"Als ich Albert Einstein malte", 1955 May 9

Online content

Fullscreen
June 14, 1960

Dear Dr, Reissner:

At tong last I am sending you enclosed a photo copy

of my portrait of Albert Einstein and a short article
with seme of my recollections of my encounter with
Einstein, TI hope you can use it for your "Festschrift",

I am sorry for the delay but I have been busy with
a portrait up to now, }

With kindest regards,

Yours sincerelys

Eugene. Spiro

‘American Federation of Jews from Central Europe, Inc.

1241 BROADWAY, NEW YORK 1, N. Y. ® Phone MUrray Hill 5-5900 Cables: Amfedera, New York

NATHAN STEIN
Honorary President

MAX GRUENEWALD
President

RUDOLF CALLMANN
Chairman of the Board

KURT ALEXANDER
Vice President

HERMANN E, SIMON
Vice President

HERMAN MULLER
Exec. Vice President

EXECUTIVE COMMITTEE

LUDWIG ARON

RICHARD J, AUERBACH
Asst. Treasurer

RABBI LEO BAERWALD

FREDERICK H. BRUNNER

HUGO EMMERICH

KURT M. FLEISCHHACKER

MANFRED GEORGE

KURT H. GRUNEBAUM
Treasurer

RABBI HUGO HAHN

ROBERT O. HELD

FRITZ KAUFMANN

MAX KREUTZBERGER

LEOPOLD LANDENBERGER

LUDWIG LOWENSTEIN
Asst. Treasurer

HANS J. MEYER

ALFRED PRAGER
Secretary

H. G. REISSNER

Chairman of Finance Committee
Dr. FRITZ S. SCHLEGER

FRED S. WEISSMAN

5/24/60

Dear Professor Spiro:

I suppose that you remember having met me on a number of occasions

at the home of the late Dr.Bieber.

I am writing you today in a temporary capacity as Chairman of a
G@mmittee in charge of editing a "Festschrift" which is to ap-
pear in connection with the 20th anniversary of our Federation
next October. Apart from the conventional organizational reports
we are anxious to contribute articles and illustrations which
throw a significant light on our joint and several experiences
while in transition from an old country to a new one.

We would feel honored and grateful if we could also count on
you on this occasion. Just as a thought of what I could visual-
ize: perhaps you could place at our disposal a photo of Albert
Einstein's portrait with some recollections of yours relating
to this particular work of yours.

But this is only meant to indicate in what direction our inter-
est goes. If you prefer another subject matter, or if you are
willing to put down something on a broader basis of reference,

we would be delighted.

If you care to talk the matter over,rather than to write, you
can reach me during office hours at WH 4 - 3282 (Bank Leumi
Le-Israel) or in the evening at home (43-18 168 St. ,Flushing,58,

N.Y.) at FL 8 - 4053.

Looking forward to hearing from you at your convenience,and with

kind regards, I remain,
Sincerely yours,

Hf, 4. Nuanner

(Dr.H.G.Reissner )

Eugene Spiro
15 West 67th Street
New York 23, N.Y,

ALS ICH ALBERT EINSTEIN. MALTE

Vor ca,35 Jahren lernte ich Einstein in Berlin im Rahmen eines
geselischaftlichen Abends kennen, Es ist becreiflich, dass dieser
damals nur angegraute Kopf mich lebhaft interessierte, Im Laufe der
Unterhaltung wagte ich es ihn zu frageny ob er mir sitzen wuerde,

Ich hatte damals schon einige bedeutende Maenner wie Plank, Harnacksy
Haber, Ehrlich und andere portraitiert, und ich waere so gluecklich
gewesen auch diesen bedeutenden Mann festhalten zu duerfen, Was aber
antwortete Finstcin auf meine Bitte ? "Thnen sitze ich nicht, Sie
haben's ja gar nicht noetig, Sie sind ein sehr bekannter Portrait- 4
maler und brauchén mein Bild nicht mehr fuer Thren Ruhm, Ich sitze |
nur armen unbekannten Malerny iis slash mit ihrem Bilde von mir
sich einen Namen machen zu koennen, Sie haben's ja nicht noetig,"

- Und dabei blieb es,

Viele Jahre spaeter, als ichsy vor Hitler fliechend, ueber Paris
und Spanien endlich im Jahre 1941 in New York landete, schien ich
mir im Sinne Einstein's reif,y ihn malen zu duerfen, Denn in New

York war ich ein unbekannter Maler, Ich schrieb ihm nach Princeton,

dass ich nun in New York ein neves Leben aufbauen muss, Ich erinnerte
ihn an unsere damalige Unterhaltung und dass ich'a nun noetig haette,,.,
Ich bekam postwendend eine Antwort: 'Kommen Sie nach Princeton, ich
sitze Ihnen,"

Es war im Oktober 1941 als ich in seinem Studio in Princeton mit

meinem Handwérkszeug ankam, Er empfing mich herzlich wie einen alten

~Q—

s

"guten Freund und bat mich nur, ihn beim "Sitzen" an seiner dringenden

Arbeit weiter arbeiten zu lassen, Bas war mir hoechst willkommen, da
ich mich so vocllig auf meine Taetigkeit konzentriecren konnte, ohne
mich mit dun Modell unterhalten zu muessen, Er sass hinter seinem
Schreibtisch in einem voten Sweater, der Kopf, von seinen weisgsen
strubbligen Haaren gzekroent, in tiefem Nachdenken, dabei fortwaehrend
Pfeife rauchend, auf seinem Schosse ein Schreibblock, auf dem seine
rechte Hand ab und zu eine Zahl oder Formel niederschrieb, Selten
unterbrach er seine Arbeit, um mir irgendetwas freundliches zu sagen,
Einmal sprach er von seinen Jahren, als er in der Schweiz lebte, Er
haette einmal im Zuge auf dem Were nach Bern gesessen, Auf einer
Station stieg ein junger Mann ein, setzte sich ihm vis-a-vis, und er
sah, wie der Juengling ihn zeichnete, Finstein tat aber ahnungslos, —
Nach einiger Zeit, fuehlte Finsteing wie cer junge Xuenstler ihn an-
reden moechte und schliessiich hoerte er ibn sagen: "Verzeihen Sie,
Sie haben einen so interessanten Kopf, Puerfte ich fragen, was Thr
Beruf ist ?" Und Einstein antwortete: "Modell,"

Waehrend einer anderen Sitzung waren wir nicht allein, In seiner
Gesellschaft war ein junger Gelehrters, dessen Namen ich leider ver-
gessen habe, Beide sprachen fortwaehrend ueber mathematische Formeln,
die der Juengere auf die schwarze Tafel niederschrieb, Diese Formeln
wurden entwickelt und gum Schluss strahlten beide, Als wir wieder
allein wareny sagte Finstein,g der junge Mann waere sein Schueler und
So ungeheuer begabts dass er in Amerika bald eine grosse Stellung ein-
nehmen wuerde, Im uebrigen haetten sie beide die Loesung zu etwas ge~
fundens dass ein ausserordentliches Ereignis fuer die ganze Velt be-

deuten wueride,

aS

Als er mein Bild betrachtetey schien er sehr befriedigt, doch sagte _
er, fast drohend: "Sie duerfen unter keinen Umstaenden deutlich macheny :
was ich hier auf das Papier schreibe," Es wary wie gesagt, Oktober 1941
und durch die kommenden Ereicnisse wurde mir spaeter lar, dass er sich
damals mit atomischen Energie-Berechnungen beschaeftigt hatte,

Als ich das Bild abgeschlossen hatte, sagte er mir: "Passen Sie aufy
das Bild sauft sicherlich mal ein reicher Kaufmann !" Ich war ueber diese
Aeusserung sehr erstaunt, Denn nach meiner Vorstellung glaubte und hoffte
ich, dass das Pild in einer Universitaet oder in einem wissenschaftlichen
Institut oder vielleicht in einem Museum landen wuerde, An den Privatmann
habe ich niemals gedacht, Ich hatte das Bild fuer fuenf Jahre teils in
Ausstellungensy teils in meinem Atelier, ines Tages kam ein wohlhabender
Amerikaner in mein Studio, sah das bild und wollte es unbedingt besitzen,
Es haengt nun in der Tat in seiner Privatbibliothek und “instein hatte
merkwuerdigerweise recht behalten,

Eines Tages bat mich der Besitzer des Dildes sehr») Einstein zu ver-
anlassen, seine Meinung ueber das Bild auszusprechen, ts war mir in keiner
Weise angenehm, Einstein des¥ecen belaestigen zu muesgen, Saniteuedton
aber teilte ich ihm den Verkauf des Pildes mit und bat ihn, auf einer —
beigelegten Photographie des Fildes seine Ansicht darueber aufeusches tas:
Nach wenigen Tagen erhielt ich die Photo zurueck, Er hatte darauf ge-
schrieben:

das Bild ist ausgezeichnet, Es drueckt naemlich ueberzeugend den
seelischen Zustand aus: ‘Ich weiss nicht, was ich schreiben soll', und

gerade dies bewaehrt sich in diesem Augenblick, Kk, inateta

1946,"

Vor circa 30 Jahren lernte ich Hinstein in Berlin im
Rahmen eines geselischaftlichen Abends kennen. Ks ist be-
greiflich, dass dieser damais nur angegraute Sopf mich ieb=-

haft interessierte. im Laufe der Unterhaltung wagte ich eS, ihn
gu fragen, ob er mir sitzen wirde. ich hatte damals schon ein-

ige bedeutende Minner wie Plank, Haruac«, Laver, Ehrlich und
andere portraitiert, und ich ware so giiicklich gewesen auch
diesen bedeutenden iiann fes thalten gu diirfen. Has aber ante
wortete Einstein auf meine bitte? “Lhmern satzge ich nicht. Sie
haben's ja gar nicht nétig, Sie sind ein sehr bekannter Por=
traitmaler und brauchen mein Bild nicht mehr fiir Ihren Rubme
Ich sitze nur armen unbekannten Walern, die glauben wit ihrem
Silde von mir sich einen Namen machen zu kiénnen. Sie haben's
ja nicht notig."+- Und dabei blieb es.
Viele Jahre spater, als ich, vor Hitler fliiehend,iiber

Paris und Spanien endlich im Jahre 1941 in New York landete,
Schien ich mir im Sinne Einstein's reif, ihn malen zu diirfen.

Denn in New York war ich ein unbekannter Maler. ich schrieb ihm
nack Princeton, dass ich nun in New York ein neves Leben aufbauen

en muss. lich erinnerte ihn an unsere damalige Unterhaltung
und dass ich*s nun nitig hiitte «+. ich bekam postwenden cine
Antwort : “Kommen Sie nach frinceton, ich sitze lhne.*

bs war im October 1941 ais ich in seinem Studio in Prince-

ton mit meinem Handwerksgeug ankam. Er empfing mich herglich |

wie einen alten guten Freund und bat mich nur, ihn beim "Sitz-

en" an seiner dringenden Arbeit weiter apbeiten zu lassen.

4

ch mit rae liodell unterhalten

2a mlissen. iy sass hinter seinem Schreibtisch in einem roten = oe
"Sweater, dex Kopf, von stinen weissen strubbligen Haaren ge- Ss
krént, in tiefem Nachdenken, dabei fortwihrend +:feife rauch-
end, auf seinem Schosse ein Schreibblock, auf dem seine rechte od

Hand ab und zu eine Zahl oder Formel niederschricb, Seiten

- unterbrach er seine Arbeit, wn mir irgendetwas freundliches

gu sagen. SEinmal sprach er von seinen Jahren, ais @r in der

Schweiz iebte, Er haette einmal im Zuge auf cem Wege nach

Bern gesessen. Auf einer Station stieg e n junger Mann ein,

setzte sich ihm vis-a-vis, und er sah, wie der duengling ihn

geichnete. Sinstein tat aber ahnungslos. Nach einiger Zeit

fuehite Hinstein, wie der junge Kuenstier inn anreden mochte

und schliesslich horte er ihn sagen: “Verzeihen Sie, Sie haben
einen so interessanten Kopf. Duerfte ich fragen, was ihr

Beruf ist?" Und Binstein antwortete: “Modell.*

Wahrend einer anderen Sitzung waren wir nicht alleing
In seiner Gesellschaft war ein junger Gelehrter, dessen Namen
ich leider vergessen habe. Beide sprachen fortwaéhrend ueber
mathematische Formeln, die der diimgere auf die schwarze Tafel
niederschrieb. Diese Forseln wurden entwickelt und zum
| | wiel ee
Sehluss strahlten beide. Als wir faliein waren, sagte Bin-
"2 stein, der junge Mann waere sein Schiiler und so ungeheuer be=-
a: gabt, dass er in Amerika bald eine grosse Steliung einnehmen
: wires Im uebrigen haetten sie beide die Loesung zu etwas ge-

‘funden, das ein ausserordentliches Ereinnis fuer die ganze Welt

‘bedeuten wiirde.

doch sagte er, fast drohends "Sie diirfen unter keinen Um—- © ae
stiinden deutlich machen, was ich hier auf das Papier schreibe." . a8
Es war, wie gesagt, Oktober 1941 und durch die kommenden br~ = = oe
eignisse wurde nix ae dass er sich damals mit atomischen ) :
Energie-berechnungen beschaftigt hatte. i =e

Kaufmann!" ich war uber diese Aeusserung sehr erstaunt. :
Denn nach meiner Vorsteilung glaubte und hoffte ich, dass das | =
Bild in einer Universitaet oder in einem wissenscnuaftiicnen | 2
institut oder wislieieht in cinem Museum landen wiirde. Am den
Privatmamn habe ich niemals gedacht.e ich hatte das Bild fur :
fiin? Jahre teils in Ausstellungen, teils in meinem Atelier. -
Eines Tages kam ein wohlhabender Amerikaner in mein Studio, | SS
sah das Bild und wollte esunbedingt besitzen. ks hiangt nun —
‘ain der Tat in seiner Privatbibliothek und instein hatte ;
merkwiirdigerweise recht behaiten. :
'EBimes Tages bat mich der besitzer des bildes sehr, Lin- ) —
stein zu veranlassen, seine Meinung dariiber ausgusprechen. -
Es .ar mir in keiner Weise angenehm, Hinstecin deswegen be- 4

-Photographie-daton seine Ansicht aufzuschreiben. <“y<sehriebs

-3- sen
Als ar mein Bild betrachtete, schien er sehr befriedigt,

Als ich das bild abgeschliossen hatte, Sagte er mir:
"Passen Sie auf, das Bild kauft sicherlich mal ein reicher ~ a ae

*.

listigen gu miissem. Schliesslich aber teilte ich ihm den

Verkaui des Bildes mit und bat ihm, auf e.ner beigelegtien ey
ees (2 Cled Lar <feor

"Das sild ist ausgezeichnet. Es driickt naémlich tiber-

geugend den seelischen Zustand aus: ‘ich weiss nicht,

was ich schreiben soll",und gerade dies bewahrheitet

sich in diesem Augenblick.
A. Linstein,

1946."

Bevor

Ral

stehende Hochzeit im Hause Bernadotte

Vor drei Jahren lernte Folke Bernadotte, der alteste Sohn
des seinerzeit in Palastina ermordeten Grafen Bernadotte,
auf einem Studentenball Christina Maria Glahns, die einzige
Tochter eines Konditorenehepaares aus Ludvika, kennen. Es
war Liebe auf den ersten Blick zwischen dem angehenden
Arzt und der kiinftigen Krankenschwester. Nachdem im
November 1953 mit dem Einverstandnis von Grafin Estelle
Bernadotte die Verlobung offentlich bekanntgegeben wor-
den war, soll nun am 2, Juli die Hochzeit stattfinden, und
Christina wird dann eine Groffcousine des K6nigs von
Schweden, Gustaf VI, Adolf. Unsere Aufnahme zeigt das
gliickliche Brautpaar in der Kirche, rechts aufen erkennt
man die Mutter des Brautigams, Grafin Estelle Bernadotte.

‘ Alsich “%
Albert Einstein malte

Eugene Spiro erzahit, wie
ihm der grofe Gelehrte half

3 I , Sig: -
y 7 ad eee ot ee
Gi Or, —

Churchill schenkt einem Schweizer ein Bild

Sir Winston Churchill hat dieser Tage eines seiner in den letzten
Jahren entstandenen Gemalde, betitelt «Briicke in Aix-en-Pro-
vence>, seinem langjahrigen Farbenlieferanten Willy Sax in Ur-
dorf (Ziirich) zum Geschenk gemacht. Unsere Aufnahme zeigt den

liicklichen Besitzer (rechts) in Gesellschaft von Sir Winston und

uno Amiet in der Villa La Capponcina bei Monte Carlo. Amiet
malte dem Gastgeber eine Partie aus dem angrenzenden Garten.

4 =" —_ a

fast drohend: «Sie diirfen unter keinen

in einem wissenschaftlichen Institut

Sie betrachtet die Biiste ihres Vater

Zehn Jahre nach der Befreiung Danemarks wurde in An-
wesenheit von Mrs, Duncan Sandys im «Liberty College»
bei Kopenhagen in feierlicher Zeremonie eine Biiste Sir
Winstons eingeweiht. Sie ist das Werk des jugoslawischen
Kiinstlers Nenon (mit Bart) und ein Ausdruck der Dankbar-
keit fiir Churchills Bemiihen um die Befreiung Danemarks.

Bildes, Einsteins Meinung tiber das

Umstanden deutlich machen, was ich
hier auf das Papier schreibe.» Es war,
wie gesagt, im Oktober 1941. Spater
wurde mir klar, da8 er sich damals mit
atomischen Energie-Berechnungen be-
schaftigt hatte,

Als ich das Bild fertig hatte, sagte er
mir: <«Passen Sie auf, das Bild kauft
sicher einmal ein reicher Kaufmann!»
Ich war tiber diese AeuSerung sehr er-
staunt, denn ich hegte die Hoffnung,
da das Bild in einer Universitat oder

hee
. 3 “a
. . . . -
. i “agllt
" a “ . #

oder in einem Museum landen wiirde.
An einenPrivatmann hatte ich niemals
gedacht. Ich zeigte das Bild wahrend
fiinf Jahren teils auf Ausstellungen,
teils in meinem Atelier. Eines Tages
kam ein reicher Amerikaner in mein
Studio, sah das Bild und wollte es un-
bedingt kaufen. Es hingt nun in der
Tat in seiner Privatbibliothek, und
Einstein hatte merkwiirdigerweise
recht behalten,

Eines Tages bat mich der Besitzer des

Portrait einzuholen. Es war mir héchst
peinlich, Einstein deswegen belastigen
zu miussen, SchlieBlich aber teilte ich
ihm den Verkauf des Bildes mit und
bat ihn, auf einer beigelegten Photo-
graphie seine Ansicht niederzuschrei-
ben. Er schrieb:
«Das Bild ist ausgezeichnet, Es driickt
nimlich iiberzeugend den seelischen
Zustand aus: ,Ich wei nicht,was ich
schreiben soll’, und gerade dies be-
wahrheitet sich in diesem Augenblick.
A, Einstein, 1946.»

,
Is ¥ 3 Mae -
m :
4 § ; md : . _~
: 2 x
a —_-

Vor zirka 30 Jahren lernte
ich Albert Einstein in Ber-
lin im Rahmen eines gesell-
schaftlichen Abends ken-
nen. Es ist begreiflich, da®
dieser damals nur ange-
graute Kopf mich lebhaft
interessierte, Im Laufe der
Unterhaltung wagte ich es,
ihn zu fragen, ob er mir
sitzen wiirde. Ich hatte da-
mals schon einige bedeu-
tende Manner wie Plank,
Harnack, Haber, Ehrlich
und andere portraitiert,
und ich wire so gliicklich
gewesen, auch diesen be-
deutenden Mann festhal-
ten zu diirfen. Was aber
antwortete Einstein auf
meine Bitte? «Ihnen sitze
ich nicht, Sie haben’s ja gar nicht nodtig, Sie sind ein
sehr bekannter Portraitmaler und brauchen mein Bild
nicht mehr fiir Ihren Ruhm. Ich sitze nur armen, un-
bekannten Malern, die glauben, mit ihrem Bilde von
mir sich einen Namen machen zu konnen. Sie haben
es ja nicht nétig.» — Und dabei blieb es,

Viele Jahre spater, als ich, vor Hitler fliehend, iiber
Paris und Spanien endlich im Jahre 1941 in New York
landete, schien ich mir im Sinne Einsteins reif, ihn
malen zu diirfen. Denn in New York war ich ein un-
bekannter Maler. Ich schrieb ihm nach Princeton,
daf} ich nun in New York ein neues Leben aufbauen
musse. Ich erinnerte ihn an unsere damalige Unter-
haltung und daB ich es nun notig hatte... Ich bekam
umgehend eine Antwort: <Kommen Sie nach Prince-
ton, ich sitze Ihnen.»

Es war im Oktober 1941, als ich in seinem Studio in
Princeton mit meinem Handwerkzeug ankam. Er
empfing mich herzlich wie einen guten alten Freund
und bat mich nur, ihn beim <Sitzen» an seiner drin-
genden Arbeit weiter machen zu lassen, Das war mir
hochst willkommen, da ich mich so vollig auf meine
Tatigkeit konzentrieren konnte, ohne mich mit dem
Modell unterhalten zu miissen. Er sa hinter seinem
Schreibtisch in einem roten Sweater. Der Kopf, von
seinen weifen, strubbligen Haaren gekront, verriet
tiefes Nachdenken, Einstein rauchte fortwahrend
Pfeife und auf seinem SchoBe hatte er einen Schreib-
block, auf dem seine rechte Hand ab und zu eine Zah]
oder Formel niederschrieb. Selten unterbrach er seine
Arbeit, um mir irgendetwas Freundliches zu sagen.
Einmal sprach er von den Jahren, die er in der
Schweiz verbracht hatte, und erziahlte folgende Anek-
dote: Er saB einmal im Zug nach Bern. Auf einer
Station stieg ein junger Mann ein, setzte sich ihm
vis-a-vis, und er sah, wie der Jiingling ihn zeichnete.
Einstein tat véllig ahnungslos. Er fiihlte, daB der
Junge Mann ihn anreden wollte, und er hérte ihn
sagen: «Verzeihen Sie, Sie haben einen Charakter-
kopf. Diirfte ich fragen, was Ihr Beruf ist?» Und
Einstein antwortete: «Modell», — Als er mein Bild
betrachtete, schien er sehr befriedigt, doch sagte er,

8

—

ef

~ Als der einundvierzigjahrige sportencs Alfred Bach den Flugplatz von Clemen- i
Bach hatte Glick ton (New Jersey) anflog, mubte er feststellen, daB er zu tief war. Er ver~_ 44
suchte, wieder hochzukommen, aber es war zu spat — krachend landete die

im Pech Maschine in einer Baumkrone. Doch Bach hatte Glick: er wurde nicht verletzt
und konnte ohne Hilfe herunterklettern: die Maschine war allerdings zerstort.

Metadata

Containers:
Box 2 (3-Writings of Eugen Spiro), Folder 7
Scope and content:
also related correspondence.
Resource Type:
Document
Rights:
Image for license or rights statement.
CC BY-NC-SA 4.0
Date Uploaded:
November 7, 2024

Using these materials

Access:
The archives are open to the public and anyone is welcome to visit and view the collections.
Collection restrictions:
Access to this record group is unrestricted.
Collection terms of access:
The researcher assumes full responsibility for conforming with the laws of copyright. Whenever possible, the M.E. Grenander Department of Special Collections and Archives will provide information about copyright owners and other restrictions, but the legal determination ultimately rests with the researcher. Requests for permission to publish material from this collection should be discussed with the Head of Special Collections and Archives.

Access options

Ask an Archivist

Ask a question or schedule an individualized meeting to discuss archival materials and potential research needs.

Schedule a Visit

Archival materials can be viewed in-person in our reading room. We recommend making an appointment to ensure materials are available when you arrive.