Armin Mohler, cand.phil.
Rigistrasse 86, Basel.
_ -—— —
Sehr geehrter Herr Karl 0. Paetel, Basel, 17.6.46,.
Herr Dr. Erich Brock in Ziirich hat mir Ihren Brief yom 31.5.
gezeigt, aus dem ich erfahren habe, wo Sie sich gegenwairtig
aufhalten. Ihre Bekannten hier in Basel, bei denen ich nach
Ihnen fragte, wussten nicht, wo Sie sich zur Zeit befinden.
(Ich bin erst 26 Jahre alt und kannte bei Threm damaligen
Aufenthalt in Basel nicht einmal Ihren Namen.)
Der Grund, weshalb ich Ihnen schreibe, ist folgender:
Ich beabsichtige, eine Dissertation tiber die politischen
Weltanschauungen der deutschen Rechten (ausserhalb der Weimarer
Regierungsparteien und ausserhalb der Nazis) zwischen 1918
und 1952 2u schreiben. (Dass die Bezeichnung "die Rechte"
fragwiirdig ist, weiss ich.) D.h. iiber all das, was gewdhnlich
(zum Teil mit Recht, zum Teil sehr zu Unrecht) mit den Nazis
in einen Topf geworfen wird. Die Arbeit wird sich gliedern
in ftinf Gruppen (die Unterteilung ist gewaltsam, aber notig):
1. die "Vélkischen", 2, die Erneuerungsversuche des Konserva-
tismus (Jungkonservative, Volkskonservative, protestantischer
uund katholischer Konservatismus). 3. die "Biindischen".
4. der "Neue" oder "Soldatische Nationalismus" (der friihe Jiinger,
Hielscher, Schauwecker, usw.). 5. die "Nationalbolschewisten",
Die fiinfte Gruppe wiirde neben dem mittleren Ernst Jiinger etwa
von dem noch sehr zégernden Otto Strasser iiber Niekisch bis zu
Ihnen reichen.
Meine Arbeit wird nun durch Materialbeschaffungsschwierig-
keiten sehr behindert, In den schweizer Bibliotheken findet sich
fast nichts; ich bin auf Privatbibliotheken angewiesen. Von
ihnen konnte ich zuf&llig das Sammelwerk von 1930 ("Sozialrev.:
Nat.) auftreiben; aber sonst habe ich bisher nur einige kleinere
“Aufsitze in der "Sozialistischen Warte" und im "Roten Aufbau"
finden kénnen. Die Zeitschriften "Die Kommenden" und. "Die
sozialistische Nation" habe ich bisher nicht gefunden und’ wihrend
meines Studiums in Berlin vor vier Jahren war die Ausleihe der
zweiten in der Staatsbibliothek verboten. Auch Sammelwerke wie
“Aufstand" von Stoffregen und "Totale Krise - totale Revolution?"
von Ehrt waren mir bisher nicht zugiinglich.
Ich méchte nun folgende Fragen an Sie richten:
1) Wissen Sie jemanden in der Schweiz, bei dem ich einiges von
diesen Schriften finden kinnte?
2) Haben Sie in der Emigration, etwa in den USA, ausser Ihrer
Schrift tiber Jiinger noch anderes veréffentlicht?
3) In welchen Zeitschriften, die mir vielleicht zuganglich waren,
haben Sie ausser in den oben genannten Aufsdtze verédffentlicht?
4) Sind in den USA Werke erschienen, die zu meinem Thema bei-
tragen? - Bisher fand ich nur; Peter Robert Edwin Viereck,
Metapolitics, from the romantics to Hitler (New York, A. Knopf),
das sehr materialreich sein soll. Ich habe es vor einiger Zeit
in einer hiesigen Buchhandlung bestellt und hoffe, das Buch
in den &chsten Wochen 2u erhalten.
Von Prof. Adolf Grabowsky habe ich heute wihrend einer
Unterredung erfahren, dass Ihr New Yorker Verleger Friedrich
Krause in den néchsten Monaten einmal in die Schweiz kommt
und bei dieser Gelegenheit auch Grabowsky besuchen méchte.
Ware es vielleicht méglich, dass auch ich ihn sehen kénnte?
Er kénnte es mich iiber Grabowsky wissen lassen.
Ich wire Ihnen sehr dankbar, wenn Sie, der Sie all diese
Dinge aus nachster N&he gekannt haben, mir durch die Beant-
wortung meiner Fragen bei meiner Arbeit behilflich sein
konnten. Die mir gestellte Aufgabe ist, besonders unter den
geschilderten Umstanden schwer. Doch glaube ich, dass sie getan
geschrieben werden muss, vor allem jetzt, wo die Diskussion
der deutschen Frage oft so seltsame Wege geht.
In der Hoffnung, von Ihnen zu héren, griisse ich Sie
mit den besten Wiinschen fiir Ihre Zukunft
Qn Morar,
Armin Mohler, cand.phil.
Rigistrasse 86, Basel.
Sehr geehrter Herr Karl 0. Paetel, Basel, 17.6.46.
Herr Dr. Erich Brock in Ziirich hat mir Ihren Brief vom 31.5.
gezeigt, aus dem ich erfahren habe, wo Sie sich gegenwirtig
aufhalten. Ihre Bekannten hier in Basel, bei denen ich nach
Ihnen fragte, wussten nicht, wo Sie sich zur Zeit befinden,.
(Ich bin erst 26 Jahre alt und kannte bei Ihrem damaligen
Aufenthalt in Basel nicht einmal Ihren Namen.)
Der Grund, weshalb ich Ihnen schreibe, ist folgender:
Ich beabsichtige, eine Dissertation tiber die politischen
Weltanschauungen der deutschen Rechten (ausserhalb der Weimarer
Regierungsparteien und ausserhalb der Nazis) zwischen 1918
und 1932 zu schreiben. (Dass die Bezeichnung "die Rechte"
fragwirdig ist, weiss ich.) D.h. iiber all das, was gewdShnlich
(zum Teil mit Recht, zum Teil sehr zu Unrecht) mit den Nazis
in einen Topf geworfen wird. Die Arbeit wird sich gliedern
in fiinf Gruppen (die Unterteilung ist gewaltsam, aber nétig):
1. die "Vélkischen"., 2, die Erneuerungsversuche des Konserva-
tismus (Jungkonservative, Volkskonservative, protestantischer
uund katholischer Konservatismus). 3. die "Biindischen".
4. der "Neue" oder "Soldatische Nationalismus" (der friihe Jiinger,
Hielscher, Schauwecker, usw.). 5. die "Nationalbolschewisten",
Die finfte Gruppe wiirde neben dem mittleren Ernst Jiinger etwa
von dem noch sehr zégernden Otto Strasser tiber Niekisch bis zu
Ihnen reichen.
Meine Arbeit wird nun durch Materialbeschaffungsschwierig-
keiten sehr behindert. In den schweizer Bibliotheken findet sich
fast nichts; ich bin auf Privatbibliotheken angewiesen. Von
ihnen konnte ich zuf&llig das Sammelwerk von 1930 ("*Sozialrev.
Nat.'"') auftreiben; aber sonst habe ich bisher nur einige kleinere
Aufsitze in der "Sozialistischen Warte" und im "Roten Aufbau"
finden kénnen. Die Zeitschriften "Die Kommenden" und "Die
sozialistische Nation" habe ich bisher nicht gefunden und wihrend
meines Studiums in Berlin vor vier Jahren war die Ausleihe der
zweiten in der Staatsbibliothek verboten. Auch Sammelwerke wie
"Aufstand" von Stoffregen und "Totale Krise - totale Revolution?"
von Ehrt waren mir bisher nicht zugiinglich.
Ich méchte nun folgende Fragen an Sie richten:
1) Wissen Sie jemanden in der Schweiz, bei dem ich einiges von
diesen Schriften finden kénnte?
2) Haben Sie in der Emigration, etwa in den USA, ausser Ihrer
Schrift tiber Jiinger noch anderes veriffentlicht?
3) In welchen Zeitschriften, die mir vielleicht zuga&nglich waren,
haben Sie ausser in den oben genannten Aufsitze verédffentlicht?
4) Sind in den USA Werke erschienen, die zu meinem Thema dei-
tragen? - Bisher fand ich nur: Peter Robert Edwin Viereck,
Metapolitics, from the romantics to Hitler (New York, A. Knopf),
das sehr materialreich sein soll. Ich habe es vor einiger Zeit
in einer hiesigen Buchhandlung bestellt und hoffe, das Buch
in den &chsten Wochen zu erhalten.
Von Prof. Adolf Grabowsky habe ich heute wihrend einer
Unterredung erfahren, dass Ihr New Yorker Verleger Friedrich
Krause in den néchsten Monaten einmal in die Schweiz kommt
und bei dieser Gelegenheit auch Grabowsky besuchen michte.
Ware es vielleicht méglich, dass auch ich ihn sehen kénnte?
Er kénnte es mich iiber Grabowsky wissen lassen.
Ich wire Ihnen sehr dankbar, wenn Sie, der Sie all diese
Dinge aus nachster Nahe gekannt haben, mir durch die Beant-
wortung meiner Fragen bei meiner Arbeit behilflich sein
kénnten., Die mir gestellte Aufgabe ist, besonders unter den
geschilderten Umstinden schwer. Doch glaube ich, dass sie getau
geschrieben werden muss, vor allem jetzt, wo die Diskussion
der deutschen Frage oft so seltsame Wege geht.
In der Hoffnung, von Ihnen zu héren, griisse ich Sie
mit den besten Wiinschen fiir Thre Zukunft
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[dd Breschtve Scliee Cr gemetngaue uit Fata henivsic! J-
Wer (ewe crural etwas cinfel , wag Ww olen USA BY mete, Thema prel'2iert
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Gesell avs werde eh, lhucen avel, ie Aolref{es Inver belomun+er Seusten, Harfpesd et
Kdincn Sié olde “Tihteusetrift auf Aécgen Luftpestpapier lesen !
Methcean herzbehen Sauk fer (hare Bern chvugen |
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Brief No. 3,
Armin Mohler,
Rigistrasse 86, Basel. ~ a
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Herrn
Karl 0. Paetel,
68-43 Burns Street,
Forest Hills, LeI., NeY.C.
“U.S. Ase
Lieber Herr Paetel, Basel, 2.8.46.
von meiner Biicherjagd nech Material fiir meine Dissertation in
den Bibliotheken und Antiquariaten von Ztirich/Luzern/Bern/Genf
nach Basel zuriickgekehrt (Ausbeute: 2 Koffer voll, doch leider fast
nichts Nabo, von Ihnen gar nichts), finde ich Ihre Sendung mit
den beiden Nummern der "Deutschen Blatter", der Nummer von "Das
andere Deutschland" und den beiden Aufs&tzen aus der "Staatszeitung",
Haben Sie meinen herzlichen Dank dafiir! Ich bin noch nicht durch.
Ich werde Ihnen noch dartiber schreiben, sobald ich fertig bin.
Vielleicht kénnte ich auch die "Deutschen Blatter" in der "Weltwoche"
kurz anzeigen,
Meinen Luftpostbrief vom 22.7. aus Bern werden Sie inzwischen
erhalten haben. Hier folgt der versprochene Plan meiner Dissertation. :
D.h. dieser Plan besteht im Grunde nur aus einer Liste der Autoren,
aus welchen ich auszuwihlen habe, und aus einigengrundsdtzlichen
Bemerkungen. Sie kénnen aber auf jeden Fall sehen, wie weit ich den
Rahmen zu setzen gedenke. Sie werden daran am besten sehen kénnen,
was mir bis jetzt entgangen ist. (Ihre Angaben in ihrem Briefe habe
iéh’ noch nicht eingearbeitet).
Die Adressen Ihrer Bekannten folgen im n&chsten Brief. Ich muss
sie erst noch zusammensuchen.
Mit den besten Griissen verbleibe ich
weer
Qn Motter,
scree ae
22 Gn a nn in
Armin Mohler, , Brief No. 5.
Rigistrasse 86, Basel.
SS ee — _ — — —
Herrn
Karl 0. Paetel,
68-43 Burns Street,
Forest Hills L.I./N.Y¥.C./ USA. Basel, 4.9.46.
Labgqesctrictet 5.446 |
Mein lieber Paetel,
vorgestern kam das Heft 31 der "Deutschen Blatter" hier an, gestern
Ihr Brief vom 28.8.46. Beides hat mich sehr gefreut und ich danke
Ihnen herzlich dafiir. ;
Gestern ist mit einfacher Post ein Brief mit 3 Rezensionen
Ihrer beider Schriften an Sie abgegangen. Zwei negative von
Alexander Moritz Frey, dem hiesigen Emigranten und Verfasser der
"Pflasterkisten", eine wohlwollende von unserem schweizer Literatur-
papst Eduard Korrodi, die ersteren aus der National-Zeitung, die
letztere aus der Neuen Ziircher Zeitung. Beigelegt habe ich einen
psychologisch fiir die hiesige Qos egripesgedss t berechneten Aufsatz vor
mir tiber Jiingers "Friede", dervnie6r het ig =p anaes wee worden ist
(z.B. vnter dem Titel "Kriegsverbrecher Ernst Jiinger" von Frangois
Bondy im"Aufbaw!, Ztirich, vom 7.Juni, und von Werner Rings im heutige:
Morgenblatt der National-Zeitung). Rings wollte erst in der wichtige?
"Weltwoche" schreiben, ich konnte ihn von da verdringen. Die
Diskussion nimmt allm&hlich grosse Schairfe an.
“Ich werde in den n&chsten Tagen Ihre beiden Schriften samt
‘Grotthuss ex_halten und sie dann auch anzuzeigen suchen.
In Ihrem vorhergehenden Brief haben Sie mir den Vorschlag
gemacht, von mir gesuchte Texte eventuell fiir mich fotokopieren zu
lassen, Diesen Vorschlag nehme ich nattirlich sehr gerne an und ich
werde mich auch freuen, wenn ich mich revanchieren kann. Ich schreib:
Ihnen weiter unten eine kleine Liste der dringendsten Desiderate auf
Den neven Niekisch werde ich avch in den niéchsten Tagen erhalten.
Wenn es sich lohnt, werde ich eine Abschrift machen und Ihnen eine
Kopie zustellen.
Von den Adressen, um die Sie mich baten, kann ich Ihnen aus
technischen Griinden leider nicht viele schicken. An der "Weltwoche"
beschaftigt (iiber sie erreichbar) ist Harry Schulze. Hier in Basel
lernte ich Wanda Roggenbrod, die Frau ihres Freundes R. kennen. Sie
-. dst allerdings seit langerer Zeit von ihrem Mann geschieden und lebt
auch ideell anscheinend in Unfrieden mit ihm. Sie hat nun eine
Schweizer Biicherstube in Hamburg aufgemacht. Ihre Adresse ist:
Wanda Roggenbrod, Schweizer Biicherstube, An der Alster 57 ptr, Hbg i
Roy Ganz, den Sie auch kannten, ist nun schweizor Gesandter in Polen
Am meisten von Ihrem Basler Aufenthalt hérte ich in den Kreisen der
Basler Anhanger des in Mexiko ermordeten grossen Sozialisten.
Ich schicke Ihnen gerne alle Rezensionen iiber Sie, die ich
finde. Da ich aber nur die wichtigsten schweizor Tageszeitungen
verfolgen kann (die Zeitschriften selbstverstéindlich alle), michte
ich Sie bitten, mir eine genaue Liste der Redaktionen zu schicken,
- welche Ihre beiden Biicher erhalten haben. Darf ich dann diese /
Redaktionen schriftlich ersuchen, mir die Rezensionen zu schicken?
Oder haben die Redaktionen sie wohl schon direkt an Krause geschickt
Die Schrift tiber die Jugendbewegung von Milch u. Borinski ist
recht interessant und materialreich. Bei Lohner habe ich mich, wie
Sie richtig feststellten, geirrt: die Schrift stammt von dem Schweit
Erich Lohner ("Btindischer Sozialismus", 1940 Aarau; nicht wesentlict
q eo) rixnwaanhban ‘ ns wi» -
ihre Aufsitze.
Die "Deutschen Blattor" halte ich fiir die wertvollste Zeitschrift
der Emigration. In ihnen ist am wenigston von jenen Rossentiments
zu spiiren, die andere Zeitschriften so unfruchtbar machen. Auch
ist ihr Rahmen, schon personell, sehr weit gespannt. Sio beginnt
auch hier gelesen zu werden. Dr. Peter Schmid von der "Weltwoche"
liess sich auch sehr positiv dariiber aus und wird sie méglichst
regelmissig verfolgen, In der letzten"i#eltwoche" (vom 30.August)
hat er einen grossen Teil des Picasso-Aufsatzes von Badt veréffent
-licht, was eine gute Reklame fiir Ihre Zeitschrift ist.
Mir stehen Ihre Aufsdétze nattirlich am n&échsten. Ich kenne
wenig, was dermassen zur Kliéirung der letzten 14 Jahre deutscher
Geschichte beitrigt. Ich habe mich zu keiner Ihrér"Analysen in
Widerspruch gefunden. Am meisten hat mich natiirlich der Aufsatz
iber die deutsche Jugend angesprochen. Auch die Hoffnungen, die
sie auf die Zukunft setzen, sind die meinen. Aber ich bin etwas
pessimistisch. Wohl nicht mehr als Sie, das spltirt man ja zwischen
den Zeilen auch bei Ihnen durch.
In welcher Richtung mein Pessimismus geht - das wiirde ich
natiirlich lieber im Gespr&éch ausfiihren. Denn in der brieflichoen
Formulierung kann manches missverstanden werden, was im Gesprach
sofort klar wird. (Auch weiss man nie, welche Schicksale ein
solcher Brief hat.) Ich will es aber trotzdem versuchen.
Was ich befiirchte, ist: die Frist, in welcher man aus Deutsch
land im Sinne Ihrer Zeitung etwas hdtte machen kénnen, scheint mir
ungenttzt verstrichen. Nur in einer Zone wird zielbewusst
und anscheinend mit Erfolg gearbeitet. Dass diese Lisung aber
nicht jener "freiheitlichen" entspricht, welche die "Deutschen
Blatter" meinen, wissen Sie ja. Und fiir jeden Deutschen stellt
sich heute die Frage, ob diese Lésung nicht besser sei
als gar k @e@ ine. Der deutsche Prozess von 1918 bis 19352
scheint sich nochmals abzurellen,unuir:viel schneller. Und ob
daraus ein zweites 1933 wird, ist noch nicht entschieden, Ich komm
mehr und mehr dazu, die Fragestellung "Kann auch aus einem
Chaos Fruchtbares entstehen?" als ftir die einzig noch moéglic
Fragestellung zu halten. Das sieht nach Panik, nach Kuraschluss
aus. Aber ich wurde darin bestaérkt durch zwei Freunde, die ausge-
dehnte Deutschlandreisen unternommen haben. Monatelange tagliche
Beschadftigung mit den deutschen Problemen ftihrten mich dazu. Und
vielleicht sind wir hier doch “n&her", ni&her dem Wirbel. Was
meinen Sie dazu? Ich kénnte Bigen fiillen mit Geschehnissen, bei
denen man schwankt, ob man heulen oder lachen soll. Schade, dass
wir uns nicht miindlich unterhalten kénnoen?
Den Unterschied Ihrer Aufsitze zu den friiheren (sogar zu
denen von 1938) sehe ich. Auf der einen Seite ein fruchtbares
Ausweiten auf eine sehr umfassende Verstindigungsbasis. Avf der
anderen Seite, dadurch bedingt, ein Abrticken von der Radikalitat.
Aber vielleicht sind sehr bald wieder Notwendigkeit und Unumgadng-
lichkeit radikalerer Stellungnahme gegeben. Ihr Name ist mit einer
bestimmten politischen Konzeption verbunden,
Zu dem Artikel tiber die Generalsrevolte, der mich sehr
beschdéftigt hat, noch etwas: Mir scheint die Zeit der Massenrevolu
tionen vorbei. Ich stimme zu, dass Umsturz allein von der Spitze
aus unméglich ist. Aber dazu kommen miissen nicht die Massen. Die
werden immer ohnm&chtiger. Notwendig ist nur eines: der BesitzZ des
Apparates. Die Apparate haben sich als von unheimlicher
Zihigkeit erwiesen. "Massenrevolutionen" kommen den Massen nicht
mehr zugute, sind nur zeitlich begrenzte Ventile. (Beispiel:, Fran}
reich, 2.f. auch Deutschland heute.)Den Apparaton aber ist im
Zusammenhang mit der zivilisatorischen Fntwicklung ein grosses
Maass an Unausweichlichkeit verbundoen. Vielleicht sind sie nur
noch anroh “annarechische" (oder metnatwecean "nihilistischa')
(
Dies sind nur Andoutungen,. - Auf jeden Fall werde ich die
"Deutschen Blatter", diesen aufmorksamen Seismographen, méglichst
verfolgen. Kann man sie hier in der Schweiz irgendwo verfolgen?
Ihre Aufs&tze lasse ich in meinem Bekanntenkreis zirkulieren,
Desiderata. -
Als von dem ungeheuer vielen mir fehlenden Material méchte ich als
mir an erster Stelle wichtig notieren;
1) Programmschriften:
Niek isch: Entscheidung. 1930 Berlin (Widerstandsverlag).
Stapel: Antisemitismus und Antigermanismus. 1928 Hamburg
2) Geschichtliche Darstellungen: (Hanseatische V.)
(ob brauchbar, weiss ich nicht; Beurteilung iiverlasse ich Thnen).
Adolf Ehrt: Totale Krise - Totale Revolution? Die
"Schwarze Front" des vélkischen Nationalismus. 1933 Berlin
(Eckart-V). Mit biogr. Anhang von Max Uhle. ;
Augsstand,. Quersechnitt durch den revolutiondren Nationalis-
mus. Herausg. Goetz Otto Stoffregen. 1931 Berlin (Brunnen-V.).
Eugen Schmahil1s+:;: Der Aufstieg der nationalen Idee.
1933 Stuttgart (Union).
Hans Dahmens: Die nationale Idee von Herder bis Hitler.
1942,
Wilhelm Laubenthadl: Der Gedanke einer goistigen
Erneuerung Deutschlands im deutschen Schrifttum von 1871 bis zum
Weltkrieg. (Wagner/Nietzsche/Lagardo/Langbehn/ Lienhard/ Paul
Ernust/Stefan George/Bartels). in: Frankfurter Quellen und
Forschungen, Heft 22. 1938 Frankfurt/Main (Diesterweg).
R’'i cha rvd Sec hapke+:; Die schwarze Front. 1932 Leipzig
(Lindner V.).
Wilhelm Frh Ye«es WM « Mifflin gs: Wegbereiter und
Vorkaémpfer fiir das neue Deutschland. (Lagarde/Class/Moeller van
den Bruck/Ehrhardt/Darré/Stalling/Grimm/Kolbenheyer/Fritsch/ —
Miller-Brandenburg/Stapel/Luetgebrune/Bartels/Schultze-Naunbg/
Schacht(1)/Kate Schirmacher(!)/usw.). 1934? Miinchen (Lehmenn).
Am wichtigsten sind mir davon: Niekisch, khrt, Stoffregen, Schmahl,
Laubenthal. - Vielleicht findet sich dort eines dieser Biicher.
Zu_Ihren Ergéinzungen zu_meinem Plan.
Viel war mir neu. Einiges wusste ich, konnte as aber in den groben
Plan nicht in dieser Differenzierung aufnehmen (z.B. Wandlungen der
"Kommenden", dic ich einmal genau durchgearbeitet habe). Ihr
Hinweis auf die Wichtigkeit der sozialen und wirtechaftlichen
Thesen trifft ins Schwarze. Gobineau: die auslindischen Einfliisse
habe ich nicht eangemerkt auf‘der Liste, werde sie aber einarbeiten,
soweit sie mir bekannt sind (Dostojewski/Kierkegaard/Barrts usw.).
Reventlow bringe ich an drei Stellen: bei den "Alldeutschen"
(Schriften gegen Wilhelm II.:und seine Kamarilla), beim "Deutschen
Glauben" und beim "Nationalbolschewismus" ("Deutscher Sozialismus"
von 1930, den ich besitze - Ihr Hinweis auf Rousseau ist mir da
wichtig!). Viele der Autoren konnte ich, bei der Unmenge des zu
Verarbeitenden, noch nicht genau priifen. Preyer scheint mir auc
weniger einfach zu sein als bloss "Tat-Kreis". Carl Schmitt - da
fehlen mir noch Jus-Kenntnisse. Schifer stellte ich wegen der
"Dreizehn Bicher der deutschen Seele" neben Burtes "Wiltfeber".
Pring zur Lippe iibersah ich leider in Dt, hier nichts zu finden von
ihm. Schwaner hebe ich bei den "Vilkischen" vor 1918 aufgefiihrt.
Wirsing arbeitet heute fiir die Amerikanor, ebenso Dwinger (Berichte
iber Russland). "Der Nahe Osten" auf S.8. verleponheitshalber
nntereayrarht ferhiyrt ahar anf S.9), Rann hyenct? tah waeawu dar
"Gegner-Kreis" ist mir durch die Schweizer Fred Schmid und
Adrien Turel bekannt. "“Neuheiden" (Ludendorff, auch Dinter, usw.)
ist mir noch nicht vOllig klar. Mit den "anderen NS-Abspaltungen"
meinen Sie wohl Stennes? Landvolk-Bewegung: gibt es tdeologisch
Formuliertes? (Ich schreibe ja keine historische, sondern eine
ideengeschichtliche Arbeit.) Dariiber sind mir die Biicher von
Schapke, Uhse ("Sdldner und Soldat"), Volck ("Rebellen um Ehre")
bekannt. Sind aber mehr Erlebnisberichte. Fallada natiirlich auch
bekannt, ebenso Salomon Ernst\.("Die Stadt"),
Ja, meine Arbeit hat die Gefahr in sich, eine Lebensarbdeit
zu werden! Ein Professor hat mir bereits vorgeschlagen, nur einen
Teil davon als Dissertation einzugeben und den Rest auf spater
ZU VOrTsparenee. ea wwe nel, Aber uikos!
4, aa on
Ger Geen Motte,
P.S.
"Readers Digest" hat meinen Nabo-Artikel von der Redaktion zu
@inem eventuellen Nachdruck angefordert.
Armin Mohler, Brief No. 5.
Rigistrasse 86, Basel.
erence ree cere een merece ne seamen _
Herrn
Karl 0. Paetel,
68-43 Burns Strpet,
Forest Hills L.I./N.¥.C./ USA. Basel, 4.9.46.
. [Labgesctrictet 5.346 ]
Mein lieber Paetel,
vorgestern kam das Heft 31 der t"Neutschen Blatter" hier an, gestern
Thr Brief vom 28.8.46. Beides hat mich sehr gefreut und ich danke
Ihnen herzlich dafir.
Gestern ist mit einfacher Post ein Brief mit 3 Rezensionen
Ihrer beider Schriften an Sie abgegangen. Zwei negative von
Alexander Moritz Frey, dem hiesigen Emigranten und Verfasser der
"Pflasterkadsten", eine wohlwollende von unserem schweizer Literatur-
papst Eduard Korrodi, die ersteren aus der National-Zeitung, die
letztere aus der Neuen Ziircher Zeitung. Beigelegt habe ich einen
psychologisch fiir die hiesige Qoszenknaregedt berechneten Aufsatz von
mir tiber Jiingers "Friede", dervhier her ig angegriffen worden ist
(z.B. vnter dem Titel "Kriegsverbrecher Ernst Jiinger" von Frangois
Bondy imaufbavt, Ztirich, vom 7.Juni, und von Werner Rings im heutigen
Morgenblatt der National-Zeitung). Rings wollte erst in der wichtigere
tWeltwoche" schreiben, ich konnte ihn von da verdrdngen. Die
Diskussion nimmt allma&hlich grosse Schirfe an.
Ich werde in den n&chsten Tagen Ihre beiden Schriften samt
' Grotthuss er_halten und sie dann auch anzuzeigen suchen.
In Ihrem vorhergehenden Brief haben Sie mir den Vorschlag
gemacht, von mir gesuchte Texte eventuell fiir mich fotokopieren zu
lassen. Diesen Vorschlag nehme ich nattirlich sehr gerne an und ich
werde mich auch freuen, wenn ich mich revanchieren kann. Ich schreibe
~ Ihnen weiter unten eine kleine Liste der dringendsten Desiderata auf.
Den neuen Niekisch werde ich avch in den nachsten Tagen erhalten.
Wenn es sich lohnt, werde ich eine Abschrift machen und Ihnen eine
Kopie zustellen.
Von den Adressen, um die Sie mich baten, kann ich Ihnen aus
technischen Griinden leider nicht viele schicken. An der "Weltwoche"
beschaftigt (iiber sie erreichbar) ist Harry Schulze. Hier in Basel
lernte ich Wanda Roggenbrod, die Frau ihres Freundes R. kennen. Sie
-. 4st allerdings seit langerer Zeit von ihrem Mann geschieden und lebt
auch ideell anscheinend in Unfrieden mit ihm. Sie hat nun eine
Schweizer Biicherstube in Hamburg aufgemacht. Ihre Adresse ist: a
Wanda Roggenbrod, Schweizer Bicherstube, An der Alster 37 ptr, Hbg l.
Roy Ganz, den Sie auch kannten, ist nun schweizer Gesandter in Polen.
Am meisten von Ihrem Basler Aufenthalt hérte ich in den Kreisen der
Basler Anh&nger des in Mexiko ermordeten grossen Sozialisten.
Ich schicke Ihnen gerne alle Rezensionen iiber Sie, die ich
finde. Da ich aber nur die wichtigsten schweizer Tageszeitungen
verfolgen kann (die Zeitschriften selbstverstiandlich alle), méchte
ich Sie bitten, mir eine genaue Liste der Redaktionen zu schicken,
-welche Ihre beiden Biicher erhalten haben. Darf ich dann diese
Redaktionen schriftlich ersuchen, mir die Rezensionen zu schicken?
Oder haben die Redaktionen sie wohl schon direkt an Krause geschickt?
Die Schrift tiber die Jugendbewegung von Milch u. Borinski ist
recht interessant und materialreich. Bei Lohner habe ich mich, wie
Sie richtig feststellten, geirrt: die Schrift stammt von dem Schweite?
Erich Lohner ("Btindischer Sozialismus", 1940 Aarau; nicht wesentlich).
Haben Sie das Buch von Viereck mal eingesehen? Ist es wirklich so
sg r pi ebig fiir meine Arbeit? Ich habe es bestellt, aber noch nicht i
(Gar)
ihre Aufsiétze.
Die "Deutschen Blitter" halte ich fiir die wertvollste Zeitschrift
der Emigration. In ihnen ist am wenigsten von jenen Ressentiments
zu spiiren, die andere Zeitschriften so unfruchtbar machen. Auch
ist ihr Rahmen, schon personell, sehr weit gespannt. Sie beginnt
auch hier gelesen zu werden. Dr. Peter Schmid von der "Weltwoche"
liess sich auch sehr positiv dariiber aus und wird sie méglichst
regelmissig verfolgen, In der letzten "Weltwoche" (vom 3o0.August)
hat er einen grossen Teil des Picasso-Aufsatzes von Badt veriffent-
licht, was eine gute Reklame fiir Ihre Zeitschrift ist.
Mir stehen Ihre Aufsdtze natiirlich am naéchsten. Ich kenne
wenig, was dermassen zur Klaérung der letzten 14 Jahre deutscher
Geschichte beitraégt. Ich habe mich zu keiner Ihrér*’Analysen in
Widerspruch gefunden. Am meisten hat mich nattirlich der Aufsatz
iiber die deutsche Jugend angesprochen. Auch die Hoffnungen, die
sie auf die Zukunft setzen, sind die meinen, Aber ich bin etwas
pessimistisch. Wohl nicht mehr als Sie, das sptirt man ja zwischen
den Zeilen auch bei Ihnen durch.
In welcher Richtung mein Pessimismus geht - das wiirde ich
natiirlich lieber im Gesprdch ausftihren. Denn in der brieflichen
Formulierung kann manches missverstanden werden, was im Gesprach
sofort klar wird. (Auch weiss man nie, welche Schicksale ein
solcher Brief hat.) Ich will es aber trotzdem versuchen.
Was ich befiirchte, ist: die Frist, in welcher man aus Deutsch- |
land im Sinne Ihrer Zeitung etwas hitte machen kénnen, scheint mir
ungenttzt verstrichen. Nur in einer Zone wird zielbewusst
und anscheinend mit Erfolg gearbeitet. Dass diese Liésung aber
nicht jener "freiheitlichen" entspricht, welche die “Deutschen
Blatter" meinen, wissen Sie ja. Und fiir jeden Deutschen stellt i
sich heute die Frage, ob diese Lésung nicht besser sei
als gar k e@ ine. Der deutsche Prozess von 1918 bis 1932
scheint sich nochmals abzurellen,untr:viel schneller. Und ob -
daraus ein zweites 1933 wird, ist noch nicht entschieden. Ich komme
mehr und mehr dazu, die Fragestellung "Kann auch aus einem
Chaos Fruchtbares entstehen?" als fiir die einzig noch méglichk |
Fragestellung zu halten. Das sieht nach Panik, nach Kurzaschluss i
aus. Aber ich wurde darin besta&rkt durch zwei Freunde, die ausge- |
dehnte Deutschlandreisen unternommen haben. Monatelange tadgliche {
Beschaftigung mit den deutschen Problemen ftihrten mich dazu. Und
vielleicht sind wir hier doch “nd&her", n&her dem Wirbel. Was {
meinen Sie dazu? Ich kinnte Bégen fiillen mit Geschehnissen, bei if.
denen man schwankt, ob man heulen oder lachen soll. Schade, dass
Den Unterschied Ihrer Aufsitze zu den friheren (sogar zu
denen von 1938) sehe ich. Auf der einen Seite ein fruchtbares
Ausweiten auf eine sehr umfassende Versténdigungsbasis. Avf der
anderen Seite, dadurch bedingt, ein Abriicken von der Radikalitat.
Aber vielleicht sind sehr bald wieder Notwendigkeit und Unumgang-
lichkeit radikalerer Stellungnahme gegeben. Ihr Name ist mit einer
wir uns nicht miindlich unterhalten kiénnoen? i}
‘
bestimmten politischen Konzeption verbunden, iE
Zu dem Artikel itiber die Generalsrevolte, der mich sehr
beschdftigt hat, noch etwas: Mir scheint die Zeit der Massenrevolu-
tionen vorbei. Ich stimme zu, dass Umsturz allein von der Spitze
aus unmédglich ist. Aber dazu kommen miissen nicht die Massen. Die
werden immer ohnmd&chtiger. Notwendig ist nur eines: der Besitz des
Apparates. Die Apparate haben sich als von unheimlicher
Zhéhigkeit erwiesen. "Massenrevolutionen" kommen den Massen nicht
mehr zugute, sind nur zeitlich begrenzte Ventile. (Beispiel:, Frank-
reich, z.T. auch Deutschland heute.)Den Apparaten aber ist im
Zusammenhang mit der zivilisatorischen Entwicklung ein grosses
Maass an Unausweichlichkeit verbunden. Vielleicht sind sie nur
noch durch “anarchische" (oder meinetwegen "nihilistische")
Zwischenstufen zu entthronen. Von hier aus ist, nach seinem Zusam-
t
I
+
f
i
FY
oe
=
Dies sind nur Andeutungen. - Auf jeden Fall werde ich die
"Deutschen Blatter", diesen aufmerksamen Seismographen, méglichst
verfolgen. Kann man sie hier in der Schweiz irgendwo verfolgen?
Ihre Aufs&tze lasse ich in meinem Bekanntenkreis zirkulieren,.
Desiderata.
Als von dem ungeheuer vielen mir fehlenden ae méchte ich als
mir an erster Stelle wichtig notieren:
1) Programmschriften:
Niek iseh : Entscheidung. 1930 Berlin (Widerstandsverlag).
S tapel: Antisemitismus und Antigermanismus. 1928 Hamburg
2) Geschichtliche Darstellungen: (Hanseatische V.)
A
ob brauchbar, weiss ich nicht; Beurteilung tiverlasse ich Thnen).
dolf Ehrt: Totale Krise - Totale Revolution? Die
"Schwarze Front" des vélkischen Nationalismus. 1935 Berlin
(Eckart-V). Mit biogr. Anhang von Max Uhle.
Augstand.,. Querschnitt durch den revolutiondren Nationalis-
mus. Herausg. Goetz Otto Stoffregen. 1931 Berlin (Brunnen-V.).
Eugen Schmahil1+: Der Aufstieg der nationalen Idee.
1933 Stuttgart (Union).
Hans Dahmens: Die nationale Idee von Herder bis Hitler.
1942,
Wilhelm Laubenthadtls: Der Gedanke einer goistigen
Erneuerung Deutschlands im deutschen Schrifttum von 1871 bis zum
Weltkrieg. (Wagner/Nietzsche/Lagarde/Lengbehn/Lienhard/Paul
Erust/Stefan George/Bartels). in: Frankfurter Quellen und
Forschunpen, Heft 22. 1938 Frankfurt/Main ( Diosterweg).
Richa r-vd Schapke+; Die schwarze Front. 1932 Leipzig
(Lindner V.).
|
{
|
|
Wilhelm Frh ea Vs Mtiff?=alin gs: Wegbereiter und :
Vorkaémpfer fiir das neve Deutschland. (Lagarde/Class/Moeller van
den Bruck/Ehrhardt/Darré/Stalling/Grimm/Kolbenheyer/Fritsch/
Miller-Brandenburg/Stapel/Luotgebrune/Bartels/Schultze-Naumbg/
Schacht(1)/Kaéto Schirmacher(!)/usw.). 1934? Miinchen (Lehmann).
Am wichtigsten sind mir davon: Niekisch, Ehrt, Stoffregen, Schmahl,
Laubenthal. - Vielleicht findet sich dort eines dieser Biicher,.
Zu_Ihren Erganzungen zu_meinem Plan,
Viel war mir neu. Ziniges wusste ich, konnte es aber in den groben
Plan nicht in dieser Differenzierung aufnehmen (z.B. Wandlungen der
"Kommenden", dic ich einmal genau durchgearbeitet habe). Ihr
Hinweis auf die Wichtigkeit der sozialen und wirtechaftlichen
Thesen trifft ins Schwarze. Gobineau: die auslindischen Kinfliisse
|
habe ich nicht anmgemerkt auf‘der Liste, werde sie aber el
soweit sie mir bekannt sind (Dostojewski/Kierkegaard/Barrts usW.).
Reventlow bringe ich an drei Stellen: bei den "Alldeutschen"
(Schriften gegen Wilhelm II.:und seine Kamarilla), beim "Deutschen
Glauben" und beim "Nationalbolschewismus" ("Deutscher Sozialismus"
von 1930, den ich besitze - Ihr Hinweis auf Rousseau ist mir da
wichtig!). Viele der Autoren konnte ich, bei der Unmenge des zu
Verarbeitenden, noch nicht genau priifen. Freyer scheint mir auch
weniger einfach zu sein als bloss "Tat-Kreis". Carl Schmitt - da
fehlen mir noch Jus-Kenntnisse. Schifer stellte ich wegen der
"Dreizehn Biicher der deutschen Seele" neben Burtes "Wiltfeber".
Pring zur Lippe tibersah ich leider in Dt, hier nichts zu finden von
ihm. Schwaner hebe ich bei den "V31kischen" vor 1918 aufgefiihrt.
Wirsing arbeitet heute fiir die Amerikaner, ebenso Dwinger (Berichte
iber Russland). "Der Nahe @sten" auf S.8. verlegenheitshalber
untergebracht (gehirt eher auf S, 9). Benn brachte ich wegen der
Lee ke eee a oe a ae ey ad . an
ee
"Gegner-Kreis" ist mir durch die Schweizer Fred Schmid und
Adrien Turel bekannt. "“Neuheiden" (Ludendorff, auch Dinter, usw.)
ist mir noch nicht véllig klar. Mit den "anderen NS-Abspaltungen" —
meinen Sie wohl Stennes? Landvolk-Bewegung: gibt es tdeologisch
Formuliertes? (Ich schreibe ja keine historische, sondern eine
ideengeschichtliche Arbeit.) Dariiber sind mir die Biicher von
Schapke, Uhse ("SSldner und Soldat"), Volck ("Rebellen um Zhre")
bekannt. Sind aber mehr Erlebnisberichte. Fallada natiirlich auch
bekannt, ebenso Salomon Ernstv.("Die Stadt"),
Ja, meine Arbeit hat die Gefahr in sich, eine Lebensarbeit
zu werden! Hin Professor hat mir bereits vorgeschlagen, nur einen
Teil davon als Dissertation einzugeben und den Rest auf spater
ZU VOYsparenece Sea wl? 120, aver uwrkes!
P.S.
"Readers Digest" hat meinen Nabo-Artikel von der Redaktion zu
6inem eventuellen Nachdruck angefordert.
so
Mein lieber Paetel, Basel, 11.10.46.
ich schicke Ihnen hier ein Biichlein von
Hermann Ullmann fiir Ihren Verleger Krause.
Ullmann méchte sich damit bei Krause
einfiihren. Vielleicht finde er einmal bei
Krause Publikationsmiglichkeit fiir
anderes? ~ Sie werden U. von vor 1933
kennen: Theoretiker der "Volkskonservativen"
Werke: "Das werdende Volk. Gegen Liberalis-
mus und Reaktion" (1929 Hanseatische),
"Die Rechte stirbt - es lebe die Rechte!"
(1931 Widerstands-Verlag), "In der grossen
Kurve. Fihrer und Gefiihrte" (1932 Berlin,
Ridiger-Verlag) usw. Bei der Fronde gegen
Hugenberg innerhalb der Deutschnationalen.
Herausgeber (vor 1933) der Zeitschriften
"Deutsche Aarbeit" und "Politische Wochen-
schrift", Funktionir des VDA, solange dieser
noch nicht von den Nazis usurpiert.
Ich erhielt eben Ihre Sendung der
“Deutschen Blatter" mit den Jiinger-Aufsdtzen. -
Vielen Dank!
An Ausschnitten leider nichts Rares
und nichts Sie Betreffendes.
Luftpost-Brief folgt (d.h. wird
Sie friiher erreichen!})
oe
Per ann. Motler,
ee sem ass
pegs
anrenamenrn pa en thenbtemntipnaninbas teat
eC
St ree ee
———
Lieber Freund Paetel, Basel, 25.10.46.
vielen Dank fiir Ihren Brief vom 6.lo. und fiir die Nr.52 der DB! Am
25.9. und am ll.lo. sind mit der gewdhnlichen Post Sendungen abgegangen,
leider wenig tiber Sie, dafiir Jiinger-Aufsiitze von Rings, Yenzl u.schnog
(den von Frangois Bondy werde ich noch fiir Sie auftreiben), ein Amerika-
artikel von mir und ein Biichlein von Hermann Ullmann an die Adresse von
Krause. Ihre Briefe an Brock und "Arche" habe ich sogleich weitergeleitet.
@ Kopien der Biicher: Ich bugreife Sie sehr gut. Ieh war schon erstaunt, als
Sie mir den Vorschlag machten, denn bei uns ist die Sache sehr teuer (wenn
ich etwas brauche - z.l. den "Frieden" - so schreibe ich es mir selbst
ab) wie also auch bei Ihnen. Ich dachte, in Amerika sei es vielleicht
billiger - das ist also nicht der Fall. Kopien einzelner Seiten haben wohl
keinen Sinn, dazu miisste man ja die Werke erst genau kennen.
Liesse sich vielleicht das bewerkstelligen, dass Sie iiiekisch "kntschei-
dung" und shrt "fotale Krise usw." irgenuwo auftreiben und mir einge-
schrieben schicken, worauf ich die beiden sachen so schnell wie mérlich
zurtickschicken wirde?
@ "Preussische sxaktheit"; Nein, das kriinkt mich nicht, im Gegenteil. tute
Freunde von mir werfen mir sogar vor, ich hatte einen ,ugenfehler: wenn
ich Deutschland betrachte, so habe aus unerfindlichen Criinden alles
siidlich des Mains Gelegene keinen Platz auf meiner Netzhaut.
s (Zines der wichtigsten wreignisse der gegenwirtigen deutschen Geschichte
scheint mir tibrigens zu sein, dass die verh&angnisvolle Main-Linie in
einem Maasse aufgelockert wird, wie noch kaum je bisher.)
@) Liste der Aufsitze zur Jiinger-Diskussion: Vielen Dank, ich wusste von
dem Meisten noch nichts. Gelesen habe ich davon nur Hlarich im “Aufbau"
(dieser Angriff wenigstens nicht 8s 0 primitiv wie die tbrigen!). %uftigen
kann ich nur Schnog, den ich Ihnen bereits geschickt habe, aus der
"DND (Die Neue Demokratie) im Bild" (Baden-Baden), H.17/18, 31.8.46.
Die Aufsitze in "Das Andere Deutschland" Nr.123 / "Neue Volkszeitung"
15.Juni / "Staatszeitung und Herold" 21.April und 3o.Juni und 14.Juli
kenne ich alle nicht. Venn es Ihnen nicht zu viel Miihe macht, wiirde es
mich sehr freuen, wenn Sie sie mir verschaffen kinnen. Von hier aus kann
ich einzelne Zeitungsnummern nicht gut bestellen.
Zeitungen und Zeitschriften aus Deutschland zu bekommen, ist auch fiir uns
in der Schweiz sehr schwer: man ist darauf angewiesen, was Freunde
zufiillig aufschnappen kénnen oder auf das wenige, was hier verkauft wird.
Diskussion des "Frieden" in der Schweiz: Bondy, Mohler, Rings. Von rock
nur eine kleine Notiz "Irrtum iiber Ernst Jiinger" (Berichtigung einer
Greuelmeldung in "Chicago Daily News" vom 14.1.46.) in der "Yat" (Ziirich)
Nred2 vom 2.2.46.
Haben Sie eigentlich den "Frieden" gelesen? Ich kénnte Ihnen eventuell
eine Abschrift senden, falls Sie ihA noch nicht kennen. Wissen Sie, dass
E.J-e ein "innenpolitisches Pendant" vorbereétet (Angabe von Milch)?
G) Rundbriefe Jiingers: Bis jetzt habe ich (via Milch) 3 erhalten und in der
Sehweiz verbreitet. Meine Aufnahme ist geteilt: es hat Herrliches crin,
aber auch Peinliches (z.B. die Uebernahme christlicher Kultsymbolik im
dritten Brief, die an Sektiererisches gemahnt). Politisch sind sie sehr
aufschlussreich. rock (rich) mag die Briefe gar nicht.
®, Fred Schmid: Kenne ihn nur vom Hirensagen, aber da sehr genau. basel war
—— ja friher sein Hauptquartier und die halbe jeunesse dorée der Stadt machte
wevele et, Mit. sr lebt in seiner Villa am Dodensee und schmust sich etwas unwiirdig
erfeage Nn die Besetzungsmichte an. Mir war immer peinlich, dass der snobistischste
shrine ee oeROR des "Neuen Nationalismus" einen Schweizer zum Vater hate. Aber
olevfecte geniale Ziige kann man ihm nicht abstreiten. Ich besitze alle seine .erke.
Geter! Hans Sbeling: Dank fiir die Anregung! Ich werde ihm schreiben. Ich bin sehr
‘O) froh tiber alle solche Hinweise. Man ist ganz verdammt isoliert!
F.G.Jiinger "Perfektion"; Hin Freund erhielt es von F.G.J. selbst geschenkt
@) Ich schreibe in einer der nichsten "Weltwochen" dartiber und iiber I'.Ged.
als Ganzes. Wenn es auch keine k.Jo-Prosa und keine &.J.-Gedanken sind,
so halte ich es doch fiir bedeutend. (Wissen Sie, dass EJ. den "Arbeiter"
: (oer) umschreibt: Ausschaltung des Revolutioniren, Betonung des Statischen vor
a Fabs
©
2
2 5
Peter Viereck "Metapolitics": Habe ich jetzt erhalten. #ntti&uscht.
Bescnrdnkt sich auf Jahn - Richard Wagner - H.St.Chamberlain - Rosenberg,
also sehr einseitige Linienfiihrung. Und wie die meisten amerikanischen
(Paticbayev cher vom Geist der "“head=line" verseucht: "Father Jahn the First Storm
trooper" , “Neanderthalers in Airplanes" undsoforte..
Das Buch von Stirk habe ich bestellt, ebenso Rohan D'0 Butler: Roots of
National Socialism 1783 ~ 1933 (in den letzten 2,3 Jahren in London
erschienen bei aber).
"Readers Digest": Ich freue mich nicht zu friih. Sie haben meinen Artikel
zueinem eventuedldlen <Abdruck angefordert, nicht mehr. Bisher
scheint er auf jeden Fall nicht erschienen zu sein.
Adresse Koggenbrod: Die kann ich im Moment nicht erfahren. ‘Wieiss auch
nicht, ob er eine hat... \ienn ich wieder etwas hire, werde ich es Ihnen
auf jeden Fall sagen. Seiner Frau traue ich nicht ganz.+ Nun Wichtigeres:
Ihre beiden Biicher: Ich besitze sie nun endlich. Ueber Ihr Jiinger-Buch
bin Ich sehr froh. Denn auf die politischen Fragen um Jiinger geht keines
der anderen ein und das ist gerade jetzt notwendig. Jiinger selbst ist
auch froh dariiber. Bedauert habe ich, dass Sie S- die geistigen Zusam-
menhinge nicht ausfiihrlicher eingehen konnten, Ich hoffe, dass Sie dazu
kommen, das nachzuholen. Brock hat da nicht alles vorweggenommen,
Ihr Buch ist eine wertvolle Waffe im Seilziehen um Jiinger und die Selbste
verleugnung, die darin liegt, dass Sie sich mit einer Unmenge von Tages-—
polémik auseinandersetzen, die lingst vergessen sein wird, wenn man
Jiinger noch immer liest - diese Selbstverleugnung rechne ich Ihnen hoch
an. Schade, dass Sie nicht immer genaue Guellenangaben der betr. aufsiitze
gaben (ist das dem Rotstift des Verlegers zum Opfer gefallen?). Konnten
Sie mir gelegentlich genaue Quellenangaben geben zu folgenden behandelten
Autoren; Klaus Mann / Eva Lips / Késtler / Kahler / "Renaissance" Alger ?
Girsters aufsatz wird wohl nur eine Abwandlung sein seines Aufsatzes:
"Die geistigen Wegbore} tor des NS. II; Ernst Jiinger 'Der arbeiter® ™ in
National-zeitung, Basel, sa/so 13,/14.Jan.1984, Nr.21. (I war Moeller,
III Rosenberg...).
"auf dan Marmor-Klippen", nicht “Auf den Marmorklippen".
3
3.47 oben: jene "Zeitenwende" (im Gesprich mit if.D.Miller): damit ist
Untergang der biirgerlich-liberalen elt gemeint! [und slanit der oFrehosy!J
3.50 letztes Alinea: so eindeutig scheinen mir die "Marmor-Klippen"
nicht zu sein} Je mehr ich das buch lese (nun wohl schon zum 5.Male
intensiv), desto "gefihrlicher" kommt es mir vor.
Ueberhaupt - aber das wissen Sie ja ebenso genau, konnten es aber nicht
schreiben = ist J. durch alle vandlungen hindurch fiir die welt des
“Humanen" und der "Freiheit™ im westlichen Sinne stets gleich gefihr-
lich geblieben.
5.52: Sie wissen, dass 3.J. selbst sich im Interview mit D.Raguenet
in"verre des Hommes" (sollich Ihnen eine Abschrift davon schicken?) sich
gesen die Identifizierung von Figuren der "Marmor-Xlippen" mit realen
Figuren der Gegenwartsgeschichte gewehrt hat Fiirst Sunmyra = Schleicher
Draquemart = Kihm? Zur ersten Parallele fehlt Schl. der Adel, zum
zgweiten R. die kalte Intelligenz.
Fragen zu Ihrem Jiinger-Buch;
5.51: ver ist eigentlich Schigalow? Fand ihn in keinem Nachschlagewerk,.
5.39: jo findet sich Anwendung des Adfgektivs "qorisch" auf Jiinger? (Ich
interessiere mich - fiir meine Arbeit - fiir die "dorische" Ideologie;
Sliher, Benn, Diiubler usw.)
Ihr Vergleich T.E.Lawrence - E.J. freute mich sehr. Fiir eine Brock-
i Lesprechung tat ich das Gleiche: E.J. - T.E.Lawrence = Montherlant (und
teilweise; Malraux).
—— -—- ———— _ ae
thbeutsche innere smigration"; ich finde den Querschnitt sehr gliicklich
in seinem Varianten-Reichtum, obwohl mir nicht es gleich nahe steht.
Die wiecherei mache ich z@B. nicht mit, wahrend sYnst Otto Weger "Wir
jungen Menschen" als kn.deckung freudig begriisste. Jaspers Méinecke /
thiess / sogar Bergengruen - das ist doch alles furchtbar an der Zeit
vorbeigeredet. Jas ist ein Gesprich unter ein paar Intellektucllen
und mit einigen Xedaktoren im Ausland. Die deutsche Jugend hért da gar
nicht zu. Und darauf kommt es doch ant - Aber das Buch ist notwendig.
‘enn es auch von den Gegnern verhéhnt wird.
Meine Rezensionen Ihrer Biicher: Jiinger-BuclleTh der WWeltwoche" in ein
sammelreferat tiber alle 9 bisher veréffentlichten Biicher tiber Jiinger
(Bestellung der kedaktion). "Innere Emigration" noch nicht sicher fiir
nae a : ; +r ‘
sehrift "Das Buch" wceimonatlich, erste panne diesen November)vapeeconea
Hinweis auf “Deutsche Blitter' in bereits « “ ee Sammelreferat bm
fir "“veltwoche". Alle Rezensionen werden aber - aus technischen Griinden~
erst um #feihnachten erscheinen. Daran kann ich@#Fehts andern,
eltwoche", Dagegen baage Biicher schon sicher in der Rezensionszeit-
socamals Fred Schmid: Ich erfuhr eben, dass er nicht mehr in Deutsch-~
land, sondern in der Schweiz ist. Hat aber noch keine stindige Adresse.
‘erde mich nach ihm umsehen, °
arehe-Verlag: sehr fraglich, ob er Ihr Buch tibernimmt. Die gegenwdrtige
veltung wies ein Jiinger-Manuskript von Nilch so ab: Jiinger selber sei
noch immer interessanter als seine Kommentatoren. Auch ist der Verlag
sehr vorsichtig, "geht stvuts auf sicher", wagt nichts.
auf die grundsitzlichen bemerkungen Ihres Briefes einzugehen, dazu
reicngRs’ kaum mehr vor der es stoiies. Ihrm Wortenzur Proble
matik des NABO heute im Gegensatz zu 1932 kann ich nur beistimmen.
kritischer bin ich gegen Ihre Bemerkung, sie hitten nun die Realitat
Freiheit doch zu stark erlebt. Die Schweiz ist neben Schweden wohl das
europiische Land, das Ihrem jetzigen Gastland am iihnlichsten ist. Und
vom trlebnis meiner Umwelthabe ich von friih an ein tiefes Misstrauen
gegen diese Art "Freiheit", die unsichtbare Fesseln mit sich bringt, die
einem oh ihrer Unsichtbarkeit zuweilen noch schlimmer erscheinen als die
Sichtbaren, iW/eil man nimlich ihrer nicht bewusst ist. - Verzeihon Sie,
ich bin eben erst 26 Jahre altl...
Nina wtion “h fatarm matin | das whilirte Mal urate! Hetittn Dank fr okte 2D
Fee Moennrtbrser, ¥ Hoffa Atak bngrisentes Sua res wlasn Stang olen
Hayes 9nant Ar Por Onset. Mortar,
( oe)
Armin Mohler,
Rigistrasse 86, Basel.
Lieber Freund Paetel, Basel, 53.12.46.
leider muss ich Ihnen berichten, dass die Méglichkeiten fiir Thr
Buch nicht sehr gross zu sein scheinen. Es wird 2u sehr als eine
Angelegenheit “innerhalb der Emigranten" betrachtet und das viele |
Eingehen auf die Angriffe von Emigrantenseite schadei dem Buch.
Um so mehr, als ja Brocks Buch da ist, das gerade auf die andere
Seite ausschlaégt und sich um diese Streitigkeiten gar nicht
kiimmert, ja von ihnen gar nicht zu wissen scheint. gig sollten
unbedingt eine Neufassung schreiben, wo Sie all den fagesballast
abwerfen und sich aut das itiber dem Tag .Stehende konzentrieren.
Das ist natirlich, wie ich schon im letzten Brief vom 26.1lo.
echowt schrieb, auch drin, aber es wird sténdig gestért durch die
Auseinandersetzung mit nichtigen Gestalten (z.B. Klaus Mann!).
Wie gesagt; gerade in den (zehlenmissig kleinen) Jinger-freundliche:
Kreisen scheint Ihr Buch nicht den Anklang gefunden zu haben, den
es verdient. °
Beim Buch tiber die "Innere Emégration" lieese sich etwas
Aehnliches sagen: die Geschichte ist schon weiter gegangen, das
Thema “Demokratisierung Deutschlands" ist ad acta gelegt und alles
schaut gebannt auf den Hexenkessel Deutschland, in dem guénzlich
Neves Gestalt anzuhehmen beginnt. Die Herren Schumacher und Loritz
sind da nur erste Vorléufer. Ich glaube, dieser weatee wivd
entscheidend sein. Die erste Periode des Nachkriegs oder dos
"Zwischenkriegs" ist yorbéi. Anzeichen einer neuen Entwicklung:
das Pathos der "Résistance" ist aufgebraucht, der Gegner Hitler
fehlt, eine Desillusionierung in einem Umfange, wie Sie sich das
in Amerika wohl kaum vorstellen kénnen, macht sich iiberall, sogar
im Museum Schweiz, bemerkbar, der Nihilismus wird allgemeine
Grundstimmung und verbindet sich mit einer Germanomaniée, die
geradezu epidemische Ziige annimmt und dem deutschen Messianismus
néues Blut zufiihrt ( eB gin Frankreich, von wo ich genave Berichte
habe-- sn der Presse noch nichts davon).
Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen das so offen tiber Ihre
beiden Biicher schreibe, aber ich glaube, ich bin Ihnen diese
Offenheit schuldig.@Der Gegner sammelt sich wieder. Sogar in der
Schweiz gibt es wieder offen faschistische oder nationalsozialistieg j
Sche Presse (deutsche Schweiz: "Neue Politik" / welsche Schweis:
"Courier du Continent") und zugleich faschisiert sich die Linke
mehr und mehr und die Mitte wird zerrieben. Und es ist gar nicht
leicht, sich zu entscheiden, denn die wertvollen Leuten stehen
nicht, wie man das wéhrend des Krieges glaubte, nuy in oinom Lager.
Das tint Ihnen wirr und auch bei uns hat die Offentlichkeit
noch nicht realisiert, was vorgeht und denkt in den alten
Schlagworten weiter, = bis das Erwachen kommt. Ich kann Ihnen nur
sagen; Kehren Sie, wenn es irgend geht, nach Deutschland zuriick!
|
{
|
; In der "Weltwoche" vom 15. November suchte ich darauf hinzu- :
weisen und "Aspekte des deutschen "*Nihilismus* “ zubeleuchten,
wobei es mir darauf ankam, der unsinnigen Gleichsetzung
Nihilismus = Kriminégalitét entgegenzutreten und den sogenannten
"Nihilismust als einen Ausdruck der Not der europdéischen Jugend
darzustellen. Ich exemplifizierte vor allem mit der Erstfassung i
des "Abenteterlichen Herz". Nun hat der mir feindlich gesinnte
Stellvertreter von Herrn von Schumacher mir einen sensations-
hascherischen Titel tiber den Aufsatz und eine unnitige redaktionelle
Distanzierung vor den artikel gesetzt und mir den Artikel durch
massive Streichungen und gar Aenderungen der Saétze verfélscht und
ihn beinahe zu einem Jiinger-feindlichen gemacht. Dies fiir den Fall,
Wass 640 din ested: (Du waewian wall wetircent an. Necwanetweante. becom
3.12.46. 2
gewesen sein, er ist leider nicht ganz frei davon und auf den
Namen Jiinger reagierte er beinahe explosiv.
Mit gleicher Post geht der Angriff von Frangois Bondy auf
den "Brieden" an Sie ab.
Heft 32 der DB erhielt ich doppelt von Ihnen. Vielen Dank fiir
die Zusendung. Das Doppel gab ich gleich als Werbenummer weiter.
Von den Programmschriften ftir meine Arbeit, die ich als fiir
meine Dissertation noch fehlend nannte, habe ich inawischen die
am wenigsten wichtige: Stapel "Antisemitismus und Antigermanismus"
von 1928 erwischt. - Ich arbeite gegenwirtig nur mithsam an der
Dissertation. Die Luft in Europa wird erdriickend und meine Stube
ist nicht so gut abgedichtet wie die meisten anderen schweizer
Stuben.
Lassen Sie wieder von sich héren! Fir die Festtage und ‘fiir
den Jahreswechsel (dem ich mit gemischten Geftihlen entgegensehe -
ich verfluche in letzter Zeit oft mein Schweizertum und seine
Neutralitat, das einem nicht die Geborgenheitin der Entscheidung
fiir die eins Position als Mitgift mitgibt) schicke ich Ihnen meine
herzlichen Wiinsche - und ja, die Aufforderung, nach Deutschland
gzuriickzukehren, wenn Ihnen das miglich ist. Man braucht jetzt dort
Menschen Ihrer Art und diese Wintermonate werden auf Jahrzehnte
hinaus entscheidend sein}
Pieytet, grant Rar
Shr Camis Mothar,
—e
Grundthese;
Ausserhalb Deutschlands hatte man iiberhaupt keine Ahnung, was gesche-
hen sei, und innerhalb Deutschlands wiissten es von den Leuten iiber
40 auch die wenigsten. Es sei da eine Revolution geschehen und immer
noch im Gange, von deren Zxistenz man kaum eine Ahnung habe (Namen
wie NS usw. geniigten nicht zur Bezeichnung, es sei mehr und anders
gelagert). Der wichtigste Faktor; eine seelisch véllig ungebrochene,
sich nicht im geringsten ungliicklich fthlende Jugend, d&e wohl spater
einmal ganz Europa ein neues Gesicht geben werde. - — Was fiir eines?
Der betreffende Freund ist unter meinen Freunden siner der wachsten
Instinkte fiir alles Politische - und Metapolitische. -
Dies ein paar §tichworte iiber seinen Bericht. Jetzt aber Schluss mit
dem Bandwurnm.
FOr Gru, Monee.
-
—
a
Armin Mohler, .
Rigistrasse 86, Basel.
et EE GS OE LE LG EE LT LE LE LL Le LN en ee ee
| neynenree ot
Lieber Freund Paetel, Basel, 14.1.47.
Thr Brief vom 30.12. hat mich sehr gefreut, nachdem ich lange nichts
mehr von Ihnen gehért habe. Auch Ihre Sendungen mit den Artixeln
fiber Jiinger und den Rezensionen iiber Ihr Buch machten mir Freude.
Am 6.Januar ging eine Drucksachensendung an Sie ab. Inhalt: zwei
schweizer Bicherkataloge Weihnachten 1946, zur Orientierung iber
den Biichermarkt; zwei Exemplare eines tweltwochen"-Artikels
"Priedrich Georg Jiinger" (wenn méglich eines davon an Elfriede if
Krichler senden, die mich darum gebeten hat); eine Brock-Rezension
von mir aus dem Schweiz.Philosoph Jahrbuch. - Den *hund" vom 2.Jduni }
werde ich Ihnen besorgen; ich habe jene Anzeige uibersehen.
Von “Keaders Digest" habe ich nach jener ersten Anfrage nichts
mehr gehért und einen Abdruck habe ich in der "suropean Edition" nie
gesehen. ks wird also wohl nichts daraus geworden sein.
Milch sitzt noch immer in London und wartet noch auf einige
Papiere. br fiihrt seit Monaten einen Papierkrieg (leider muss er das
- auch mit der Eidgenossenschaft tun), um via Frankreich/schweiz nach
Deutschland zuritickzukehren, wo er in Marburg eine Professur fir
Deutsche Literaturgeschichte erhalten hat. Lr wird mich in Basel
aufsuchen.
Fred Schmids neue Art der Betaétigung: er schreibt an einer
philosophischen Summa und fiihrt daneben sein monddnes Leben weiter.
Das ist, was ich titber ihn hére. Ich hoffe, ihn bald einmal kennen-
lernen zu kénnen. Wenn ich auch etwas misstrauisch bin ihm gegentiber
wegen der leicht snobistischen Note, die alles mit ihm Zusammen-
hingende tra&égt.
Die Jahreszahlen zur Jiinger-Bibliographie: ich glaube, dass die.
Zahlen, die ich Ihnen sandte, maximal zuverlassig sind, da ich sie
nach den Originalausgaben der Erstauflagen auf der Staatsbibliothek
; in Berlin rausschrieb. Das Werkverzeichnis in den Biichern selbst 2B. |
” simmt fiir "Feuer und Blut" nicht (es steht 1926 statt 1925; ich hatte |
aber in Berlin die irstauflage 1925 - so auf Titel wie beim Copy- if
right - in den "Grauen Biichern" des Stahlhelm-Verlages in der Hand;
1926 ist die erste Auflage, die im Frundsberg-Verlag erschien, also
im Gesamten schon die 2.Auflage$ - Dies nur als Beispiel.). '
Ich habe nun fast mein gesamtes, sehr umfangreiches pibliographisches
Material an Karl Friedrich Baedeker in Malente/Holstein geschickt,
der an einer Jiinger-Bibliographie arbeitet (die hoffentlich bald
- yauskommt; sie soll einen Essay von B. begleiten).
So, damit waren die Kleinigkeiten erledigt. Nun zu Grundsatzli-
cherem. Ich muss da etwas weiter ausholen. Mir scheint, dass wir in
den letzten Briefen etwas aneinander vorbeigeredet haben. Eine Gefahr
die bei blossem Briefverkehr wohl immer da ist, wenn man den andern |
nicht alsganze Persénlichkeit, deh. mit all seinen Voraussetzungen
kennt.
Aber ich werde wohl erst am Abend weiterfahren kinnen, da in
einer Viertelstunde einer meiner besten Freunde (Schweizer) kommt,
der eben die englische Zone bereist und bei dieser Gelegenheit im
Kirchhorster Pfarrhaus anklopfen wollte. Ich bin gespannt, was er
erzaéhlt. Am Telefon sagte er mir bisher nur, dass er krank sei. Kein
Wunder bei diesen Zustéinden dort oben}
od —— — —-- i a a et ee a ee ee Serene
Meine Voraussetzungen.
Ich weiss nicht, ob ich Ihnen davon einmal erzéhlt habe. Ich will es
( in ein paar Stichworten tun.
sar) Meine Herkunft; meine beidseitigen Grosseltern Bauern mit Kleinhand-
eae A aes ae ie eee aD De een lene OC Sane
a] in die Stadt
[a4-4-42-J 2
gegangen; wird Beamter. Mein erstes wichtiges Erlebnis: das
Biindische in der Mischform der Pfadfinder Baden-Powellscher Pra&gung.
Fihrerschaft bis Abitur. Vereinsamung: Lrlebnis Nietzsches und,
landschaftlich bedingt, Spittelers. Meine schweizer Umwelt erlebe
ich von frth an als Mumifizierung des erstarrten "Liberalismus".
Meine Opposition fithrt mich zuerst zur KP und zum historischen
Materialismus, Nach dem ersten russischen Winter, als sich die
deutsche Niederlage abzuzeichnen beginnt, heftiger Durchbruch des
Nationalen. Obwohl Soldat in der schweizer Armee (Offizierslaufbahn
wegen politischer "Unzuverliassigkeit" ("roter") verschlossen), gehe
ich Frithjahr 1942 schwarz als Kriegsfreiwilliger nach Deutschland.
(1941 Durchbruch Jtingers bei mir, vor allem des "Arbeiters",) Dort
desillusionierende Erlebnisse mit schweizer Rechts-Emigration, mit
verbonzter NS-Birokratie usw. Als Kriegsfreiwilliger nur Eintritt
in Waffen-SS méglich. Ich ziehe mich zuriick und studiere in Berlin.
Doch dies nur die offizielle Bet&dtigung. In Wirklichkeit schaue
ich méglichst viel von Deutschland an. Bereise beinahe das ganze
Reichsgebiet. Wohne bei Bauern und auf Rittergiitern, finde Kontakt
mit Biindischen und "schwarzer Front", suche vor allem junge Soldaten,
auch Waffen-SS und solche auslindischer Staaten, in Berlin wohne
ich in Arbeiterviertel. Kaum Kontakt mit Biirgertum. Nach einem Jahr
erhalte ich durch Vermittlung von Konservativen an der Wilhelmstrass
ein legales Ausreisevisum. Zuriickgekehrt in die Schweiz, werde ich
wegen "Schwachung der Wehrkraft" und "illegalem Grenztibertritt" zu
einem halben Jahr Festung verurteilt. Dort werde ich wegen der
schlechten sanitarischen Zustaénde schwer krank (1943) und bin heute
noch nicht geheilt (1947). wWerde deshalb dienstfrei. aufenthalt in
Sanatorien. Die theoretische Klairung beginnt (in Deutschland hatte
ich anfaénglich Jiinger und NS noch naiv identifiziert yng nur die
Naivit&t dieser Identifikation und der Beistand von Gerhard Schumann,
der damals gerade schwerverletzt in der Heimat war, bewahrten mich
vor Schlimmem.) Diese theoretische Klarung verdichtét sich zu
meinem Dissertationsplan, den Sie kennen,
ae Heutige Stellung.
Als unverriickbare Basis das Bekenntnis zum Deutschen (denn es gibt
eine Ebene, wo die "Schweiz" nicht mehr existiert, wo es nur noch
um groéssere Komplexe wie "Deutschland", "der Westen" usw. geht).
(Angemerkt sei, dass meine Familie auf Jahrhunderte zurtick rein
schweizerisch ist, also nicht eingebiirgerte Reichsdeutsche wie ein
Grossteil der nordschweizerischen Beviélkerung.)
Stellung zum NS: Der NS wird als eine Massenpartei ohne eigene
Ideologie erkannt. Seine Ideologie stiehlt er bei anderen Gruppen
zusammen - und verrdt sie. Diese Ideologien sind aber durch die
Tatsache des NS allein nicht kompromittiert. Dass ein Teil der Nazis
Verbrecher waren, ist kein Grund, zum "Liberalismus" zuriickzukehren.
Der Liberalismus ist tot und die Schaffung eines "revolutioniren
Konservatismus" bleibt - trotz Hitler! - adie Aufgabet! Sie
scheint heute noch unlésbar, wegen der ungeheuren Ressentiments.
Jede Arbeit in dieser Richtung wird als "nazistisch" etikettiert.
Aber das wird in absehbarer Zeit umschlagen und die Hauptaufgabe
wird sein, diesen “revolutioniren Konservatismus" nicht wieder zu
einem "Faschismus" werden zu lassen,
Aktuelle Politik: die Arbeitermassen der Siegerstaaten und die
Kolonialvélker emanzipieren sich. Der Kapitalismus sucht neue
Proletarierherden und findet sie in den besiegten Staaten Mittel-
europas (Deutschland, Italien). Die Schuld-Ideologie ist das Werkzeu;
dieser Versklavung. Jeder Deutsche, der 1947 noch von "Schuld"
spricht (ich behaupte nicht, es gibe das nicht - wohlverstanden),
trigt bewusst (Foerster) oder unbewusst (Wiechert) zur Versklavung
seines Volkes bei; er ist ein Dummkopf oder ein Verriter. Deshalb
a a, Ts ee er a as
“ darzustellen. Er hat kein einziges seiner Werke abgeschworent Hr will!
‘Auch er steht auf dem Standpunkt: das Ereignis Hitler hat meinen
£-14.4-47-J 5
bekumpfe ich (und ebenso meine Freunde) erbittert alle "Schuld"- :
Phraseologen, handle es sich nun um Wiechert, Bergengruen, Nieméller
(den ich als Persénlichkeit hochschitze) oder um ihre schweizer
Ableger wie Ernst von Schenck (preuss.Adel!) und andere.
Kurz: Deutschland befindet sich wieder in der gleichen Situation wie
um 1930, bloss bin ich jetzt so alt wie Sie 6s damals wohl ungef&éhr i
waren. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, beizutragen, dass nicht
wieder die braune oder die rote Fahne die schwarze Fahne verdr&ngt,
dass nicht wieder Arbeiter und Soldaten sich umbringen und der
Birger (den es in Deutschland immer noch gibt, wenn auch in verander-
ter Form) sich daneben die Hande reibt.
Ein Beispiel.
Ich habe einen schweren Kampf an der "Weltwoche" hinter mir. Man
_ wollte mich wegen meiner Aufsitze, die starke Wirkung in Deutschland |
haben sollen, verdréngen. Von allen méglichen Seiten wurde gegen
mich intrigiert. Zum Beispiel von’ Schenck, der eben erst aus Deutsch-'}
‘land zuriickgekehrt war, wo ihn sogar die Antifaschisten boykottiert
hatten ($$). Man steckte das hinter Robert Jungk, der mich nicht
persénlich kannte und nur tiber mich als einen "Nazi" schimpfen hiérte.
Er stellte das Ultimatum, entweder schreibe Mohler oder er an der
"Weltwoche". Darauf fuhr ich zu ihm und nach 2h%stiindiger Auseinander-i
setzung musste er einsehen, dass er mir Unrecht getan hatte. Er
schien sich aber prestigemdssig schon festgelegt zu haben und so
schlossen wir denn folgenden, leicht komischer, Kompwomiss: in keiner
Nummer, wo sich ein Aufsatz von ihm findet, darf einer von mir sein.
Inzwischen ist nun zum Aerger meiner Gegner der “Friedrich Georg i
Jiinger" erschienen. Aber immerhin, ich traue dem Frieden nicht ganz. }
Es scheint auch aus dem Ausland gegen mich gearbeitet worden zu
sein. Leider durchschaue ich noch nicht alle Zusammenhdnge,
Der Hauptvorwurf war iibrigens, ich sei ein Feind der "Freiheit". Die
gréssten Feinde der Freiheit scheinen mir aber ihre grossen Verkiin-
der von heute zu sein. Es wiirde zu weit fithren, das hier auszufihren.
Auf jeden Fall, der Klarsichtige sieht: der n&chste Faschismus kommt
im Namen der Demokratie (resp. er ist bereits unterwegs).
ihr_Jiinger-Buch. :
Gewiss differieren meine beiden Briefe daritiber. Im ersten ist meine
Stimmung beim ersten Lesen wiedergegeben: ich war einfach begeistert |
iber Ihren Mut, offen fiir den Verfehmten einzutreten. Der zweite
Brief ist nach nochmaliger genauer Lektiire und nach Erfahrung der
Wirkung des Buches in Jiinger-nahen Kreisen der Schweiz geschrieben.
Ich halte es fiir unrichtig, Jiinger als bekehrtes liberales Scha&fchen
nach wie vor sein Werk als Ganzes anerkannt wissen. Ihre Methode trigt}
die Gefahr in sich, die friihen und mittleren Werke zugunsten der i
"Marmor-Klippen" (die eben keine Partisanen-Dichtung sind) und des
"Friedens" abzuwerten. Dagegen wehrt sich J. selbst aber stdndig.
“arbeiter" nicht entwertet. Das macht, dass er noch Tausende von
jungen Herzen mit einem Satz hinreissen kann, wé&hrend wiechert und
Bergengruen fiir einen jungen Deutschen komisch geworden sind.
Ihre Methode der Verteidigung beruht darin, die Ausgangsbasis
von Jiingers Gegnern gegeniiber der seinen als die richtige anzuer-
kennen und von da aus dann J. als doch nicht ganz so schlimm
hinzustellen suchen. Das kénnten Sie tun, wenn Sie J. bloss als
Menschen schitzen, ihn aber als Dichter-Denker ablehnen wiirden.
Es gibt nur eine Methode der Verteidigung Jiingers: die Offensive
Deh. seine Ideen in ihrer ganzen Gewalt und ihrer Klarheit zu |
&
A PEEDEN A Sc eaadi ete RCNA RNIR ee
entwickeln und gar nicht auf die einzelnen, schon sprachlich véllig
unterlegenen Klaffereien einzugehen. - Leider schlagt Brock etwas
auf die andere Seite aus: sein Werk ist eine grosse Leistung, aber
N
(© doach atwae enhwar gsocnnolinh ?
CA4.4-47-] 4
Friedrich Georg Jiinger.
Der Ausschnitt aus der "Neuen Zeitung": kam fiir mich sehr itiber-
raschend (ich erhielt ihn drei Tage nach Erscheinen meines Auf-
satzes). Aus ihm erst erfuhr ich, dass F.G.J. verboten worden ist.
Der Aufsatz von Speyer (wer ist das?) ist idiotisch: der Kerl hat
die "Perfektion" gar nicht gelesen, sonst hitte er bemerkt, dass
dieses Buch technikfeindlich und nicht technikfreundlich, wie er
behauptet, ist. - Auf der Redaktion unterlief ein Irrtum: nicht
die "Perfektion", sondern "Ueber das Komische" kommt im Arche-Verlag |
heraus. Sie méchten aber die "Perfektion" auch noch kriegen, was nun |
wohl eher méglich ist. Sie sind aber dort sehr dngstlich in Sachen
Briider Jiingerece
Stilistischer Wert des Friedens".
Herr und Frau Brock, Dr. Maria Bindschedler und andere gute Kenner
der kiinstlerischen Seite Jiingers haben mir da beigestimmt. Mit
einer stilkritischen Analyse etwa von BSt und "Frieden" ware es
rein empirisch nachzuweisen. Hier méchte ich nur anmerken, dass im
F zwei Stile sich schneiden und vermengen; der etwa der "Totalen
Mobilmachung" und der der "Marmor-Klippen", d.h. ein analysierender
und ein synthetischer. Ausserdem tibernimmt J. stehende Formulierun-
gen friiherer Werke, ohne sie organisch einftigen zu kénnen (vgl.
etwa die ersten Alinea des Abschnittes 5). Schon friiher gab es ja
starke Qualitdtssehwankungen; etwa der Unterschied St.l.Auflage -
St.Endgiiltige Fassung, oder die Vorstufen des "Arbeiters" in
Zeitschriftenaufsdtzen um 1930 und das Buch selbst.
Rezension Ihrer Bicher. i
Der Junger sollte in eine Sammelbesprechung aller (8 oder 9)Biicher
iiber J. in der “Weltwoche" kommen. Dazu fehlt mir noch das Buch
von Nebel. In der Zweimontsschrift "Das Buch" habe ich einen
Auftrag fiir eine Sammelbesprechung der Deutschland-Literatur in
den angelsichsischen Lindern und will dort auch Ihre beiden Biicher
besprechen. ;
Vielleicht kann ich nun in einer neuen Rubrik der “Weltwoche" schon
vorher beides anzeigen. Ich habe ja nun meine Titigkeit da wieder
aufgenommen. Auf jeden Fall muss man mit Jiinger nun etwas zuriick-
halten, wrschiedene Kreise sind "geldaden",
"Zerreissen" werde ich die beiden Schriften nattirlich nicht, denn
ihre Vorziige sehe ich natiirlich auch und die tiberwiegen das, womit
ich nicht einverstanden bin.
e
oe ne ee ——
Mein Freund, der mich besucht hat, konnte nicht in Kirchhorst
vorbei (wo tibrigens ein Kind erwartet wird; bei Brocks in Ztirich
steht schon ein Koffer Babyw&sche bereit). Aber er hat mir sonst
ungeheuer viel erzuhlt, einen ganzen Nachmittag und Abend lang.
Und er brachte einen Stapel Zeitschriften mit. Darunter auch solche
mit Aufsitzen von Ihnen ("Heimke}r?" in "Neue Zeitung" vom 4.1.47.
und "Deutsche Jugend" in "Das junge Wort" vom 1.12.46.). In den
Heften 7(Okt) und 8(Nov) der "Nordwestdeutschen Hefte" Diskussion
iber eine Jiinger-Diskussion am Radio, wo Herbert Blank der
Positivste der Kritiker war. Die Sache ist unergiebig, ich schreibe
sie nicht ab. - Mahraun hat tibrigens auch am Radio gesprochen.(4m_
Lieber Freund Paetel, Bas6él, 17.2.47.
‘
wegen ungeniigender Frankierung erhislt ich
fhren Luftpostbrief vom 20.1. (Rudolf
Stauch) erst heute durch die gewdShnliche
‘Post. Das ist sehr ungeschickt. Ich werde
die Sache sofort durch Freunde von Gang
an diesen weiterleiten.
Ihren Brief vom 5.2. werde ich bald
beantworten.
En Eile gritisst herzlich
Fe Qrun Moteur.
Auf dem Umschlag war ein Stempel
"Insufficiently Fr???id For Trans-Atlantic
Air Mail Service",
+ Ree mec
Armin Mohler,
Rigistrasse 86, Basel. |
Herrn
Karl Otto Paetel,
68-45 Burns Street,
Forest Hills / Lele / NeY.C.
Lieber Freund Paetel, . Basel, 8.4.47.
endlich kann ich Ihnen auf Ihre verschiedenen Briefe und Sendungen |
| antworten. Grosse Blichork&ufe fiir meine Dissertation und das Senden
| von Paketen an meine Freunde in Deutschland sowie zeitweilige j
Schwierigkeiten im Journalismus (weil ich ein "Faschist" seit)
haben mich gezwungen, eine Weile als Werkstudent zu arbeiten, erst
als Péstler, jetzt als Versicherungsbeamter. Das geht noch so bis
Ende April. Dann bin ich wieder durch. "Versicherung", dieser
maximale zivilisatorische Unsinn, laugt aus und macht &Sde. Lieber
ginge ich als Schaufler. Aber als "white-collar-man" verdient man i
bei uns vorldufig noch mehr..-e Die soziologischen und nationalékono-!
|
i
i
i
mischen Erfahrungen, die ich gemacht habe sind gross: "Segen" von
> Grossbetrieben und von Staatsbetrieben, "kalter Sozialismus" resp.
"Sozialismus von oben", "white-collar'=Psychologie usw. Ich habe in
manchem umgelernt. Nur geht es wie so oft; man sieht das Uebel,
sieht sich aber auch machtlos, die Not zu wenden. Der verfluchte
Hegelt
Gleichwohl fand ich aber Zeit, die Besorgungen fiir Sie auszufiihren,
nattirlich so gut, wie es mir méglich war;
Rezensionen fiir Milch gingen ab. Sie kénnen ihm c/o Sekretariat
des G.eE.R.o in London schreiben: die Post geht dann unzensuriert
nach Marburg weiter. Ich lernte Milch hier in Basel kennen: er ist
ein pr&échtiger Kerl und hat gute Ziele. Etwas skeptisch bin ich
bloss, ob er sie in diesem von Idioten und Verbrechern verwalteten
Landstrich, der ehemals Deutschland hiess, verwirklichen kann. Er
war sehr optimistisch, als er hier ware Seither habe ich noch nichts!
von ihm gehirt. Vielleicht kommt ein Biichlein tiber E.J. von ihm in
Ztirich heraus. Gesehen hab ich es nicht.
‘Thr Aufsatz tiber die Arbeiterbewegung von USA wurde bisher von zwei
Seiton zuriickgewiesen, leider auch von der "Tat", die eine der
lebendigsten Tageszeitungen ist. Begriindung: zu lang (fiir eine
Tageszeitung!). Schade ist, dass der Aufsatz etwas nachlissig im
. Stilistischen ist: viele Tipp-, Orthographie- und Interpunktions-
| - fehler. Das ist psychologisch ungeschickt bei einem Artikel, der H
| dem Redaktor ohnehin schon durch seine Lange missfallt. Mein Prinzip)
ist stets, ein Manuskript vollkommen fehlerlos, ohne auch nur eine
einzige Federkorrektur (lieber schreibe ich eine Seite neu) abzulie-,
fern: dann ist der Kampf um die Seele des Redaktors schon halb i
gewonnen. Besonders in der Schweiz, diesem Holland Nr.IlIeceees
Ich werde es aber weiter versuchen,.
Meine Sendungen an Sie: .
6.Januar; AsMe: Friedrich Georg Jiinger (2 mal).
(Drucks,) A.M.e: Besprechung von Brocks Buch (aus Philos.Jahrbuch).
2 Schweizer Bicherkataloge.
8.Febr. ; Liste der Zeitschriftenaufsitze Jiingers.
——— Nachrichten iiber E.J. prox mir getippt nach Berichten). |
: der gewiinschte "Bund" (war allerdings drin nichts iiber Sie
Drucks.) zu finden; Sie miissen sich im Datum geirrt haben; geben
Sie mir das richtige Datum an, dann schicke ich es noche
mals}).
LoaFebre: A.M. tiber ein Buch von Mitscherlich (aus der "Tat"),
aben @ dies alles erhalten? j
2
Ihre neve Zeitschrift, Dass die neve Zeitschrift "Deutsche Blatter"
eingehen musste, bedaure ich. Es war die einzige deutsche Emigrantene |
zeitschriften, die ich ohne Widerwillen las. Ich sehe mit Freuden,
dass Ihre Zeitschrift den gleichen Weg geht und lasse die beiden
Nummern, die ich erhalten habe, in meinem Freundeskreis umgehen. i
t
Etwas von dem Schuld-Geschrei, das mir zuwider ist, ist auch drin,
aber nur gerade so viel, wie nétig ist. |
Besprechung Ihrer Biicher: Fir die "Weltwoche" schrieb ich inzwischen
Cetwa im Januar, wenn ich nicht irre) eine neue: umfassend Ihre :
beiden Bicher, die Schrift von Milch tiber die Jugendbewegung und die |
beiden Heftchen Ebelings (wenn letztere es auch nicht verdienen, mit |
Milch und Ihnen zugleich genannt zu werden). Die Besprechung bliieb
bisher liegen und nun ist auch der mir und meiner Sache freundlich
-gesinnte Redaktor geflogen und sie wird wohl nicht kommen. Ich werde
es nun in einer Zweimonatsschrift "Das Buch"versuchen, die aber bise |
her sozusagen unter Ausschluss der Oeffentlichkeit erscheint. An
der "“Weltwoche" hatte ich seither nur zwei grossere Arbeiten: eine
fiber die Problematik der abstrakten Malerei (21.2.) und eine letzte
Woche iiber die Germanomanie in Frankreich (3.4.). Ich werde sie
Ihnen nichste Woche mit gewohnlicher Post senden. Ich muss nun mehr |
auf Umwegen (z2.B. auf dom Umweg iiber die Malerei) von meinen i
Problemen reden und Jiinger, Paetel und andere kitzlige Stoffe (ver- |
}
t
zeihen Sie dieses Adjektiv!) etwas zurticktreten lassen. Ein Rudal |
von Leuten bemiiht sich, mich abzuschiessen. Leider scheint auch i.
Ebeling von London aus daran beteiligt zu sein. Genaue Beweise habe ||
ich allerdings noch nicht. Als ich ihm auf Ihre Auskiinfte hin an if
ihn schrieb und er mir (einmal) antwortete, wies ich seinen "Fidera- |
lismus" (lies: Separatismus) scharf zuriick und erhielt dann keine Pi
Antwort mehr. Milch hat mich sehr vor ihm gewarnt und auch gesagt,- ef
Sie sollten sich ebenfalls vor ihm hiiten. Er scheint 6ine sehr faule
Rolle zu spielen. i
“Missverstadndnisse*:; Dass ich Sie missverstanden habe, freut mich; it
deh. es freut mich, dass Sie im wesentlichen Kerne der alte Paetel yi
geblieben sind, wenn Sie sich auch gewandelt haben (so wie sich auch |
E.Je gewandelt hat, um doch der gleiche zu bleiben). Wir sollten uns
mal sprechen kinnen$} Mein Kontakt mit Milch hat auch sehr gewonnen, |.
seit wir uns wihpend zwei Tagen mindlich verstindigen konnten. 1
Jiinger hat mir einen lingeren Brief geschrieben, in welchem er von i
seiner Arbeit erzuihlt, auf meine Aufsitze eingeht, einiges teriche :
tigt (das Wichtigste: er haélt an den Grundlinien des "Arbeiters" i
fest3!!) und sich vor allom tiber den FoGeJeeAufsatgz positiv dussert. i
Ich las eben das Vorwort zu "Strahlungen"; diese Tagebiicher if
der Pariser Zeit (sie sind druckfertig) werden wohl das Wichtigste i
und Beste seit den "Marmor-Klippen" sein. Er distanziert sich iibrie |
gens schon etwas von der Friedensschrift: sie scheint ihm bereits i
historisch geworden zu sein, i
Ich las auch die "“Atlantische Fahrt" (Brasilien-Tagebuch 1936, if
mit sehr farbigen Einzelstellen) und "Sprache und Kirperbau" (in der |
Art von "Lob der Vokale"), . |
Nun alles Gutel Lassen Sie wieder einmal von sich hérent (Auch
wenn ich nicht immer gleich postwendend von mir h&8ren lassen kann} )
tlen, cud
For OQ. Moule,
Lieber Freund Pactel, Basel, 6.6.47.
mit Freude habe ich Ihren tibersichtlichen und schénen
Aufsatz in den "Schweizer Annalen" gelesen. Das ist
ein guter Start! Das Zwiespiltige des amerikanischen
Liberalismus fand ich noch nirgends so klar heraus-
gestellt. Meinerseits hitte ich vielleicht noch mehr
auf die Unterscheidung von “liberal ("Freiheit")
und "denokratisch" ("Gleichheit") Gewicht gelegt
(natiirvlich nicht im Sinne der USA-Parteibezeichnun-
gen) - die Vermanschung der Begriffe liberal und
demokratisch ist ein Signum unserer Zeit (die osteuro
pHischen Staaten sind wirklich "demokratisch"; wenn
der Westen sie "undemokratisch" nennt, so meint er;
Mmicht liberal"). - Ihr Aufsatz tiber die USA-Arbeiter
bewegung kam eben wieder von einer Redaktion zurticke
Langsam wird es listig, das Kérbe-Fangen. Leider kann
ich bei einigen in Frage kommenden Zeitungen und
Zeitschriften, so etwa den “Annalen", damit nicht
anklopfen, da ich dort wegen meines Bimsetzens fiir
Jiinger als "Nazi" verschrien bin. (P.S: Ich war
schon erstaunt, dass v.Schenck Ihren Aufsatz nahm;
ey muss doch wissen, dass Sie tiber Jiinger geschrieben
haben, den er in leichter Selbsttberschatzung - und
nach Hitlers Tod - seinen "Feind Nr. 1" nennt...)
Haben Sie einen “"neutralent Freund hier, dem ich den
Aufsatz weitergeben kann, damit er ihn an jene
Zeitungen schickt? Wenn ja, schreiben Sie mir seine
Adresse.
x Die Besprechung, die ich seit langem tiber«eMilche-
u Borinski/ Paetel/Ebeling»geschrieben habe und die
de Monaten auf der "Weltwoche" liegt, soll doch
zp noch kommen. Wenigstens hat mir das der interimisti-
** sche Feuilletonredaktor Frangois Bondy versprochen,
Sader mir sagte, er hitte Sie mal gut gekannt. Auf der
y & Redaktion der Monatszeitschrift "Das Buch" liegt
Ry eine hinzelbesprechung Threr beiden Bitcher - bis jetz
+“ auch noch nicht erschienen.
=2pie "Deutsche Gegenwart" macht sich gut wenn sich
} mir auch beim Lesen des Namens Wiechert der Magen
$~"umdreht, @r hat sich bei seiner ktizlichen Tour de
Suisse @iderlich aufgefihrt!jDie beiden Mohler-Zitate
habe ich mit Vergniigen geleSen und die Zeitschrift
ere in meinem Freundeskreis. Schade, dass Sie
nicht solide gebunden ist - wenn drei sie gelesen
E haben, besteht sie ais losen Blittern.
RiIch bin gespannt auf Schumacher, der nach Zirich zum
Sozialistenkongress kommt! Heyeuagrw+ ve, anu, Moen
Lieber Freund Paetel, Basel,19.6.47.
®
hier mit gewéhnlicher Post zwei Sachen:
1. (endlich) die eine meiner beiden
Rezensionen Ihrer beiden Bicher.
2. Auszitige aus meinem Briefwechsel mit
Ernst Jiinger (unpersoénliche Stellen
allgemeinen Inhaltes tiber sein Werk).
Das Kohlenpapier war schlecht und das
Papier zu dick - hoffentlich kénnen Sie
es trotzdem lesen. Die beiden anderen
Durchschlaége waren etwas besser, gingen
aber an einen Italiener und einen Fran-
zosen, die in einer Fremdsprache ohnehin
weniger gut “raten" kénnen.
Haneie ~
Fos Qe Mottar,
aT nee tte
hh,
Pe
Lieber Freund Paetel, | Basel, 9.10.47.% |
erst heute kann ich Ihnen die Bibliographie zuriickschicken. Ich war
grasslich unter Druck, musste das Register eines wissenschaftlichen
Handbuches auf Druckertermin liefern. Erst gestern abend kam ich dazu.
Ich habe zugefiigt oder korrigiert, was mir aus der Unmasse von
Material das Wichtigste schien. Siehe jeweils beide Seiten, oft ist
Riickseite auch beschrieben. Ein Grossteil meines Materials ist
noch nicht bearbeitet. Sobald Neues hinzukommt, werde ich es ihnen
senden. Ob Sie die Liste der Zeitschriften-Aufsditze aus der Weimarer
Zeit verbffentlichen sollten im jetzigen Moment? Ich gebe Ihnen das
Material gerne. Aber fragen Sie erst Jiinger selbst, ob er einverstanden |
ist. Die Bibliographie muss selbstverst&ndlich noch mehr gegliedert
und gruppiert werden, nach einheitlichen Gesichtspunkten.
Mit Dr. R. Schwarz bin ich in schinen Kontakt gekommen - vielen
Dank fiir die Vermittlung dieser wertvollen Bekanntschaft,.
Die "Weltwoche" hat eine Besprechung der "Deutschen Gegenwart"
zuriickgewiesen; es wird aber wenigstens in der Zeitschrift "Das Buch"
eine erscheinen.
o Gke VER Fee nue Motil
Be dd A
athe
by
Lieber Freund Paetel, Basel, 30.12.47.
=
i ad
mit Ihrer Jugend-Sondernummer der "Deutschen Gegen-
wart" haben Sie mir grosse Freude gemacht! Ich .
halte sie fiir die beste Nummer bisher. Stimmen die |
Gertichte, dass die "Deutschen Blatter" wieder er-
scheinen werden und was geschihe dann mit Ihrer
Zeitschrift? An dem Unternehmen der Mittelstelle
Pallas-Verlag kann ich aus Zeitmangel nicht teil-
nehmen (meine Arbeit muss endlich unter Dach);
& auch bin ich etwas skeptisch gegen allau viel
Ye Organisation: vor lauter Organisisren kommt das
F Wesentliche zu “urz. Eine einzize gute, ausgereifte
i
<¢
ID
“ay ?
“NO 2SSaupy mY ae
Pe pamnap, worry rIg~rsz3g
92
Seite kann mehr wirken als ein Lexikon. - An Sie
ist einiges unterwegs: 1 Biicherkatalog, 3 Exemplare
eginer Presseschau tiber B.J. (= Schweizer Bearbei-
tung der Baedekerschen Zusamnenstellung), 1 Rezen-
sion (bloss kurze Ankiinmdigung) der neuen F,C.J.-
Binde. Bald folgt ein F.G.J.-Aufsatz aus der "Tat",
an die ich nun aus verschiedenen Griinden von der
"Weltwoche" tibergesiedelt bin.*Vor Cinem Monat hate
{cl ent Lermgerts , Ser Scidues Vuk frvetithacs ZuSammentveffec wit
eu Bride J.ehKennce Sie «hie Aussprakse® | Disclolore 2 Povt tis
yomabe =4y
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amy yoow pu
+ ppgonayes OY & ~9Gun9 7 wats 27
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eee weary enters
is etna teenie meee
rs
. octiareemennrenen cmnperernarae
atti
“Méin ligber Paetel, Basel, 2.1.48,
als Nachtrag zu meiner Neujahrskarte: ich empfehle
Ihnen (falls Sie es nicht schon getan haben),
Thre Zeitschrift zu senden an:
Prof.J.-F.Angelloz (Paris V®, 4 rue Paillet),
Sekretar der "Société des Etudes Germaniques"
(Paris VI®°, 5 rue de 1'&cole-de- e-liédecine).
Bitten Sie ihn zugleich, Ihnen daftir im Austausch
die aed seiner Gesellschaft, die
"Etudes Germaniques" jeweils im ies taael ZU
senden. Angelloz ist einer der wichtigsten Fran-
zoSen auf dem Gebiet-der deutsch-franzésischen
_ Kulturbeziehungen.
Herzlich
Fer Qn. Motler
dd
ee ee rae
ene
ceErERENENAM AcE Renae! --> TeNKNEY
aan |) ARMIN MOHLER
ie .. RIGISTRASCE 86
' BASEL (SCHWEIZ)
ss . a 4 SW Be las A)
‘PS. Mews sogesctfrew vel
§ Hygo Weber , Bitethava vue Letarer ond
) cler NeokfolgcschAcr eles BaviawS$es:
\ (ustitute of Design , 632 North Dears -
> Porn Street, chicago Ao / itlhiners,
» Seucler Ihnow peck etn J. = Dokrumcut
Ven mir. Selieken Sie thin olect wal
} olig Jugend=Nummer, €or denkt
aber nicht wie lo +) ;
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Mr. Karl Otto |
68-43 Burns Street
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i.~ ta. ff We Fa Bs
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we Ce — if G&G é 3 G
~" a eaiaomme
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a
PAO ee NE ER er eee
ARMIN MOHLER
BiGio ~= 86
EAs 3EL (SCHWEIZ)
Lieber Freund Paetel, Basel, 6.5.48.
wth.
Ihr Brief hat mich gefreut, wir haben ja
lange nicht mehr voneinander gehirt. Aber
bis Ende April muss meine Arbeit abgelie-
fert sein, zum mindesten im Rohbau - das
verunmo6glicht mir fast véllig Korrespondenz.
Ihre Briefe an Goverts und Rentsch
habe ich weiterbeférdert (Vaduz ist iibri-
gens die Hauptstadt der souverinen Nation
Liechtenstein und ware sehr beleidigt, zur
Schweiz gerechnet zu werden...).
Ein vom "Ruf" (Miinchen) bestellter
Aufsatz (habe noch keinen Bericht, ob sie
ihn bringen) gibt Ihnen Material iber die
"Strahlungen" (iiber deren Rechte hier immer
noch nicht entschieden ist in der Schweiz).
"Goldene Muschel" und "Myrdun" sind
noch nicht erschienen; Sie werden héren,
sobald sie da sind.
Die 4 #xemplare meines F.G.Jiinger-
Aufsatzes aus der "Tat werden Sie erhalten
haben. 1 Exemplar wennmiglich an Elfriede
Krichler - der Zeitungsversand von hier nach
Berlin klappt noch nicht.
Mein Bericht iiber das Treffen mit EJ
und FGJ ist vertraulich: er darf weder ver-
wendet noch an irgendwen weitergegeben
werden.
Fiir heute muss ich schliessen. Vielen
Dank auch fiir die Februar-Nummer der DG, die
gestern kam - ich konnte erst fliichtig
hineinschauen,
Herzlich
For ame. Motter.
ogy
st
‘Lieber Freund Paetel,
Basel, 23.12048»
aif Ihr Buch bin ich sehr gespannt ~ indirekt
habe ich schon Kiniges dartber gehort. Etwa ein
Dutzend Bicher uber zJ sind in Arbeit oder bereits
geschrieben!}
Die Schweizer Vertretung der "Deutschen Gegen-
wart" kann ich leider nicht iibernehmen - aus
Griinden, die ich Ihnen bei Ihrer schweizerreise
auseinandersetzen werde und die Sie verstehen
werden. Schreiben kann ich das nicht. zudem bin
jeh wohl nicht mehr lange hier, da ich nach mei-
nem Examen (hoffe: Februar oder Marz) -voraus-
sichtlich die Schweiz verlassen werde.
Sehrieb ich Ihnen pereits, dass ich diesen Somme
langere Zeit in peutschland war? Naturlich in
Kirchhorst und UVeberlingen, aber auch bei Hiel-
scher, C.Schmitt, Hauer und anderen. Ks war
toll. _
- anpanesn Gonbsr narentctah Hessian
PO ee ee en
es a .
= we
Bing QM Motihy-
Basel 2 58 23.
Hoffentlich’ kénnen Sie gleichwohl in
die teure Schweiz kommen} Meine
Gre Frost !
‘fTelefonnummer:
r
apt yNe:
Lieber Freund Paetel, Basel, 19.35.49.
mein Examen ist angemeldet - darum nur kurz.
Mit gleicher Post kamen Ihr Brief undde Todes-
anzeige der Zeitschrift... Das zweite recht
unerfreulich, hingegen schén die Nachricht,
dass wir uns endlich kennenlernen werden. Mit
einem Vortrag hier ist leider nichts. Vor ein
paar Wochen suchte ich einen fiir Gerhard Nebel
zu organisieren, der doch schon einigermassen
bekannt ist - es gelang nicht, da hier das
Interesse fiir deutsche Dinge merklich nachge-
lassen hat. Ich konnte ihn tiberhaupt nur her-
bringen, weil ein Mazen zahlte (was bei Ihnen
eee:
cement
nicht méglich ist), und er sprach dann in priva-
tem Kreise in einem Wirtshauszimmer. Hier wisser
nur gwei drei Menschen, denen ich die Zeitschrif
zeigte, vou Ihrer Existenz.
ee ee eed
SIMU RUETRAG VON
ERNST JUNGER:
‘R ARM'N MCHLER
OR, ARM"! ix
BEIMO>..
WIMBER SS" RASSE 25
(14b) RAVENSSURG
FRZ. ZONE
Herrn
Karl 0. Paetel
68-43 Burns Street
Eorest Ht fb ds
Inte ¢ Sites Cusay
Liebe P
pi yr Freund Paetel, Ravensburg, °%,9s,.40.,
Ernst Jiinger hat die Copy Thres Thomas Yann-PBriefcren- e4 Ver
gniigen gelesen und dankt Thnen herzlich daftir, 3s wire 59
nicht publi} -
Rien’ Pryeas gemacht, sondern geht nur en Baedeker, Nese 5 |
: ehric von der Zeitschrift eine reine Ente ist. werden ip
° ja wissen, e ist, ; Si |
0) , ;
Ob von Ihrem Buch in der Schweiz eine Resnrerhuns o*schie |
; o 8 S32 8 y f seh ex
nen ist, weiss ich nicht. Der Evamenstrubel liess mir ‘cine Yeit
mehr fiir solche Sachen. Teh hoffe, nun hier bald wieder ? ¢ Be
Ueberblick +3 . y ae 13 bald wie = le
Fed Y 1 bekommaen. Voreret mugs ich mich in meine royrcett iin
steiLle einarterc oc.
Thnen noch “Nilv-.
Mein Buch kann ich fh mu oo
und ich nur 2wel Scamp lere Ges “enews ae Aes
nicht gedruckt ist Sie
zur Verfiiguns haben (der Rest musste auf der nu} ce: 3
in den niichsten “gqnaten
werden). Ich hoffe. 2b2r, dass es
gedruckt wird. ee cman odskl
Thren Brief aus Deutschland hap jeh damals leide cht
pekommen.
Herzlich griisst Sie
DR. A
RMIN MOHLER
OSMANN .
WERRIERGSTRASSE 25 < — mene Arelresse.
(14 b) RAVENSBURG Wwelue uiht+ 66 EJ.
FRZ.
_—— ee Ee eee
f
Herrn
Karl 0. Paetel
68-43 Burns Street
Forest Hills Isle / We¥sC.
U.S.A.
Lieber Freund Paetel, Revensburg, 25.11.49.
Ihren Brief vom 17.12. he) ich trotz des mit Luftpost vorausgesandte
Stoppers Urnst Jiinger gezeigt, da er wissen muss, welche ‘irkungen
es haben kann, wenn er einen Sekretir beschiftigt. Ich weiss nicht,
ob Ihnen klar ist, wieviel Zeit bei EJ ans Briefeschreiben draufgeht
Jedenfalls hitten in dieser Zeit mehrere Jiicher geschrieben wercen
konnen, und auf die koumt es schliesslich an. Ich bin darum als
Sekretir angestellt worden, damit EJ besser schnaufen kann und mehr
Zeit fiir seine eigentliche Arbeit hat. Dass ein Sekretir-hrief nicht
den gleichen ‘ert hat wie ein Originalbrief des Meisters - das ist
mir klar. Aber wenn Jiingers Freunde defitir kein Verstinenis haben
und noch andere als gekrinkte Leberwurst reggieren, so ist Jiingers
Versuch, der Brieffron zu entrinnen, natiirlich zum Scheitern
verurteilt.
Secundo ist zu segen, dass es keine "Ente" ist, wenn ich die MNechric
von der Zeitschrift als "Ente" bezeichnete. Gewiss, juristisch exakt
ist meine Ausdrucksweise nicht gewesen, aber ich hoffe, dass ich
Briefe »n so gute Bekannte wie Sie nicht vom Rechtsanwalt aufsetzen
lessen muss, damit keine Missvérstindnisse entstehen. Ich schreibe
von einer "Ente", weil die vom "Rheinischen Merkur" lancierte Nach-
richt in ihrem wesentlichen Teil, d.h. dem Teil, der Th... und alle
andere aufs Dach gejagt hat, niimlich der Mitarbeit und !‘itherausgebe:
schaft Carl Schmitts, eine reine Ente wer. Andererseits hatten Klett
und Nebel allerdings Zeitschriftenpline, die von Heidegger und Jiinge:
anfangs erwogen, beim Eintreffen Ihres Schreibens eber lingst abge-
lehnt worden waren.
So, jetzt hab ich meinen Kropf auch geleert, und damit sind wir
quitt! Ich fiirchte bloss, dass !}J in seinem Vorhaben, sich in dem
um ihn herum eutfesselten Betrieb etwas mehr freie Zeit fiir konzen-
triertes Schaffen zu erkimpfen, nicht gerade bestirkt wird.
In dem Wirbel von Eifersiichteleien, der sich in dem sogenannten
"Jiinger-Kreis" entfaltet, komme ich mir manchmal eher wie Irrenwirte:
als wie ein Sekretir vor. Jeder spielt Johannes und méchte nkher dem
Busen des Herrn sein. Und wenn nicht alles so klappt, wie er es
erhofft, ist der Sekwetiir der Bésewicht. Gerade hatte ich mit Gerhart
Nebel eine solche Geschichte. Das erklirt Ihnen wohl die gewisse
Gereiztheit meines Briefes.
Damit will ich aber nun - froh iiber Ihren Vorschleag - die ganze
Geschichte begraben, Man muss sich ja heute schliesslich schon fiber
genug anderes drgern. ‘“ieshalb sollen sich euch die Freunde noch das
Leben sauer machen?lee
Also, in alter Freundschaft bin ich
Thr
.
Creme Motte
=
}—} $75 ————
AOS GHP1TS
Dr.Armin Mohler
Bourg-La-Reine (Seine)
25 rue du Panorama
Herrn
Max Wehling
Am Landpflegeheim 13
( 24a )Hamburg — Osdonf
Sehr geehrter Herr Wehling, 2.8.55
eben erhalte ich die Kritik der " Schleife " S sspuistlichaslels, ft
Sie im "Weser-Kurier" vom 30.7. unter dem Titel "Die Sicilia
und der Mohr" verdffentlicht haben. Da ich gleaned Buch nicht
im Hinblick auf géne persdnlich-privaten Dinge zusammenge-
stellt habe,auf die Sie die Biskussion leiten,kann ich —
& en n 1 Ai w tt st criss an,evt
Recht, Ihren Freund Paetel zu verteldal
fertigerweise angegriffen glauben.
Hingegen lege ich Wert darauf,den Irrtum zu korrigieren, dass
es sich bei der von Ihnen herausgegriffenen Stelle um eine
Verdammung Paetels sozusagen ex cathedri Jiingeri handle.
(Und ich bitte,dies an Paetel weiterzuleiten.)Nicht nur isk
habe ich dieses Buch auf eigene Verantwortung zusammengestellt.
Sondern Jiinger hat mich sogar ersucht,als er von meinem Plan
einer " kritischen Bibliographie" norte,mein Urteil jiber
Paetels Bibliographie aus der "Frankfurter Zeitung"
Ich musste Jiinger- antworten,dass ich eine solche
nicht
zu wiederholen.
kritische Bibliographie nicht durch Gefdlligkeits«Urteile ver-
wissern konne.
Mit besten Griissen
(gez) Armin Mohler
7
Karl O. Paetel
68-49 Burns Street
Forest Hills, NYC 11375, USA
Tel.: BO 5 - 2855
Archiv ,,Deutsche Gegenwart‘
aes Dr. Armin Mohler
ein rundbrief fiir freunde ° :
erscheint wenn es sich ergibt 8 Muenchen 22, Li ebigstrasse 3
Sehr geehrter Dr. Mohler ,
Es ist lange Zeit her, dass wir freundliche Briefe miteinander wechselten.
Danach haben wir uns, scheint es,nolitisch die Zeit kommentierend, so
stank ‘ auseinander entwickelt ' , dass Communciation weitgehend nur noch
in der Form von Polemik moeglich erscheint.
Ich moechte Sie bitten, das fuer einen Augenbliek zu vergessen
Was ich Sie heute bitten moechte, ist, mir und dem Kreis der ' Gespraechs—
fetzen ' , in dem sich ja afich einmal ein ausfuehrlicher reprint eines
Ihrer konservativen statemants befAND * EINE FYPEPTISE ueber eine Schrift
zu geben — objektiv und indidividuell zur gelichen Zwit -— umwsr eine
Schtift betreffend, die sich mit einer Teilfrage der ' Konservativen
Revolution ' beschaeftigt.
Tch meine die im August 1971 In der den 'Jungnationalisten ' der BR PD
als theorethische Zeitschfift zir Verfuengung stehénden Reihe ' “Sorespgeses
Forum * erschienen Abhandlung Von Axel Malde ™ Zur Geschichte der national—
revolutionaeren Bewegung in Deutschland ™,
Ich moechte meine, gelinde gesagt, mehr als Ske;tische Reaktion auf die
Arbeit zurueckhalten, um einer eventuellen Grundsagz- Diskussion ueber
aus dem Aermel geschuttelten Historienschreibung nicht vorzugreifen.
Wenn irgendjemans, Dr. Mohler, duerften ste befugt und vielleicht *‘gerufen'
sein, sich hier zu aeussern.
Ich bitte Sie darum, ohne polemische Hintergedan ken und garantiere Ihnen,
dass wissentlich kein Komma in Ihrer Antwort verrueckt word, ob Sie kuerzer
oder laenger sich aeussern ( ? enggeschriebene Schteibmaschinensei ten
sollten aus Raumgruenden nicht ueberschritten werden )
Ich hoffe, dass sich bei dieser Gelegenheit eine Chance ergibt, abgebrochene
Kontakte in gewisser Hinsicht xu normalisieren.
Ihnen im voraus dankend mit kollegialem Grass
Ihr Karl 0, Paetel
PS. Ich bitte um Entschuldigunh fuer die Tippfehler : nach zwei Augenopera—
tionen bin ich im Schreiben noch etwas unsicher,
USA-Korrespondent der ,,Niirnberger Nachrichten‘ und der ,,Furche‘, Wien, Mitarbeiter deutscher Rundfunkstationen und
Zeitschriften. Mitglied: The International P.E.N. Club, Zentrum Deutscher Autoren im Ausland. Internationaler Schutzver-
band deutschsprachiger Schriftsteller, Sitz Ziirich. The Foreign Press Association, New York, akkreditiert bei bundesdeutschen
‘ Yah!
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qr WO 2 Muenchen 22, Lied1l ee
Bras, ae em none nee-
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USA-Korrespondent der ,,Niirnberger Nachrichten‘‘ und der »Furche*, Wien. Mitarbeiter deutsch
Zeitschriften. Mitglied: The International P.E. N. Club, Zentrum Deutscher Autoren im Aus]
band deutschsprachiger Schriftsteller, Sitz Ziirich. The Foreign Press Association, New York
wie amerikanischen Amtsstellen.
: Nach ywei Augenopera-~
er Rundfunkstationen und
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» akkreditiert bej bundesdeutschen
DR. ARMIN MOHLER
8000 MONCHEN 22
Liebigstrasse 3
Telefon 222883
Herrn
Karl 0. Paetel
68-49 Burns Street
Forest Hills, NYC 11 375
Ue-SeAe
Sehr geehrter Herr Pastel, 1. Oktober 1972,
besten Dank fiir Ihren Brief vom September, in dem Sie mich auffordern,
in Ihren GESPRACHSFETZEN das JUNGES FORUM=Heft ZUR GESCHICHTE DER
NATIONALREVOLUTIONAREN BEWEGUNG von Axel Malde kritisch zu -besprechen.
Unsere friheren Streitigkeiten halte ich nicht fiir wichtig, und ich vere
gesse sie gerne. Aber zwe@erlei halt mich davon ab, in Ihrer Zeitschrift
zu schreiben, Zundchst einmal fiihle ich mich noch nicht alt genug, um
mich in die diese Hefte durchwehende Veteranen=Sentimentalitat einzu-
schwingene Nun, das ist noch eine Stilfragee Was ich Ihnen aber nicht
verzeihe, ist die Art, wie Sie HARTWIG SINGER behandelt habene Jemanden
einladen und ihn bei der Gelegenheit denunziereng - das ist sin Verstoss
gegen dis elementarsten Regeln der Ehree Und ich bin so reaktiondr und
unzeitgemass, solche Regeln noch zu achtene
Sie haben mich gefragt — ich habe Ihnen geantwortet,
Fir Ihre Gesundheit witnscht Ihnen alles Gute
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DR. ARMIN MOHLER
8000 MONCHEN 22
Liebigstrasse 3
Telefon 222883
Herrn
Karl 0. Paetel
68-49 Burns Street
Forest Hills, NYC 11 375
Ue So Ac
Sehr geehrter Herr Paetel, 1. Oktober 1972.
besten Dank fiir Ihren Brief vom September, in dem Sie mich auffordern,
in Ihren GESPRACHSFETZEN das JUNGES FORUM-Heft ZUR GESCHICHTE DER
NATIONALREVOLUTIONAREN BEWEGUNG von Axel Malde kritisch zu besprechen.
Unsere friiheren Streitigkeiten halte ich nicht fiir wichtig, und ich vere
gesse sie gerne. Aber zwe@erlei halt mich davon ab, in Ihrer Zeitschrift
zu schreiben. Zundchst einmal fiihle ich mich noch nicht alt genug, um
mich in die diese Hefte durchwehende Veteranen=Sentimentalitaét einzu-
schwingen. Nun, das ist noch eine Stilfrage. Was ich Ihnen aber nicht
verzeihe, ist die Art, wie Sie HARTWIG SINGER behandelt haben. Jemanden
einladen und ihn bei der Gelegenheit denunzieren - das ist ein Verstoss
gegen die elementarsten Regeln der Ehree Und ich bin so reaktiondr und
unzeitgemass, solche Regeln noch zu achtene
Sie haben mich gefragt — ich habe Ihnen geantwortet,.
Fiir Ihre Gesundheit wiinscht Ihnen alles Gute
Ihr
Om Awiter
Beg FINGER EASE Mt EB TAREE GA TI os Benak SP at «ae e ee SS | epee
Karl O. Paetel
68-49 Burns Street
Forest Hills, NYC 11375, USA
Tel.: BO 3 - 2855
Archiv ,,Deutsche Gegenwart‘
is Som :
geopriohifotnen Dr. Armin Mohler
ein rundbrief fiir freunde :
erscheint wenn es sich ergibt 8 Muenchen Pas Liebigs trasse 3
Sehr geehrter Dr. Mohler ,
Es ist lange Zeit her, dass wir freundliche Briefe miteinander wechselten.
Danach haben wir uns, scheint es,nolitisch die Zeit kommentierend, so
stazk ' auseinander entwickelt ' , dass Communciation weitgehend nur noch
in der Form von Polemik moeglich erscheint.
Ich moechte Sie bitten, das fuer einen Augenbliek zu vergessen
Was ich Sie heute bitten moechte, ist, mir und dem Kreis der ' Gespraechs-
fetzen ' , in dem sich ja afjich einmal ein ausfuehrlicher reprint eines
Ihrer konservativen statemants befAND * EINE EXPERTISE ueber eine Schrift
zu geben - objektiv und indidividuell zur gelichen Zeit - meer eine
Schtift betreffend, die sich mit einer Teilfrage der ' Konservativen
Revolution ' beschaeftigt. )
Ich meine die im August 1971 In der den 'Jungnationalisten ' der BR D
als theorethische Zeitschfift zir Verfuengune stehénden Heihe ' Junges
Forum ' erschienen Abhandlung Von Axel Malde ™ Zur Geschichte der national-
revolutionaeren Bewegung in Deutschland ™.
Ich moechte meine, gelinde gesagt, mehr als Ske;tische Reaktion auf die
Arbeit zurueckhalten, um einer eventuellen Grundsagz- Viskussion ueber
aus dem Aermel geschuttelten Historienschreibung nicht vorzugreifen.
Wenn irgendjemans, Dr. Mohler, duerften ste befuegt und vielleicht 'gerufen'
sein, sich hier zu aeussern.
Ich bitte Sie darum, ohne polemische Hintergedan ken und garantiere Ihnen,
dass wissentlich kein Komma in Ihrer Antwort verrueckt word, ob Sie kuerzer
oder laenger sich aeussern ( ? enggeschriebene Schteibmaschinenseiten
sollten aus Raumgruerden nicht ueberschritten werden )
Ich hoffe, dass sich bei dieser Gelegenheit eine Chance ergibt, abgebrochene
Kontakte in gewisser Hinsicht xu normalisieren.
Ihnen im voraus dankend mit kollegialem Gruss
Ihr Karl 0. Paetel
PS. Ich bitte um Entschuldigunh fuer die Tippfehler : nach xwei Augenopera—
tionen bin ich im Schreiben noch etwas unsicher.
USA-Korrespondent der ,,Niirnberger Nachrichten“ und der ,,Furche“‘, Wien. Mitarbeiter deutscher Rundfunkstationen und
Zeitschriften. Mitglied: The International P.E.N.Club, Zentrum Deutscher Autoren im Ausland. Internationaler Schutzver-
band deutschsprachiger Schriftsteller, Sitz Ziirich. The Foreign Press Association, New York, akkreditiert bei bundesdeutschen
wie amerikanischen Amtsstellen.
eMIN MOHLER
a hone
GIS LITA - 86
ca f. SCHWEIZ)
Lieber Freund Paetel, Basel, 6.5.48.
Ihr Brief hat mich gefreut, wir haben ja
lange nicht mehr voneinander gehért. Aber
bis Ende April muss meine Arbeit abgelie-
fert sein, zum mindesten im Rohbau = das
verunméglicht mir fast vébllig Korrespondenz,
Thre Briefe an Goverts und Rentsch
habe ich weiterbefirdert (Vaduz ist iibri-
gens die Hauptstadt der souverdinen Nation
Liechtenstein und wire sehr beleidigt, zur
Schweiz gerechnet zu werden...). |
Ein vom "Ruf (Miinchen) bestellter
Aufsatz (habe noch keinen Bericht, ob sie
ihn bringen) gibt Ihnen Material iiber die
"Strahlungen" (tiber deren Rechte hier immer
noch nicht entschieden ist in der Schweiz).
"Goldene Muschel"” und "Myrdun" sind
noch nicht erschienen; Sie werden hoéren,
sobald sie da sind,
Die 4 Kxemplare meines F.G,Jiinger-
Aufsatzes aus der "Tat" werden Sie erhalten
haben. 1 Exemplar wennméglich an Elfriede
Krichler - der Zeitungsversand von hier nach
Berlin klappt noch nicht.
Mein Bericht tiber das Treffen mit EJ
und FGJ ist vertraulich: er darf weder ver-
wendet noch an irgendwen weitergegeben
werden.
Fiir heute muss ich schliessen. Vielen
Dank auch fiir die Februar-Nummer der DG, die
gestern kam - ich konnte erst fliichtig
hineinschauen,
Herzlich
Wr Orn. Motler.
Armin Mohler,
Rigistrasse 86, Basel (Schweiz).
Herr ;
eer Ce PS a-@ te
68-43 Burns Street,
Fovest Hillis, Lets f/f MetuGs (UsS.4.)
Lieber Freund Paetel, Basel ,29.8.47.
Sie erhalten hier 5 Separata eines rein
informativen Aufsatzes iiber Jiinger.
J. hat schon lange die Publikation eines
Aufsatzes angeregt, der die zu wenig
bekannten (oder ignorierten) Fakten
bringt. Kénnten Sie die Exemplare nach
Ihrem Gutdiinken verwenden, deh. dort
verwenden, wo sie helfen kinnen? Und
koénnten Sie eines davon an Elfriede
' Krichler senden? Leider habe ich keinen
Weg, direkt an sie zu gelangen.
Ich danke Ihnen auch fiir die
Vermittlung der Bekanntschaft mit
Dr. ReSchwarz. Schade, dass er so weit
weg ist. Persénlicher Kontakt ware mit
einem mir total unbekannten (Sie kannte
ich ja wenigstens literarisch) Menschen
ist besser als ein briefliches Sich-
kennenlernen-Suchen,. Aber ich werde mich
e@inmal an ihn wenden. Hoffentlich kénnen
wir uns einmal an einem n&heren Orte
treffen.
Frangois Bondy hat leider bis jetzt
die Besprechung doch nicht gebracht.
Vielleicht, weil im "Buch" bereits eine
erschienen? Ich mag ihn nicht wieder
danach fragen und mahnen. Stehen Sie
nicht mehr in Verbindung mit ihm?
Ja, Ihren letzten langeren Brief
(vom 4.6.47.) habe ich erhalten; vielen
Dank! Ich antwortete bisher nicht, weil