-
scheidenden Beschltissen sind, dann sind sie da und bringen Dinge vor, die die
Einigkeit und Geschlossenheit untergraben. Meist sind es rein persdénliche Dinge,
um die Haupttrager zu diffamieren. Unter den aktiven Gruppen ist die Gefahr
einer solchen St6rung weniger groB, weil diese sich bald genauer kennen werden
durch die Verpflichtung, des 6fteren zusammenzukommen und dann ja wissen,
mit wem sie es zu tun haben und was von den einzelnen Kameraden oder Kame-
radinnen zu halten ist.
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@ ak.
Die Eroérterung persénlicher, auBerhalb der Mitgliedschaft liegender Dinge, ist
grundsatzlich zu unterbinden, (weil ja kein Mensch ohne Fehler ist). Was der eine
oder andere sonst treibt, ist seine rein persénliche Angelegenheit. Eine Gruppe
Possedisten ist keine Richtstatte! Wir mussen uns auch dazu erziehen. die unleid-
liche Klatschsucht, dem anderen etwas Schlechtes anzuhangen, auszutilgen. Fiir
uns kann nur entscheidend sein, was er ftir die Idee leistet!
Sonst organisieren sich die Gruppen nach den Utblichen Mustern. Satzung, Vor-
standswahl, Versammlungen, etwa notwendige Anmeldung bei der Polizei usw.
Als Abzeichen tragen alle ein einfaches P. Keine 6ffentliche Versammlung soll
ohne Eintrittsgeld bleiben. Die Halfte davon erhalt der Referent als Spesenersatz.
Nicht mit einer vorgefaBten engherzigen Doktrin wollen wir an die Neuordnung
Deutschlands gehen, sondern mit federnder Schwungkraft. Mit dem Gefiihl, wel-
ches die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit immer aufspiirt, aber wel-
ches fiir das Ideal sich mit aller Leidenschaftlichkeit einsetzt.
Deutschland, nun im Ungliick, nun erst recht!
Am 10. Juni hat das Land Israel den Zentralpunkt unserer Geld-
reform (die Sache mit den 10 vom Hundert, siehe Seite 19) iiber-
nommen und als Gesetz verkiindet. AHerdings nur fiir einmal und
dann mit einer Zwangsanleihe verkniipft. Es ist aber damit von
einer Regierung, die in Geldsachen bestimmt kein Laie ist, praktisch
die Durchfiihrbarkeit bewiesen und gezeigt, daB damit eine Sofort-
gesundung der Staatsfinanzen eintrat. Wir haben es also in der
Hand, alle wirtschaftliche Not zu beenden!
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